Neuanfang für ein ungleiches Duo beim VfL Wolfsburg

Wolfsburg.  Eine kühl, die andere forsch: Karina Sævik und Shanice van de Sanden. Was das neue Sturmduo des Frauen-Bundesligisten VfL Wolfsburg zu sagen hat.

Karina Sævik (von links) und Shanice van de Sanden präsentieren stolz ihre neuen Arbeitsklamotten. Das Offensiv-Duo ist bereits am Sonntag gegen Meppen einsetzbar.

Karina Sævik (von links) und Shanice van de Sanden präsentieren stolz ihre neuen Arbeitsklamotten. Das Offensiv-Duo ist bereits am Sonntag gegen Meppen einsetzbar.

Foto: Helge Landmann / regios24

Unterschiedlicher könnten die beiden Offensiv-Neuzugänge des VfL Wolfsburg kaum sein: Auf der einen Seite die kühl wirkende Norwegerin mit den langen blonden Haaren, auf der anderen Seite die kleine, extrovertierte Niederländerin mit surinamischen Wurzeln und Kurzhaarschnitt. Eines aber verbindet Karina Sævik und Shanice van de Sanden, das neue Sturmduo des Frauenfußball-Bundesligisten – die Chance auf einen Neuanfang.

Der könnte bereits am Sonntag (Anpfiff 14 Uhr, AOK-Stadion) für eine oder gar beide starten, wenn sie mit den „Wölfinnen“ den frechen Aufsteiger SV Meppen empfangen, der in Duisburg (0:0) und gegen Potsdam (2:2) punktete. Eine halbe Stunde vor Meldeschluss hatte Ralf Kellermann, der Sportliche Leiter der VfL-Frauen, die Spielgenehmigungen fürs Wochenende rechtzeitig beantragen können nach den beiden Blitztransfers. „Wenn sie auf der Liste stehen, müssen sie auch damit rechnen, zum Einsatz zu kommen“, sagt Trainer Stephan Lerch gewohnt geheimnisvoll.

Zeit zum Eingewöhnen

Am Freitagnachmittag stiegen Sævik und van de Sanden aber erst ins Training ein. Lerch will die beiden Nationalspielerinnen trotz ihrer Erfahrung nicht verheizen. „Sie bekommen die Zeit, die sie brauchen“, kündigt der Coach an.

Während einer Pressekonferenz am Freitagmittag machte aber vor allem die Niederländerin nicht den Eindruck, erst einmal nur zuschauen zu wollen. Die vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon gekommene Spielerin sagt: „Ich bin sehr stolz, nun das Wolfsburg-Trikot zu tragen. Nach Lyon ist der VfL die zweitbeste Mannschaft der Welt. Ich hoffe, dass er nach dieser Saison die beste ist. Deshalb habe ich hier unterschrieben.“

Norwegerin zurückhaltend

Ganz so aus sich heraus geht die eher zurückhaltende Sævik nicht bei ihrer Vorstellung. Aber nur als Bankdrückerin ist sie nicht von Paris Saint-Germain in die VW-Stadt gekommen. „Du willst immer so schnell wie möglich für den neuen Klub spielen“, sagt sie. Beide waren zuletzt nicht erste Wahl bei ihren vorherigen Teams. Warum nun nicht schon gegen Meppen spielen?

Vielleicht, weil auf ihren Lieblingspositionen beim VfL bereits andere Topspielerinnen zu Hause sind. Sævik bezeichnet die Sturmmitte und den Flügel als ihr Einsatzgebiet, während van de Sanden die „rechte Seite“ bevorzugt. Die Norwegerin buhlt folglich mit Alexandra Popp, Pauline Bremer und Svenja Huth um das Angriffszentrum, könnte aber auch Fridolina Rolfö (Folgen einer Gehirnerschütterung) auf links ersetzen, wo zuletzt Felicitas Rauch spielte. Die Niederländerin müsste Zsanett Jakabfi verdrängen. Die Ungarin hatte zuletzt beim 4:1 in Hoffenheim drei Tore geschossen und eines vorbereitet.

Zum Start auf der Bank?

Deswegen erscheint es wahrscheinlicher, dass die Neuen erst einmal auf der Bank Platz nehmen. Kellermann weist in dem Zusammenhang aber darauf hin, dass keine der beiden nur ein kurzfristiger Notnagel ist, um den Weggang Pernille Harders (für 350.000 Euro zum FC Chelsea) und den Verletzungsausfall Ewa Pajors (Knie-OP) zu kompensieren. „Beide Spielerinnen können uns aus dem Stand weiterhelfen. Wir haben sie nicht nur für die nächsten ein, zwei Wochen geholt“, sagt Kellermann.

Der Sportliche Leiter hat mit den beiden Transfers die VfL-Muskeln spielen lassen. Nach Harders erzwungenem Abgang könnten einige Konkurrenten die Machtlosigkeit der Wolfsburger in der Personalie als Schwäche interpretiert haben. Doch die Verpflichtung van de Sandens und Sæviks für diese und des niederländischen Top-Sturmtalents Joelle Smits (PSV Eindhoven) für die nächste Spielzeit sind auch deutliche Zeichen dafür, dass der VfL nicht gewillt ist, sich von der europäischen Spitze verdrängen zu lassen.

Ablösesummen bald die Regel?

Da alle drei Spielerinnen vor Ablauf ihrer Vertragslaufzeit kamen/kommen, musste es sich der VfL etwas kosten lassen. Immer öfter werden nun auch im Frauenfußball Ablösesummen gezahlt. „Die Entwicklung“, prognostiziert Kellermann, „wird so weitergehen. Aber ich sehe uns langfristig konkurrenzfähig.“

Das muss er auch sein. Ablösefrei hatte Kellermann van de Sanden im Februar nicht bekommen, wie er verrät. Als die Niederländerin aber nach ihrer neuerlichen Vertragsunterschrift in Lyon nun unzufrieden war, klopfte er erfolgreich wieder an – und konnte den Transfer auch finanziell stemmen. So startet das ungleiche Sturmduo Sævik/van de Sanden nun seinen Neuanfang.

VfL Wolfsburg – SV Meppen, Sonntag, 14 Uhr, AOK-Stadion. Knapp 700 Zuschauer sind zugelassen, am Freitag waren noch Tickets im Verkauf.

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