Vom Glück mit Kindern – oder auch ohne

Braunschweig  Wenn Paare sich bei der Frage nach Kindern unsicher oder uneins sind, kann die Beratung von Pro Familia helfen.

Zwei Tage habe ich alles gelesen, was mir zum Thema „Kinderkriegen oder nicht?“ so unter die Augen kam. Am Ende kann ich sagen: Ich bin dafür. Ja zum Kind. In meinem Lieblingscafé gucke ich mir gerne die Kleinkinder an, wie sie in der Spielecke krabbeln. Und natürlich auch die Mütter, wie sie ihre Köpfe zusammenstecken. Unglücklich sieht keine aus. Ihre Männer arbeiten gerade.

Man stößt in Deutschland immer wieder auf schriftliche Spuren von Müttern, die sich gar nicht mehr einkriegen können beim Anblick ihres Kindes: „Ich danke dir für dein Lächeln, für deine Zufriedenheit, wenn du schläfst und deinen drolligen Übermut, wenn du spielst.“ Lesefrüchte im Internet. Ein Satz für das Poesiealbum.

Im Netz kann man auch anderes lesen. Zeitungsüberschrift: „Unglückliche Mütter. Sie wollen ihr Leben zurück“, weil ja wohl, so muss man die Aussage verstehen, ein Leben mit Kindern nicht wirklich eines ist.

Die deutsche Schriftstellerin Shirley Seul (ein Pseudonym) schrieb das Buch „Goodbye Baby. Glücklich ohne Kinder“. Ein intimer Blick in das Seelenleben einer bewusst kinderlosen Frau. Wird diese mit ihrem Nein zum Kind respektiert? Nicht von allen. Anfeindungen kommen gerade von Frauen, die Mütter sind. Wie umkehrt kinderlose Frauen sich darüber aufregen können, wenn sie in der Firma auf Schwangere und deren Extrawünsche Rücksicht nehmen sollen.

Und jetzt komme ich endlich darauf, dass beim Thema Kinderkriegen auch der Mann beteiligt ist. Vielleicht wird ein Paar draus. Will es ein gemeinsames Kind? Ist es voller Zuversicht, dieses Kind großzuziehen? Wie schön wäre es, wenn das Kind durch die liebevolle Zuwendung der Eltern gestärkt würde. Jetzt kann es kompliziert werden, und deshalb hole ich mir Rat bei Pro Familia Braunschweig, spreche mit Sigrid Korfhage, der Leiterin der Einrichtung, und ihrer Kollegin Anne Henken. Beide strahlen eine Gelassenheit aus, die mich in meiner babyfreundlichen Haltung voll bestätigt.

Da ist erst einmal die Liebe, dieser Trick der Natur. Liebe ist eine Entscheidungshilfe: Dich will ich. Und ich könnte mir vorstellen, mit dir Kinder zu kriegen. Aber wie vernünftig die Frauen schon in dieser romantisierenden Phase sein können! Anne Henken: „Sie überprüft ihren Freund auf Alltagstauglichkeit.“ Geht das überhaupt mit dem?

Was, wenn das Paar unglücklich miteinander ist? Sie will vielleicht das Kind, aber er nicht. Dann muss man gucken: Wie redet das Paar miteinander? Warum will der Mann nicht? Vielleicht traut er sich die Vaterrolle nicht zu, was kein gutes Zeichen wäre. „Die Beratung“, sagt Sigrid Korfhage, „kann ein Gespräch in Gang setzen, das vorher noch blockiert war. Die Störfaktoren müssen auf den Tisch.“

Und was ist, wenn die Zweifel der Frau bleiben? Sie kann sagen, ich kriege das schon hin, und den Mann biege ich mir zurecht. Vielleicht geht es sogar gut.

Und weil das Internet so voller verrückter und zorniger Sätze zum Thema Kinderkriegen ist, bin ich dankbar für den Tipp, mir einen Aufsatz eines Wissenschaftlers durchzulesen. Der Entwicklungspsychologe Rainer Dollase schrieb: „Zur Psychologie des nachlassenden Kinderwunsches: Warum wollen so wenige Menschen so wenige Kinder?“

Ganz sachlich stellt er fest: „Ohne Kinder hat man mehr Geld und mehr Zeit. Deshalb wird der Kinderwunsch seltener.“ Er bleibt aus, wenn man viel Angst hat, dass etwas schieflaufen könnte. Andere, die Erfolgsmotivierten, sehen eher den psychologischen Nutzen von Kindern. Das Kind macht Freude, die Eltern werden beachtet, möglicherweise bewundert. Das Kind erzählt, wenn es größer wird, Geschichten, die alle erstaunen. So ein tolles Kind.

Die Entscheidung für oder gegen ein Kind, sagt der Wissenschaftler, sei das Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Kalkulation, die aber noch von Ängsten oder Zuversicht beeinflusst wird. Der Kinderlose ist bei der Bewertung im Nachteil. Dollase: „Man weiß ja nicht, wie es wäre, wenn man eins hätte, wie das Kind wird, wie man auf das Kind reagiert.“

Nichts im Leben ist ohne Risiko zu haben. Das hat schon der Philosoph Karl Popper gesagt. Und ist es nicht so, dass man sich nach dem sehnt, was man nicht hat? Der Kinderlose trauert, dass nichts von ihm weiterlebt. Wer Kinder großzieht und sich einschränken muss, beneidet jene, die sich teure Zerstreuungen leisten. Noch schöner sagen es die Engländer: „The grass always looks greener on the other side.“

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