VW will in Deutschland 14.000 Arbeitsplätze abbauen

Wolfsburg  Ein Zukunftspakt soll VW sanieren helfen. Weltweit will der Autobauer 30.000 Arbeitsplätze abbauen. Doch es sollen auch neue Stellen entstehen.

Die Volkswagen-Vorstände und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil in Wolfsburg bei der Pressekonferenz.

Die Volkswagen-Vorstände und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil in Wolfsburg bei der Pressekonferenz.

Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Die Marke Volkswagen steht vor dem größten Umbau ihrer Geschichte. Sie soll wettbewerbsfähiger und profitabler werden – das ist das Ziel des Zukunftspakts, der von Vorstand und Betriebsrat vereinbart wurde. Die 120.000-köpfige Belegschaft in Deutschland wird bis 2020 um voraussichtlich 14.000 Mitarbeiter verkleinert. Dafür sollen vor allem Altersteilzeit, in Einzelfällen auch Abfindungen genutzt werden. Auf betriebsbedingte Kündigungen will VW verzichten.

Weltweit will der Autobauer 30.000 Arbeitsplätze streichen, davon bis zu 23.000 in Deutschland. Zugleich sollen in Deutschland 9000 neue Stellen entstehen. Etwa die Hälfte des Stellenabbaus in Deutschland entfällt auf das Stammwerk Wolfsburg. Am härtesten treffen wird es die 5700 Leiharbeiter, von denen die meisten in den niedersächsischen Werken arbeiten. Viele von ihnen werden ihren Arbeitsplatz verlieren.

Die wirtschaftlichen Ziele

Durch Einsparungen und Steigerung der Produktivität um 25 Prozent soll die Marke VW ihr Ergebnis bis 2020 um jährlich 3,7 Milliarden Euro verbessern. Davon sollen drei Milliarden Euro aus den Werken Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter, Hannover, Emden und Kassel sowie aus den Werken in Sachsen kommen. Wie Herbert Diess, Vorstandschef der Marke VW, ausführte, soll die Marke 2020 ihre Umsatzrendite auf 4 Prozent steigern. Aktuell sind es etwa 1,6 Prozent.

Die Arbeitsplätze

Konkrete Zahlen, wie viele Arbeitsplätze in den einzelnen Werken abgebaut werden sollen, nannte VW nicht. Der Löwenanteil wird mit etwa 50 Prozent auf das Stammwerk Wolfsburg entfallen. Für den Stellenabbau soll nach VW-Angaben vor allem Altersteilzeit genutzt werden. Der entsprechende Tarifvertrag wurde erst im vergangenen Mai verlängert. Freigegeben für die Altersteilzeit sind die Jahrgänge bis 1960, der Tarifvertrag erlaubt eine Öffnung bis zum Jahrgang 1967. Über den Daumen gepeilt erhält ein VW-Mitarbeiter in Altersteilzeit etwa 80 Prozent seines letzten Einkommens – der Prozentsatz kann aber schwanken.

VW will zudem 9000 Arbeitsplätze schaffen, zum Beispiel für Software-Entwickler. Nach Angaben von Personalvorstand Karlheinz Blessing sollen die Stellen vor allem mit eigenen Kräften besetzt werden. Für die Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter stehen nach Angaben von Betriebsratschef Bernd Osterloh 100 Millionen Euro bereit.

Die Werke

Die VW-Fabriken, darunter die in Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter, stehen vor einem grundlegenden Umbau. In Salzgitter soll zum Beispiel eine Pilotanlage für die Produktion von Batteriezellen entstehen. Aus diesen Zellen werden die Batteriesysteme für Elektro-Autos zusammengesetzt. Das Werk Braunschweig soll Leitwerk für Fahrwerke, Lenkungen und Batteriesysteme werden, die dort bereits seit einigen Jahren produziert werden. Das Werk Wolfsburger wiederum soll zur VW-IT-Zentrale ausgebaut werden. Dort sollen 1000 Arbeitsplätze entstehen, unter anderem für die Software-Entwicklung.

Die Investitionen

Allein die Marke Volkswagen will in Deutschland bis 2020 rund 3,5 Milliarden Euro investieren. Das Geld fließt in den Ausbau der Standorte und in die Entwicklung der Elektro-Mobilität, der Vernetzung des Autos und des autonomen Fahrens.

Diese Themen beschäftigen auch den gesamten Konzern. Der kündigte gestern lediglich an, die Investitionsquote gemessen am Umsatz von 6,9 Prozent im vergangenen Jahr auf künftig 6 Prozent zu senken. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres summierte sich der Konzernumsatz auf 159,9 Milliarden Euro. Bei einer Quote von 6 Prozent würde der Konzern somit rund 9,5 Milliarden Euro investieren.

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