Ministerpräsident Weil verteidigt VW-Zukunftspakt

Hannover  Ministerpräsident Stephan Weil sieht eine klare Perspektive für die niedersächsischen VW-Standorte.

In der Region Braunschweig könnte sich durch den Pakt ein regionales Cluster für Elektromobilität und IT zu etablieren.

In der Region Braunschweig könnte sich durch den Pakt ein regionales Cluster für Elektromobilität und IT zu etablieren.

Foto: Holger Hollemann/dpa

Der „Zukunftspakt“ von VW bietet nach Einschätzung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) eine klare Zukunftsperspektive für die niedersächsischen VW-Standorte.

„Damit bietet sich die Chance in der Region Braunschweig, dort ein regionales Cluster für Elektromobilität und IT zu etablieren“, sagte Weil am Vormittag bei einer Regierungserklärung im Landtag. Weil sitzt für das Land im VW-Aufsichtsrat.

So würden sich die Werke in Braunschweig und Salzgitter künftig auf zukunftsfähige und profitable Module konzentrieren. „Braunschweig wie das Leitwerk für Fahrwerke, Lenkungen und Batteriesysteme. Salzgitter wird gemeinsam mit Kassel verantwortlich für den Elektromotor“, so Weil. In Braunschweig werde die erste Generation von Batterien für den modularen Elektro-Baukasten gefertigt, in Salzgitter sei der Probebetrieb für eine künftige Batteriezellproduktion vorgesehen. Wolfsburg werde das Zentrum für Elektromobilität für die gesamte Marke. Dort werde sich auch das IT-Zentrum von Volkswagen befinden.

Der Abbau von im Saldo etwa 10 000 Jobs in Niedersachsen, knapp zehn Prozent, sei eine „ sehr bittere Pille“‘ räumte Weil aber ein.

Es gehe um nicht mehr und um nicht weniger als um die Zukunft von Volkswagen. Weil forderte Verzicht aber auch von der VW-Führungsetage. „Wenn alles auf den Prüfstand gestellt wird, gilt das auch für alle Teile des Unternehmens, etwa auch für die künftige Vorstandsvergütung“, betonte Weil. CDU-Fraktionschef Björn Thümler warnte davor, die Risiken des Umbaus zu unterschätzen. Thümler forderte, bei der Wende zur Elektromobilität viel stärker auf Übergangstechnologien zu setzen.

Regierungschef Weil forderte VW auf, in der Diesel-Affäre weiter aufzuklären. Über Jahre hinweg habe VW beim Umgang mit Diesel-Abgaswerten schwere Fehler gemacht, sagte Weil. Kritik an VW-Vorstandschef Matthias Müller übten SPD- Fraktionschefin Johanne Modder und CDU-Fraktionschef Thümler. Die Beschimpfung der Kunden sei eine schlimme Entgleisung, sagte Thümler im Landtag. Müller hatte erklärt, es mangele in der Elektromobilität nicht an Angeboten, sondern an der Nachfrage.

Der frühere Landeswirtschaftsminister und Ex-VW-Aufsichtsrat Jörg Bode (FDP) forderte in der Debatte, den Vorstand „in die Wüste zu schicken“. Es gehe nicht um künftige Boni, sondern solche, die für Betrug gezahlt worden seien. Diese müssten zurückgefordert werden, sagte Bode an Weil gewandt. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Anja Piel warf Teilen der VW-Spitze Arroganz vor.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder