Industrieklub feiert 100. Geburtstag – „Klein und exklusiv“

Braunschweig  Der Industrieklub Braunschweig feiert am Sonntag sein 100-jähriges Bestehen. In diesem Jahr will er ein eigenes Klubhaus erwerben.

Am Sonntag wird es zunächst besinnlich, dann sehr festlich. Der Industrieklub Braunschweig feiert seinen hundertsten Geburtstag und begrüßt dafür geladene Gäste zu einer feierlich Andacht im Dom und später zu einem Champagner-Empfang im Rittersaal der Burg Dankwarderode. Der Klub, der sonst wenig Wert darauf legt, öffentlich wahrgenommen zu werden, lässt also die Korken knallen.

Das nicht ohne Grund: Immerhin hat dieses Netzwerk aus Industriellen ein Jahrhundert Bestand in Braunschweig – es hat dem Verlust von hohen Geldsummen nach dem Ersten Weltkrieg sowie der Bombardierung des Gewandhauses samt Klubräumen im Zweiten Weltkrieg getrotzt.

In den vergangenen Jahren hat der Industrieklub laut Vorsitzendem Volker Fr. Heemsoth erfolgreich an seiner Verjüngung gearbeitet. Trotzdem bleibt er eine exklusive Mannschaft: Zurzeit sind 34 Firmen sowie 77 Einzelpersonen Mitglieder des Netzwerks. 21 sogenannte Gäste stehen als potenzielle Mitglieder bereit. Es sind allesamt Führungskräfte der obersten Ebene, Selbstständige oder Eigentümer von Firmen. „Wir sind klein und exklusiv“, sagt Heemsoth, der geschäftsführender Gesellschafter bei der Immobilien-Gruppe Triacon Holding ist. Aber auch: „Wir wollen unsere Mitglieder persönlich kennen. Es sollen sich dort Freundschaften entwickeln.“

Neben der Interessenvertretung hatten schon die Gründerväter das Miteinander-Bekanntwerden und den Austausch zwischen Menschen aus Wirtschaft und Industrie im Sinn, als sie am 11. Februar 1918 den Klub gründeten. Der Braunschweiger Historiker Gerd Biegel ordnet ein: „Nach Kriegsende war es für die eigentlich vom Krieg profitierende Industrie nötig, sich in der veränderten politischen Situation gesellschaftlich neu zu orientieren. Der Klub sollte dem Netzwerken dienen, bot aber auch Geselligkeit.“

Zu den Gründern gehörten 30 Firmen und mehr als 70 Einzelpersonen, darunter so illustre Namen wie die Eisenbahnsignal-Bauanstalt Max Jüdel & Co., die Firma Heinrich Büssing, die Bierbrauerei „Zum Feldschlösschen“, die Besitzer der Verpackungsmittelfabrik Schmalbach und der Hoflieferant Carl Langerfeldt. Die Gründungsmitglieder stifteten als Startkapital 262 000 Reichsmark, umgerechnet sind das heute rund 3,5 Millionen Euro. Wegen der schwierigen Lage gegen Ende des Ersten Weltkriegs entschlossen sich die Industriellen, das Geld in Kriegsanleihen zu investieren – und verloren alles.

Die ursprüngliche Idee, mit dem Geld eine eigene Klub-Immobilie zu finanzieren, musste aufgegeben werden. Stattdessen mieteten die Klubmitglieder den Vereinssaal im Gewandhaus. Später vergrößerten sich die Räume. Hier wurden Konzerte, Vorträge und Kabarettvorstellungen gehört, es gab eine eigene Schankerlaubnis. Die Mitglieder stellten einen Klubdiener sowie eine Wirtschafterin an. Einmal im Jahr wurde zudem ein Ball veranstaltet.

Beim Bombenangriff auf die Stadt im Jahr 1944 wurde auch das Gewandhaus getroffen und begrub alle Unterlagen, Bilder der verstorbenen Mitglieder, Akten und auf Bütten geschriebene Protokolle unter sich. Der Klub zog vorübergehend in Räume der Commerzbank, nach dem Wiederaufbau des Gewandhauses konnte er seine alten Räume im Gewandhaus im Jahr 1951 wieder beziehen.

Auch heutzutage treffen sich die Mitglieder regelmäßig – etwa zum Spargel- oder Weihnachtsessen. Zudem besuchen sie gegenseitig ihre Unternehmen und stellen diese den anderen Mitgliedern vor. „Wir wollen uns gegenseitig etwas mitgeben“, erklärt Heemsoth. Schließlich stehen einige der Unternehmer vor den gleichen Schwierigkeiten: Nullzins, Fachkräftemangel, und und und. Außerdem veranstaltet der Klub öffentliche Vorträge.

Um das Jubiläum in diesem Jahr würdig zu begehen, hat der Braunschweiger Industrieklub Anfang Januar den Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Braunschweig in der Stadthalle finanziert und ausgerichtet. Der Vorsitzende Heemsoth dankte auf dem Empfang den IHK-Mitglieds-Betrieben: „Sie sind es mit Ihren Unternehmen, die für Beschäftigung und Wohlstand in der Region sorgen.“

Heemsoth ist seit Juli vergangenen Jahres Vorsitzender eines achtköpfigen Klubvorstands. Der ehrenamtliche Vorsitz rotiert alle zwei Jahre – dieses System hat der Klub vor gut zehn Jahren eingeführt. „Alle zwei Jahre bringt jemand Neues frische Ideen und Engagement mit“, sagt Heemsoth. Das, zusammen mit der Neuregelung, dass jede Firma mit zwei Personen als Mitglied eingetragen wird – etwa Senior- und Junior-Chef – habe den Klub „verjüngt und auf Touren gebracht“, sagt er. In Zukunft möchte der Klub mehr Frauen als Mitglieder gewinnen, aktuell sei der Frauenanteil eher gering. „Wir wollen das aktiv angehen“, sagt Heemsoth.

Und noch etwas steht ganz oben auf der Agenda des Klubs: Nach 100 Jahren will er es erneut angehen, ein eigenes Klubhaus zu erwerben. „Wir suchen gerade eine Immobilie“, sagt Heemsoth. Damit schließe sich nach einhundert Jahren der Kreis.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder