Ex-VW-Manager weist Mittäterschaft von sich

Braunschweig.  Gegen seine Entlassung hat er geklagt. VW muss diese vor Gericht nun erst einmal begründen.

Richter Ingo Hundt vor Verhandlungsbeginn, links im Bild die VW-Anwälte, rechts der Kläger-Anwalt und der Ex-Manager.

Richter Ingo Hundt vor Verhandlungsbeginn, links im Bild die VW-Anwälte, rechts der Kläger-Anwalt und der Ex-Manager.

Foto: Florian Kleinschmidt / BestPixels.de

Seit drei Jahren war der frühere Dieselmotoren-Entwicklungschef der Marke VW wegen des Abgas-Skandals von seinem Job freigestellt – sein Monatsgehalt von rund 41.000 Euro bezog er weiter. Doch nachdem der Autobauer Anfang August Einsicht in die Akten der Staatsanwaltschaft Braunschweig erhalten hatte, kündigte er dem Ex-Hauptabteilungsleiter kurz darauf fristlos. Zu Unrecht, findet der 52-Jährige, und klagte gegen die Kündigung. Nun muss VW dem Gericht erst einmal schriftlich begründen, warum er entlassen wurde.

Ein Anwalt von VW erklärte am Montag beim Gütetermin am Braunschweiger Arbeitsgericht, die Erkenntnisse der Staatsanwälte hätten die Wolfsburger zur Kündigung veranlasst. Der Anwalt des Managers hielt dagegen, er sei gespannt auf diese Erkenntnisse. Wegen welcher Handlungen seinem Mandanten Betrug und Urkundenunterdrückung vorgeworfen werde, erschließe sich ihm in keiner Weise. Der 52-Jährige sei an der Entwicklung des Betrugs-Motors EA 189 nicht beteiligt gewesen; seine Aufgabe sei die Entwicklung des Nachfolgemotors gewesen. Außerdem sei er weder für die Software noch die Zulassung verantwortlich gewesen.

VW habe den Falschen ausgeguckt, sagte der Anwalt. In den USA sei sein Mandant mehrfach unter Beteiligung von FBI und US-Justizministerium verhört worden – und im Gegensatz zu anderen Managern nicht angeklagt. Auch an zahlreichen internen Besprechungen und Anhörungen habe er teilgenommen, sich durchgehend kooperativ gezeigt. In Deutschland rechne er ebenfalls nicht mit einer Anklage. „Mein Mandant hat mit der ganzen Geschichte schlicht nichts zu tun“, sagte der Anwalt unserer Zeitung nach der Verhandlung. Die fristlose Kündigung nach drei Jahren Freistellung sei absurd.

Der VW-Anwalt hingegen sieht die Verantwortung gegeben. Das Unternehmen erwarte, dass Compliance-Verstöße gemeldet werden. Der Kläger hatte die Dieselmotoren-Entwicklung seit 2010 geleitet, der betroffene Motor wurde bereits Jahre zuvor entwickelt. Doch dessen Einsatz habe nicht geendet, als er Hauptabteilungsleiter wurde.

„Wir haben offenbar unterschiedliche Vorstellungen, was in den Akten steht“, resümierte der VW-Anwalt. Für den 11. März 2019 hat der Richter nun den Kammertermin angesetzt, bei dem eine Entscheidung fallen könnte.

Auch andere geschasste Manager haben gegen ihre Entlassung geklagt, unter anderem die in den USA inhaftierten.

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