Ab 2023 will VW Financial CO2-neutral sein

Braunschweig.  Optimismus war das Motto des Neujahrsempfangs mit 400 Gästen. Das Jahr 2019 brachte ein Rekordplus.

VWFS-Vorstandschef Lars Henner Santelmann (am Mikro) begrüßte die etwa 400 Gäste. Seine Vorstandskollegen (von links) Mario Daberkow und Frank Fiedler, Michael Reinhart, Chef der VW-Bank, und Christiane Hesse informierten die Besucher über die wirtschaftliche Entwicklung.

VWFS-Vorstandschef Lars Henner Santelmann (am Mikro) begrüßte die etwa 400 Gäste. Seine Vorstandskollegen (von links) Mario Daberkow und Frank Fiedler, Michael Reinhart, Chef der VW-Bank, und Christiane Hesse informierten die Besucher über die wirtschaftliche Entwicklung.

Foto: Stefan Lohmann

Wehklagen und Meckern waren am Sonntag beim Neujahrsempfang der VW Financial Services (VWFS) in Braunschweig ebenso unerwünscht wie schlechte Laune. Das von Michael Reinhardt, Chef der VW-Bank, ausgegebene und der britischen Komikergruppe Monty Python entlehnte Motto lautete: Always look on the bright side of life – schau immer auf die Sonnenseite des Lebens. Eine Empfehlung, der die etwa 400 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport gut gelaunt folgten.

Bevor jedoch die Essensstände geöffnet wurden und sich für die Besucher bei Sauerbraten, Pfannkuchen, Fisch, Spaghetti mit Grünkohl-Pesto oder Strammem Max die Gelegenheit zum Meinungs- und Informationsaustausch ergab, informierte der VWFS-Vorstand über die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens im vergangenen und gab einen Ausblick auf das neue Jahr. Schnell offenbarte sich, dass das von Reinhardt ausgegebene Motto kein Produkt des Zufalls war.

Finanzvorstand Frank Fiedler bestätigte, dass die VW-Finanzsparte im vergangenen Jahr erneut ein Rekordergebnis eingefahren habe. Zahlen nannte er zwar nicht, kündigte aber an, dass der Gewinn „signifikant“ über dem Ergebnis des Jahres 2018 liegen werde. Da hatten die VWFS 2,61 Milliarden Euro verdient.

Zugleich werde das bis 2025 anvisierte Sparziel angehoben, sagte Fiedler. Ursprünglich sah die Planung vor, dass die Kosten ab 2025 im Vergleich zu 2018 um jährlich 850 Millionen Euro gesenkt werden sollen. Dieser Betrag werde auf
1,3 Milliarden Euro erhöht. Grund: Das Programm sei schon im ersten Jahr besser gelaufen als erwartet.

Nach Angaben Fiedlers wollen die VWFS ihr Geschäft unter anderem auf dem für den Mutterkonzern VW so wichtigen chinesischen Markt ausbauen. Im vergangenen Jahr hätten die VWFS sich zudem an zahlreichen Unternehmen beteiligt oder sie ganz übernommen, um das Angebot digitaler Dienstleistungen auszuweiten. Das gelte etwa für Finanzierungen, die in kurzer Zeit online abgeschlossen werden könnten.

Fiedler kündigte nicht nur an, dass die VWFS Marktführer beim Flottengeschäft werden, sondern auch das Geschäft mit Gebrauchtwagen ausrollen wollen. So werde die Gebrauchtwagenplattform Heycar seit September des Vorjahres in Großbritannien betrieben, in naher Zukunft werde zudem über die Einführung in einem anderen europäischen Land entschieden. In Deutschland sei Heycar mit 450.000 angebotenen Fahrzeugen die Nummer 3 unter den Gebrauchtwagen-Plattformen.

Christiane Hesse, im Vorstand verantwortlich für das Personalressort, erläuterte, dass der Ausbau der digitalen Angebote die Kundenbindung stärken solle. Das gelte etwa für das Thema Parken. Für dieses Angebot gebe es bereits 35 Millionen registrierte Nutze, im vergangenen Jahr seien 130 Millionen Parkvorgänge bearbeitet worden.

Hesse berichtete weiter, dass der Umbau der VW-Finanzdienstleitungen zu mehr digitalen Angeboten weitreichende Folgen für die weltweit mehr als 16.000 Mitarbeiter habe, von denen etwa 6000 in Braunschweig beschäftigt sind. Allein in Braunschweig seien im abgelaufenen Jahr 2730 Schulungen angeboten und 1300 Mitarbeiter versetzt worden. Als Folge von Digitalisierung und Automatisierung seien 100 Arbeitsplätze entfallen, die Mitarbeiter seien aber intern vermitteltworden. Wichtig in Phasen des Umbruchs seien Kommunikation, die Unterstützung bei der Einarbeitung in neue Aufgaben sowie eine Willkommenskultur im für die betroffenen Mitarbeiter neuen Fachbereich.

VW-Bank-Chef Reinhardt nutzte den Empfang, um nicht nur den Kunden, sondern den VWFS-Mitarbeitern für ihren Einsatz im vergangenen Jahr zu danken. Er betonte, dass der Erfolg der VW-Bank und der VWFS hart erarbeitet sei. „Uns wurde nichts geschenkt“, sagte er und nannte als Herausforderungen des vergangenen Jahrs den Niedrigzins, die Bankenaufsicht und die allgemeine Regulatorik. Der wirtschaftliche Erfolg schaffe den VWFS den Freiraum, Kultur und Sport zu unterstützen.

IT-Vorstand Mario Daberkow sagte, dass das Jahr 2019 nach einer Phase der Vorbereitung ein Jahr der Umsetzung war. Dazu habe in erster Linie das Ausrollen der digitalen Plattformen gezählt. So sei das komplette VWFS-Angebot inzwischen in 28 Ländern online verfügbar. Im vergangenen Jahr hätten die Kosten zudem halbiert werden können.

Das erste und auch das Schlusswort gehörten VWFS-Vorstandschef Lars Henner Santelmann. Er kündigte an, dass die Finanzsparte bis 2023 CO2-neural werden wolle. Ökostrom werde bereits genutzt, die Umstellung der Wärmeversorgung und der Dienstwagen würden folgen. Das Unternehmen habe auf seinem Gelände zudem zahlreiche Bäume und Sträucher gepflanzt und engagiere sich bei der Renaturierung eines Teilstücks der Schunter.

Die Phase der Veränderung bezeichnete Santelmann als große Chance für die VWFS. Sie bedeute aber auch, dass sich die Rolle des Unternehmens verändere, weil das Geschäft mit den Kunden direkter und digitaler werde. Die eigentlichen Veränderungen stünden noch bevor, bekräftigte er. „Zwei Dinge werden aber bleiben: Erstens halten wir, was wir versprechen. Und zweitens haben wir einen klaren Plan“, sagte er.

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