Tupperware steckt in der Krise: Die Party ist zu Ende

New York/Orlando.  Tupperware steht mit dem Rücken zur Wand. Die Geschäfte der US-Firma laufen schon lange schlecht. Sind die Partys nicht mehr zeitgemäß?

Eine Tupperparty im Jahr 2002: Mit dem Direktverkauf hat sich der US-Hersteller einen Namen gemacht.

Eine Tupperparty im Jahr 2002: Mit dem Direktverkauf hat sich der US-Hersteller einen Namen gemacht.

Foto: Bernd Thissen / dpa

So ziemlich jeder kennt sie oder hat sie sogar zu Hause: Tupperware. Vor fast 75 Jahren mischte der US-Hersteller den Markt der Haushaltsartikel auf. Mit wiederverwendbaren Frischhalteboxen in Kombination mit dem Verkauf direkt beim Kunden zu Hause. Doch das Geschäftsmodell scheint sich überholt zu haben. In Partylaune ist bei Tupperware derzeit niemand.

Denn das Unternehmen aus Orlando in Florida steckt tief in der Krise. Verschärfte Konkurrenz und der boomende Online-Handel setzen der auf Direktvertrieb ausgerichteten Firma zu. Die Geschäfte laufen schon lange schlecht, dafür sind die Schulden hoch. Anleger scheinen Tupperware schon fast abgeschrieben zu haben.

Tupperware: Aktie der einstigen Kultfirma im Sinkflug

Am Dienstag brach die Aktie zeitweise um rund 50 Prozent ein, was den Kurs auf ein Rekordtief von unter drei Dollar drückte. Zum Vergleich: Ende 2013 hatten die Papiere noch mehr als 90 Dollar gekostet. Hinter dem Börsenabsturz der einstigen Kultfirma verbergen sich handfeste operative Probleme.

Seit acht Quartalen sinken die Erlöse. Im November schmiss Chefin Tricia Stitzel nach nur 18 Monaten hin. Ihr Nachfolger Chris O’Leary wurde nur als Übergangslösung verpflichtet, die Suche nach einem dauerhaften Chef war bislang erfolglos.

Gleich mehrere Hiobsbotschaften für Tupperware

Das Unternehmen, dessen Gründer Earl Tupper 1946 die Küchenwelt mit seinen bunten „Wunderschüsseln“ aufmischte, steht mit dem Rücken zur Wand. Der Geschäftsbericht für 2019 musste wegen Ungereimtheiten bei der Bilanzierung des Beauty-Geschäfts Fuller in Mexiko verschoben werden, was zu millionenschweren Sonderbelastungen führen könnte und den Aktionären am Dienstag endgültig die Laune verdarb.

Es war nicht die einzige Hiobsbotschaft: Tupperware gab wegen Problemen in Brasilien, China, den USA und Kanada eine Gewinnwarnung ab und räumte Verschuldungsprobleme ein.

Erfolgskonzept Tupperparty: Ist das noch zeitgemäß?

Wie konnte es so weit kommen? Die bunten Schüsseln und Boxen von Tupperware haben Haushalte fast rund um den Globus geprägt und es sogar als Design-Klassiker in Museen und Kunstausstellungen geschafft. Auch in Deutschland verbreiteten sich die luftdicht verschließbaren Behältnisse, deren Kunststoffdeckel beim Schließen den charakteristischen Laut von sich geben, seit den frühen 1960er Jahren rasant.

Als Erfolgskonzept erwiesen sich Gründer Tuppers Haushaltsprodukte vor allem in Kombination mit Marketing-Genie Brownie Wises Idee der Tupperparty. Aber ist dieser Ansatz überhaupt noch zeitgemäß?

„Partys sind noch immer unser Verkaufsmodell“

Während sich der Einzelhandel in den vergangenen Jahren mehr und mehr ins Internet verlagert hat, wo Shopping-Giganten wie Amazon oder Alibaba mit enormer Marktmacht die Preise drücken, setzte Tupperware lange Zeit unbeirrt weiter auf seine klassischen Verkaufswege – und auch vergleichsweise teure Produkte.

„Partys sind noch immer unser Verkaufsmodell“, sagte der damalige Konzernchef Rick Goings der Deutschen Presse-Agentur noch 2017 – trotz immer stärkerer Konkurrenz aus dem Internet. Direkte Ansprache durch Bekannte oder Verwandte im Verkauf sei vor allem für jüngere Leute äußerst wichtig. „Derzeit haben wir fast nur Partys.“

Tupper macht Großteil seines Umsatzes mit etwas anderem

Zwar bietet Tupperware seine Produkte mittlerweile auch stärker im Netz an, ist hier jedoch weit abgeschlagen. Das Produktportfolio hat sich über die Jahre stark verändert. Aufbewahrungsschüsseln für Lebensmittel sind schon länger nicht mehr der Hauptgeschäftstreiber.

Einen Großteil seines Umsatzes macht das Unternehmen inzwischen etwa mit Wasserfiltern oder Mikrowellenprodukten. Zudem gehören Kosmetik- und Körperpflegeprodukte dazu. Asien hat den Heimatmarkt Nordamerika als größte Umsatzstütze überholt. Doch in China, wo der Konzern Tausende Filialen hat, laufen die Geschäfte schlecht – und daran dürfte sich wegen des Coronavirus so rasch auch nicht viel ändern.

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Erst 2018 entdeckte der Hersteller das Internet für sich. Schon damals fragten sich viele, ob die Eröffnung des Onlineshops das Ende der Tupperpartys einläutet. Wird so einen Tupper-Abend nicht sachgerecht organisiert, kann er auch schon mal böse enden: Notarzteinsatz: Frauen müssen nach Tupperparty in Klinik.

(dpa/cho)

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