Corona-Krise: Lebensmittel könnten nun doch teurer werden

Berlin.  Das Einreiseverbot für Erntehelfer hat die Landwirtschaft getroffen. Die Ernährungsindustrie schließt höhere Preise nicht mehr aus.

Coronavirus: Darum könnten Lebensmittel jetzt teurer werden

Wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus geraten in Deutschland die Landwirtschaft und damit verbunden die Lieferketten unter Druck. Mit Auswirkungen auf die Preise.

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Erntehelfer dürfen nicht mehr nach Deutschland einreisen, polnische Berufspendler müssen nach Überquerung der Grenze zwei Wochen in Quarantäne und die Slowakei und Ungarn haben ihre Grenzen für Lkws gleich ganz geschlossen.

Im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus geraten in Deutschland die Landwirtschaft und damit verbunden die Lieferketten für Lebensmittel zunehmend unter Druck.

Das könnte auch Folgen für die Lebensmittelverfügbarkeit hierzulande haben, warnt nun die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE): Sollten die strengen Restriktionen anhalten, sei es „nicht auszuschließen, dass dann einzelne Produkte in bestimmten Regionen nicht mehr vorrätig sein werden“, sagte BVE-Geschäftsführerin Stefanie Sabet unserer Redaktion.

Corona-Krise: Werden Lebensmittel jetzt teurer?

Das Bundesinnenministerium um Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte vor einer Woche überraschend entschieden, Saisonarbeitern und Erntehelfern die Einreise nach Deutschland zu verwehren. Jährlich ist die deutsche Landwirtschaft auf bis zu 300.000 Saisonarbeiter angewiesen.

„Es ist nicht auszuschließen, dass mit anhaltender Dauer die Maßnahmen die Vielfalt in den Supermarkt-Regalen abnehmen wird“, warnte Sabet. Und auch bei den Preisen könne es Veränderungen geben. Dabei hatten Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Handel vor eineinhalb Wochen noch erklärt, dass Preissteigerungen nicht zu erwarten seien.

Preise könnten sich trotz Jahresverträgen verändern

Diese Einschätzung wollte Sabet nun aber nicht mehr wiederholen. „Es gibt derzeit viele Faktoren in der Lieferkette, die den Preis beeinflussen“, sagte die BVE-Geschäftsführerin. Neben den fehlenden Erntehelfern gebe es in den Betrieben hohe Krankenstände.

Diese Lieferdienste bringen Lebensmittel nach Hause
Diese Lieferdienste bringen Lebensmittel nach Hause

„Die Unternehmen haben Kostensteigerungen. Sie werden versuchen, diese an das nächste Glied in der Kette, also den Handel, weiterzugeben. Der Handel setzt die Lieferanten aufgrund der hohen Nachfrage massiv unter Druck“, sagte Sabet. Ihre Schlussfolgerung: „Es ist nicht absehbar, wo wir mit den Preisen landen.“ Zuletzt hatte es bereits ein Rekordhoch beim Preis von Gurken gegeben.

Lieferung von Lebensmitteln: Schwierigkeiten an den Grenzen

Stefanie Sabet drängt darauf, dass Lebensmittel an den Grenzen bevorzugt behandelt werden. Eine solche Regelung hatten Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Landwirtschaftsminister Julia Klöckner (CDU) ebenfalls angekündigt. Aber nicht überall ist das derzeit möglich.

„Viele Regelungen der EU-Staaten sind gerade nicht hilfreich. In Ungarn etwa dürfen nur ungarische Lkw die Grenze passieren, in Polen müssen die Grenzgänger nach überqueren der Grenze in zweiwöchige Quarantäne und fallen damit aus. Das sind große Probleme“, sagte Sabet.

Vor allem an der italienischen Grenze werde die Situation mit Sorge betrachtet – Italien ist ein wichtiges Importland für Tomaten, Pasta und Reis.

Probleme bei Versorgung mit Getränken: Weniger Leergut wird zurückgegeben

Doch selbst bei den Lebensmitteln, die in Deutschland produziert werden, ergibt sich ein neues Problem: Jetzt werden nach Angaben der Ernährungsindustrie auch noch Verpackungen knapp. „Es wird beispielsweise zu wenig Leergut abgegeben“, sagte Sabet. Andere Verpackungsgüter, etwa Dosen, seien chinesische Importgüter und damit derzeit ebenfalls schwierig zu bekommen.

Sie forderte, dass die Politik entlastend wirken solle, etwa, indem die strengen Vorschriften für Verpackungen gelockert werden sollten.

Suche nach Arbeitern in Lebensmittelindustrie: 30.000 Inserate auf Online-Jobportal

Doch Landwirtschaftsministern Julia Klöckner hatte sich bereits zurückhaltend gezeigt, was eine Lockerung der Verpackungsvorschriften angeht. Sie setzt stattdessen darauf, dass Personalproblem der Erntehelfer zu reduzieren. Auf der Online-Jobbörse www.daslandhilft.de hätte es nach fünf Tagen bereits 30.000 Inserate gegeben, teilte die CDU-Politikerin unserer Redaktion mit.

Daneben möchte Klöckner mehr Freiwillige dazu bringen, in der Landwirtschaft mitzuhelfen. Studenten etwa erhalten beim Bafög höhere Einkommensgrenzen, wenn sie in der Landwirtschaft helfen. Und Nebeneinkünfte durch die Feld- oder Stallarbeit werden für Arbeitnehmer in Kurzarbeit nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Klöckner will Asylbewerber schnell in die Landwirtschaft holen

Daneben dringt Klöckner darauf, Asylbewerber, die bisher einem Beschäftigungsverbot unterliegen, in der Landwirtschaft einsetzen zu können. „Viele kommen aus sicheren Herkunftsländern wie Albanien, Bosnien und Herzegowina, Serbien oder Montenegro und wollen mitanpacken, sich einbringen“, sagte Klöckner unserer Redaktion.

Die Entscheidung dafür liegt aber auch beim Bundesinnenministerium. Noch hat Innenminister Horst Seehofer für dieses Vorhaben noch kein grünes Licht gegeben. Für Klöckner aber gibt es mehr als genug Grund zur Eile: „‚Ernte und Aussaat lassen sich nicht verschieben wie ein Konzert oder Sportveranstaltungen - nachholen kann man sie nicht“, sagte sie.

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