Ex-Leiharbeiter klagen gegen VW

Hannover.  Sie fordern die Weiterbeschäftigung bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover.

Mitarbeiter montieren an einem T6 von Volkswagen Nutzfahrzeuge auf dem Band das Frontend im Werk Hannover.

Mitarbeiter montieren an einem T6 von Volkswagen Nutzfahrzeuge auf dem Band das Frontend im Werk Hannover.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Mehr als 100 ehemalige VW-Mitarbeiter aus dem Werk Hannover klagen gegen den Autobauer. Sie fühlen sich ungerecht behandelt und fordern ihre Weiterbeschäftigung. Am Freitag fand vor dem Arbeitsgericht Hannover ein erster Gütetermin statt, bei dem jedoch keine Einigung erzielt wurde, wie ein Sprecher von VW Nutzfahrzeuge (VWN) auf Anfrage erklärte. Betroffene Mitarbeiter und das der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands nahe „VW-Komitee Hannover, Für die Zukunft der Jugend – gegen Profiteure und Umweltverbrecher der VW-Krise“ hatten zuvor zu einer Kundgebung eingeladen, die sich gegen „stille Entlassungen“ bei VW richtete. Daran sollen rund 50 Menschen teilgenommen haben.

VW: Waren von Beginn an transparent

Wie die IG Metall Hannover erklärte, waren die 100 Mitarbeiter drei Jahre als Leiharbeiter bei VW beschäftigt und wurden dann weitere neun Monate sachgrundbefristet bei VW Nutzfahrzeuge im Werk Hannover-Stöcken angestellt. Ihre Verträge liefen Ende Mai aus, im Juni endete die Produktion des VW-Pickups Amarok. Der Sprecher erklärte, dass von Beginn an transparent kommuniziert worden sei, dass es für die Mitarbeiter im Anschluss keine Weiterbeschäftigung gibt, außerdem habe VW Nutzfahrzeuge die Verträge auch unter Einbeziehung des Betriebsrats aufgesetzt. Insgesamt betraf die befristete Anstellung 207 Beschäftigte, allen wurde demnach die Möglichkeit geboten sich „unkompliziert“ auf nicht befristete freie Stellen in Zwickau bei VW Sachsen – dort wird der ID.3 gebaut – zu bewerben. Mehr als 50 der 207 Mitarbeiter sollen dort laut IG Metall Hannover inzwischen arbeiten.

„Leiharbeiter träumen immer von unbefristetem Vertrag“

Die Gewerkschaft unterstützt nach eigenen Angaben 19 der Klagenden über den DGB Rechtsschutz. „Das politische Problem ist, dass die Mitarbeiter nach drei Jahren Leiharbeit noch einmal befristet angestellt werden. Das kritisieren wir“, sagte Dennis Olsen, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Hannover, unserer Zeitung. Leiharbeiter hätten immer den Traum, unbefristet von Volkswagen in ein Arbeitsverhältnis übernommen zu werden. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte der Sekretär. Und so sieht auch die Gewerkschaft die Leiharbeit: Als Instrument, Produktionsspitzen abzufangen, „nicht als verlängerte Probezeit“, sagte Olsen. Danach müsse es eine unbefristete Anstellung geben. Die Kundgebung der Betroffenen richtete sich unter anderem gegen einen „Arbeitsplatzabbau, ohne Rücksicht auf Familien“. Sie fordern eine reguläre Anstellung bei VW in Hannover oder in der Region.

VW Nutzfahrzeuge hatte erst im Juni das Ziel bekräftigt, bis 2029 etwa 5000 Stellen im Stammwerk Hannover zu streichen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt der Autobauer dabei aus. Es gilt die Betriebsvereinbarung, die bereits 2018 abgeschlossen wurde, sie beinhaltet zugleich auch eine Arbeitsplatzgarantie bis 2029. Pro Jahr sollen 300 bis 400 Stellen über Altersteilzeit abgebaut werden. Der Chef der Nutzfahrzeugsparte, Thomas Sedran, sagte damals der Branchenzeitung „Automobilwoche“: „Ein weiterer Hebel unseres Kostensenkungsplans ist, über natürliche Fluktuation am Standort Hannover die Belegschaft von 15.000 auf 10.000 Mitarbeiter zu reduzieren.“

VW-Werk Hannover baut E-Autos

Die Nutzfahrzeugsparte des VW-Konzerns baut das Werk in Hannover zum Elektro-Standort um. VW beendete dort die Fertigung des Amaroc um etwa Kapazitäten für den Van T7 sowie die Elektro-Fahrzeuge ID.Buzz und ID.Cargo ab 2021 bereitzustellen. Die Produktion der höherwertigen Nutzfahrzeuge soll in Hannover bleiben, während die Fertigung von Nutzfahrzeugen für Gewerbekunden künftig nach Polen gehen soll. Dort produzieren VWN bereit die Modelle Caddy, Transporter und Crafter.

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