MAN will Komponentenwerk in Salzgitter schließen

Salzgitter.  Jeder zweite Arbeitsplatz ginge dann verloren. Die Fertigung soll nach Krakau und Ankara verlagert werden.

Lkw werden seit 2016 nicht mehr in Salzgitter gebaut, dafür Komponenten. Das Teile-Werk steht allerdings auf dem Spiel. Gewerkschaft und Beschäftigte wehren sich gegen eine Standortverlagerung.

Lkw werden seit 2016 nicht mehr in Salzgitter gebaut, dafür Komponenten. Das Teile-Werk steht allerdings auf dem Spiel. Gewerkschaft und Beschäftigte wehren sich gegen eine Standortverlagerung.

Foto: Bernward Comes

Die radikalen Umbaupläne des Lkw-Bauers MAN betreffen auch den Standort Salzgitter massiv. Die Komponentenfertigung dort soll nach Krakau in Polen und ins türkische Ankara verlagert werden, wie Brigitte Runge, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Salzgitter-Peine, unserer Zeitung am Donnerstag bestätigte. Zuerst hatte der Münchener „Merkur“ darüber berichtet. In Salzgitter sind rund 2500 Mitarbeiter beschäftigt, durch die Pläne droht die Hälfte davon ihren Arbeitsplatz zu verlieren. „Wir werden das Nötigste tun, damit es keine Verlagerung von Fertigung gibt“, stellte Runge klar. Ein MAN-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Er verwies auf bevorstehende Verhandlungen mit dem Betriebsrat.

„Logistik wird sich nicht halten“

Vergangenen Freitag hatte MAN mitgeteilt, insgesamt 9500 von 36.000 Stellen weltweit streichen zu wollen sowie drei Standorte zu schließen: In Steyr in Österreich sowie in Plauen (Sachsen) und Wittlich (Rheinland-Pfalz). Die Volkswagen-Tochter MAN will sich restrukturieren und profitabler werden. Das Unternehmen strebt eine Ergebnisverbesserung von 1,8 Milliarden Euro und eine Umsatzrendite von 8 Prozent an. Der Standort Salzgitter war in den vergangenen Jahren immer wieder Veränderungen unterworfen, zuletzt mussten sich die Beschäftigten dort 2016 von der Lkw-Fertigung verabschieden. Seitdem werden in der Stahlstadt Kurbelwellen und nicht-angetriebene Achsen hergestellt. Zudem wurde in Salzgitter ein Logistik-Zentrum aufgebaut, der MAN-Standort versorgt nun das gesamte Unternehmen mit Komponenten und fungiert als „Drehscheibe“. Diese allein ist aber nicht zukunftsfähig, glaubt Gewerkschafterin Runge. „Ein reiner Logistik-Standort wird sich nicht lange halten. Das wird verkauft“, fürchtet die Zweite Bevollmächtigte.

Politik gibt Rückendeckung – Weil besucht Werk Salzgitter

Der Widerstand der Gewerkschaften und Beschäftigten hat sich längst formiert. Am vergangenen Dienstag versammelten sich neben dem Werktor 1800 MAN-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und forderten vom Vorstand, sich zum Standort und der Standortvereinbarung von 2015 zu bekennen. Diese sieht für Salzgitter eine Beschäftigtenzahl von 2552 Mitarbeitern vor. MAN-Betriebsratsvorsitzende Elke Behmer-Geisler erklärte dort zu den Plänen des Lkw-Bauers: „Das machen wir nicht mit, für rote Zahlen und die Corona-Krise können wir nichts.“ Auch Runge kritisierte am Donnerstag, dass die zahlreichen Sparprogramme der vergangenen Jahre offenbar nichts gebracht hätte. Sie warf der VW-Tochter Miss-Management vor.

Osterloh: Beschäftigungssicherung hat Bestand

Die Politik stellt sich derweil an die Seite der Beschäftigten. So kündigte Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) am Dienstag eine Solidaritäts-Resolution des Stadtrates an. Außerdem erwartet das Werk den Besuch von Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) Anfang Oktober sowie von Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Auch der VW-Betriebsrat unterstützt den Kampf um den Standort. VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh teilte am Donnerstag mit: „Androhen kann das Unternehmen viel, wenn der Tag lang ist. Aber wir sind hier nicht bei ,Wünsch-dir-was’.“ Nichts werde so heiß gegessen, wie es gekocht wird. „Und um noch eines klar zu sagen: Die MAN-Beschäftigungssicherung hat Bestand“, sagte Osterloh. Anfang kommender Woche treffen sich nach Informationen unserer Zeitung MAN-Vorstand und -Betriebsrat zu einem ersten Verhandlungsgespräch.

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