Branchen-Experte: „VW hat E-Mobilität in China vernachlässigt“

Wolfsburg.  Mit 15 Milliarden Euro will Volkswagen das Elektrosegment des wichtigen China-Markts aufmischen. Laut Experten haben die Deutschen zu lange gewartet.

Der E-SUV ID.4 soll unter anderem auch in chinesischen Fabriken gebaut werden. Mit lokalen Kooperationen und mehr E-Modellen möchte der Volkswagen Konzern auch im E-Segment seine Marktstellung behaupten.

Der E-SUV ID.4 soll unter anderem auch in chinesischen Fabriken gebaut werden. Mit lokalen Kooperationen und mehr E-Modellen möchte der Volkswagen Konzern auch im E-Segment seine Marktstellung behaupten.

Foto: Jens Schlueter / Getty Images

Volkswagen will sich mit einem knapp 15 milliardenschweren Investment in die erste Reihe des chinesischen E-Automarkts drängen. Zusammen mit seinen chinesischen Gemeinschaftsunternehmen kündigte die Volkswagen Group China an, den Milliardenbetrag zwischen 2020 und 2024 in den Ausbau der E-Mobilität auf den chinesischen Markt zu investieren – zusätzlich zu den 33 Milliarden Euro, die der Volkswagen Konzern global für den Ausbau seiner Elektromobilität in derselben Zeit einsetzen möchte. Damit legt der Volkswagen Konzern global ein Innovationsbudget vor, das fast dreimal so hoch ist wie der Gewinn des vergangenen Jahres. Laut Branchen-Experte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) holt Volkswagen damit aber vor allem dringende Hausaufgaben auf: „Dieses Investment von Volkswagen ist ein Muss. Das Thema E-Mobilität hat man als Marktführer des Gesamtabsatzes in China ein bisschen vernachlässigt.“

Deutsche Autobauer haben Chinesen den E-Markt überlassen

In der Sparte der Elektromobilität haben Volkswagen und andere deutsche Autokonzerne den chinesischen Autobauern den heimischen Markt lange Zeit überlassen. Davor warnten nach Angaben der Deutschen Presseagentur auch Unternehmensberater und Branchenexperten auf der Messe „Auto China 2020“, die am Samstag in Peking als erste große internationale Messe seit Ausbruch der Corona-Pandemie eröffnete.

Auch Experte Bratzel merkt gegenüber unserer Zeitung an, dass dieses Vakuum vor allem von Tesla gefüllt wurde. Das amerikanische Unternehmen habe in letzter Zeit auf dem chinesischen Automarkt stark aufgeholt und Volkswagen müsse nun „Paroli bieten“ – schließlich ist China der wichtigste Markt für den Autokonzern.

35 Prozent des Portfolios soll elektrisch werden

Erreichen wollen das die Wolfsburger, indem sie den harten Kennzahlen von Chinas Regierung um Präsidenten Xi Jinping sogar vorauseilen. „China hat keinen Hehl daraus gemacht, dass das Thema Elektromobilität für sie Priorität ist. Bis 2025 sollen 25 Prozent der Autos elektrisch sein“, erklärte Bratzel. Volkswagen hat sich nun das Ziel gesetzt, bis 2025 sogar 35 Prozent ihres Produktportfolios zu elektrifizieren. 15 verschiedene Elektromodelle sollen daher innerhalb der Marken des Konzerns lokal produziert werden, kündigte die Volkswagen Group China am Montag in ihrer Mitteilung an.

VW-Chef Herbert Dies verkündet auf dem sozialen Netzwerk Linked-In, dass VW in China auf dem richtigen Weg sei: „Präsident Xi Jinping hat vor Kurzem das nationale Ziel erklärt, den Höhepunkt der CO-Emissionen vor 2030 und die Karbonneutralität vor 2060 zu erreichen. Großartige Neuigkeiten! Wir als Volkswagen treiben diese Transformation voran“, schrieb er auf Englisch am Montag.

VW investiert viel, um Marktführer zu bleiben

Teil der neuen Pläne ist laut der Mitteilung zudem, ab Oktober die Produktion an zwei neuen Fabrikstandorten in China aufzunehmen mit einer Produktionskapazität von insgesamt 600.000 Fahrzeugen im Jahr. Dafür möchte Volkswagen auch seine Kooperation mit chinesischen Batterieherstellern vertiefen. So halten VW China etwa 26 Prozent am Batteriehersteller Gotion und kündigte schon vor einigen Monaten an, seine Anteile am Gemeinschaftsunternehmen JAC Volkswagen auf 75 Prozent zu steigern.

Die Wolfsburger investieren viel Geld, um in dem von der chinesischen Regierung stark geförderten Elektrosegment nicht zurückzufallen. Laut Branchen-Experte Bratzel bleibt ihnen auf ihrem wichtigsten Markt auch keine andere Wahl: „Wenn man Marktführer bleiben will, muss das auch geschehen.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder