Wirtschaft in unserer Region auf Erholungskurs

Braunschweig.  Das Konjunkturklima steigt im Herbst um 25 Punkte. Die Lage in den Betrieben ist nach Angaben der IHKs aber immer noch angespannt.

Gastronomen sind mit Blick auf das anstehende Winterhalbjahr wegen der steigenden Infektionszahlen besorgt.

Gastronomen sind mit Blick auf das anstehende Winterhalbjahr wegen der steigenden Infektionszahlen besorgt.

Foto: Maria Osburg

Im Frühjahr, zur Hochzeit der Corona-Pandemie, raste der Konjunkturklimaindex zwischen Harz und Heide in den Keller. Der Wert, der die aktuelle geschäftliche Lage der Unternehmen und auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, brach um 63 Punkte auf 43 Punkte ein – ein historisches Tief. Im Herbst berappelt sich der Stimmungswert wieder, ist mit einem Stand von 94 Punkten aber noch nicht auf dem Vorkrisenniveau, wie die Industrie- und Handelskammern Braunschweig und Lüneburg-Wolfsburg am Donnerstag gemeinsam mitteilten. Die Lage in den Betrieben sei folglich immer noch „angespannt“, auch wenn der Index im Vergleich zum zweiten Quartal um 25 Punkte anstieg.

Gastronomen wegen steigender Infektionszahlen besorgt

Mit Sorge blicken nach Angaben von Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg, vor allem die Gastronomen auf das anstehende Winterhalbjahr. Weil die Infektionszahlen steigen, könnten wieder weitere Corona-Maßnahmen greifen oder Gäste aus Angst vor Ansteckung ausbleiben. Laut Zeinert ist eine Welle von Insolvenzen nicht ausgeschlossen. „Für Euphorie besteht kein Anlass“, sagt Zeinert – auch wenn sich das Geschäftsklima in Industrie, Handel und Dienstleistungswirtschaft erhole. „Nach wie vor sind einzelne Wirtschaftszweige wie das Reise- und Veranstaltungsgewerbe in besonderem Maße von der Corona-Pandemie betroffen, ohne dass rasche Besserung in Sicht ist“, sagt Zeinert.

Die steigenden Infektionszahlen bereiten auch exportstarken Branchen Sorgen, wie der Braunschweiger IHK-Hauptgeschäftsführer Florian Löbermann erklärt. „Da vom Wiederaufflammen der Pandemie auch wichtige Absatzregionen im Ausland betroffen sind, wird das Exportgeschäft sicherlich noch eine gewisse Zeit leiden“, sagt er. Bei den Investitionen seien die Betriebe zudem noch vorsichtig, weil unklar sei, wie die Corona-Pandemie weiter verlaufe. Laut Umfrage wollen nur 15 Prozent der Betriebe ihr Investitionsbudgets ausweiten.

Ein Fünftel der Betriebe arbeitet auf Vorkrisenniveau

Trotz der Unsicherheit haben die rund 200 Firmen, die die Kammern im September und Oktober zu ihrer wirtschaftlichen Situation befragt haben, offenbar wieder mehr Hoffnung auf baldige, bessere Zeiten. „So halten sich positive und negative Geschäftsprognosen mittlerweile die Waage“, teilen die Kammern mit. Jeweils rund ein Viertel der Unternehmen prognostiziert eine Verbesserung beziehungsweise eine Verschlechterung der geschäftlichen Situation. Fast die Hälfte geht von einem gleichbleibenden Geschäftsverlauf aus.

Ein Fünftel der Betriebe arbeitet nach Angaben der Kammern bereits wieder auf Vorkrisenniveau. Alle anderen rechneten aber erst im Verlaufe des zweiten Halbjahres 2021 mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit. Auf das gesamte laufende Geschäftsjahr bezogen erwartet mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen einen Umsatzrückgang von mehr als zehn Prozent.

Das wirkt sich zum Teil auch auf die Beschäftigungsplanung aus: Laut der Umfrage glauben mehr als ein Viertel der Betrieb, Stellen abbauen zu müssen. Zwei Drittel hingegen wollen demnach ihre Fachkräfte trotz aller Schwierigkeiten halten. Und immerhin: Jeder zehnte Betrieb denkt daran, neue Mitarbeiter einzustellen.

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