Playstation 5, Xbox und Co.: Darauf setzen die Hersteller

Berlin.  Spielekonsolenhersteller erleben durch die Corona-Pandemie einen enormen Boom. Wie der Markt tickt – und worauf die Hersteller setzen.

Die Playstation 5 ist da!

Die Playstation 5 ist seit dem 19. November 2020 verfügbar. Sony veröffentlicht zwei Varianten: Eine mit, eine ohne Laufwerk. Alle Fakten und das Feedback der User sehen Sie hier.

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Dieser Ansturm war dann doch zu groß. Wer sich pünktlich zum Verkaufsstart die neue Spielkonsole Playstation 5 bestellen wollte, bekam in vielen Fällen nur eine Fehlermeldung zu sehen. „Da die Playstation 5 nur online erhältlich ist, überfordern die Anfragen derzeit leider unsere Server“, hieß es bei der Elektronik-Händlerkette Euronics.

Der Verkaufsstart der fünften Generation der Videospielkonsole von Sony soll dem ohnehin boomenden Spielegeschäft einen zusätzlichen Schub geben. Zwar ist die neue Playstation im Handel nun erhältlich – was aber nicht bedeutet, dass interessierte Kunden sie einfach so kaufen können.

Playstation 5: Fans haben sich seit Wochen ihre Konsolen reserviert

„Wir werden mit dem Verkaufsstart der neuen Konsole zunächst mit der Auslieferung ausschließlich an die Vorbesteller beginnen“, sagt eine Sprecherin der Elektroketten Media Markt und Saturn. Denn die Fans haben den Handel schon vor Wochen mit Reservierungsanfragen eingedeckt. Trotzdem lehnte der Verkaufsstart der Konsolen Webseiten lahm.

Bis Ende März will Sony weltweit 7,6 Millionen Exemplare der Playstation 5 verkaufen. Das Unternehmen rechnet mit einem stärkeren Verkaufsstart, als ihn seinerzeit die Playstation 4 erlebt hat. Auch künftig, in dem gesamten rund siebenjährigen Lebenszyklus der Konsole, soll sie das Vorgängermodell übertreffen.

Playstation 5 und Xbox konkurrieren um die Kunden

Die Messlatte hängt hoch: Sony hat bisher 114 Millionen Stück der PS4 verkauft. Die deutschen Händler schließen sich dabei der Erwartung eines starken Starts an. „Die Playstation 5 wurde durch unsere Kunden im Zuge der Vorbestellwellen stark nachgefragt“, so die Sprecherin von Media-Markt-Saturn.

Die PS5 bietet bessere Grafik und ermöglicht noch aufwendigere, realistischere Spiele als ihre Vorgänger. Zusammen mit den neuen, konkurrierenden Konsolen von Microsoft unter der Marke Xbox handelt es sich um die aktuelle Generation der reinen Spielmaschinen.

Sony arbeitet an Nachschub im Weihnachtsgeschäft

Die vergleichbar starke Xbox Series X ist seit November auf dem Markt. Ob es vor Weihnachten möglich sein wird, eine der begehrten Unterhaltungsmaschinen zu ergattern, ist fraglich. „Wir arbeiten daran, um Weihnachten erheblichen Nachschub in den Handel zu bringen“, sagt Jim Ryan , Chef der Videospielsparte von Sony, dem britischen Sender BBC.

Viele Kunden werden aber dennoch leer ausgehen: Es sei eine „verblüffende“ Zahl von Vorbestellungen eingegangen – die Pandemie erschwere die Produktion und Auslieferung zusätzlich.

Die durchschnittlichen Ausgaben der Spieler sind um 60 Prozent gestiegen

Corona beschert dem Unternehmen einen zusätzlichen Nachfrageschub. „Die Nutzer von Computer- und Videospielen haben ihr Spielverhalten seit Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen deutlich intensiviert“, vermerkt der Digitalverband Bitkom.

Mehr als jeder Zweite unter ihnen gebe in einer aktuellen Umfrage an, wegen der Einschränkungen mehr zu spielen. Lagen die durchschnittlichen Ausgaben pro Monat vor Corona bei 15 Euro, liegen sie nun 60 Prozent höher, bei durchschnittlich 24 Euro.

Absatz könnte in diesem Jahr auf 160 Milliarden Dollar steigen

Die Absatzzahlen in diesem Jahr sollen die Vorhersagen aus der Zeit vor der Pandemie daher noch einmal deutlich übertreffen. Die Marktforschungsfirma NewZoo schätzt den gesamten Absatz in diesem Jahr auf 160 Milliarden Dollar, knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Zahl betrifft alle Plattformen und Kategorien, also auch PC- und Handyspiele.

Im Jahr 2016 hat das Unternehmen für 2020 nur einen Umsatz von 90 Milliarden Dollar angenommen. Die Realität läuft also selbst optimistischen Prognosen davon. Schon längst liegen die Einnahmen mit Videospielen weit über denen mit Filmen. Durch Corona dürfte die Lücke noch größer werden.

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Jeder Dritte der 50- bis 64-Jährigen zockt

Es ist jedoch nicht nur die Pandemie, die den Anbietern von Videospielen Auftrieb gibt. „Gaming ist in der Mitte der Bevölkerung angekommen“, sagt die Sprecherin von Media Markt. Es handele sich um ein absolutes „Trendthema“. Und die Statistik bestätigt die Wahrnehmung des Händlers: Während in früheren Jahrzehnten Erwachsene kaum gespielt haben, zockt heute den Bitkom-Zahlen zufolge jeder Dritte der 50- bis 64-Jährigen.

Frauen haben mit Männern praktisch gleichgezogen. Zwei Drittel der 30- bis 49-Jährigen spielen heute zumindest gelegentlich. Das erklärt zum Teil die Umsatzanstiege in der Branche: Die Erwachsenen haben eine größere Kaufkraft als Kinder und Jugendliche und bezahlen eher den Vollpreis für ein Premium-Spiel. Es kann sie auch keiner daran hindern, sinnlos Geld für kleine Vorteile in Online-Spielen zu verpulvern.

Spieleindustrie setzt verstärkt auf Abo- und Netzdienste

In diese Trends hinein folgt nun das erste Weihnachtsgeschäft für die neue Playstation und die neue Xbox. Beide Konsolen kosten in der voll ausgestatteten Version 499 Euro, wobei es günstigere Varianten gibt, die kleine Einschränkungen haben. Die Playstation gibt es beispielsweise in einer rein digitalen Version für 399 Euro. Hier ist kein Laufwerk mehr enthalten, sodass alle Spiele im Netz zu kaufen sind. Damit entfällt die Möglichkeit zum Weiterkauf ausgespielter Titel – und es lassen sich keine Schnäppchen am Gebrauchtmarkt machen.

Insgesamt steuert die Spieleindus­trie derzeit ohnehin in die Richtung, Abo- oder Netzdienste anzubieten, statt Spiele zu verkaufen. Vorbild ist Videostreaming auf Diensten wie Netflix und andere Bereiche der Softwareindustrie. Für die Anbieter bedeutet das ein gleichmäßigeres Einkommen. Die Kunden zahlen dagegen vermutlich im Vergleich zum bisherigen Kaufmodell drauf – dafür steigt die Vielfalt.

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