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Elon Musk legt Twitter-Übernahme auf Eis – Aktie bricht ein

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Elon Musk kauft Twitter für 44 Milliarden Dollar auf

Elon Musk kauft Twitter für 44 Milliarden Dollar auf

Der High-Tech-Unternehmer Elon Musk kauft den Kurzbotschaftendienst Twitter für rund 44 Milliarden Dollar (knapp 41 Milliarden Euro) auf. Wie das Internet-Unternehmen mitteilte, wird Musk 54,20 Dollar pro Twitter-Aktie zahlen. PROFILE OF Tesla and SpaceX founder Elon Musk

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Washington.  Elon Musk hat den seinen Kauf des sozialen Netzwerks Twitter vorerst gestoppt. Hintergrund sind wohl Unklarheiten über Nutzerzahlen.

Elon Musk, Multi-Unternehmer und reichster Mann der Welt, setzt seinen erratischen Kurs beim angestrebten Kauf des Kurznachrichten-Netzwerks Twitter fort. In einem Tweet um 5.44 Uhr am frühen Freitagmorgen (US-Ostküstenzeit) an seine rund 93 Millionen Anhänger legt der 50-Jährige den zuletzt auf 44 Milliarden Dollar taxierten Deal „bis auf weiteres” auf Eis. Zwei Stunden später ergänzte er: Bin weiter zur Übernahme entschlossen.

Die für Außenstehende auf den ersten Blick kaum nachvollziehbare Begründung: Er wolle erst überprüfen, ob der Anteil von sogenannten Spam- oder Fake-Konten, wie von Twitter kürzlich behauptet, tatsächlich weniger als fünf Prozent aller rund 230 Millionen regelmäßiger Nutzer ausmacht. Musk hatte zuvor mehrfach getönt, dass unter seiner Führung solche Accounts auf Twitter verbannt würden; für ihn eine Art von digitaler Hygenie.

Twitter: Musk rudert zurück – Aktie bricht ein

Musks Intervention hat an den Finanzmärkten erhebliche Auswirkungen. Die Twitter-Aktie stürzte im vorbörslichen US-Geschäft um fast 20 Prozent ab. Das Papier notierte am frühen Morgen in den USA bei 34,50 Dollar. Musk hatte den Twitter-Aktionären 54,20 Dollar je Aktie versprochen. Nach Musks zweitem Tweet erholte sich die Aktie vorübergehend auf rund 40 Dollar.

Will der auf aktuell etwa 260 Milliarden Dollar Privatvermögen taxierte Unternehmer, der sich neben der E-Mobilität auch in der privaten Raumfahrt einen Namen gemacht hat, auf diesem Weg den vereinbarten Kaufpreis womöglich nachverhandeln und reduzieren – oder gar einen Vorwand zum Ausstieg inszenieren?

Mehrere Finanz-Analysten vermuten rein pekuniäre Gründe hinter den hemdsärmeligen Manövern des Unternehmers, der sich neben der E-Mobilität auch in der privaten Raumfahrt einen Namen gemacht hat.

Tenor im „Wall Street Journal” und andernorts: Musk, aktuell auf etwa 260 Milliarden Dollar Privatvermögen geschätzt, wolle den mit dem Twitter-Verwaltungsrat vereinbarten Kaufpreis nachverhandeln und nennenswert reduzieren oder sogar gar einen Vorwand zum Ausstieg inszenieren.

Musk würde Twitter und Tesla finanziell miteinander verstricken

Experten an der Wall Street spekulierten seit Tagen, dass Musk den Twitter-Deal trotz seines nominellen Reichtums gar nicht so einfach stemmen könnte. Hintergrund: Um annehmbare Darlehen bei Banken zu bekommen, müsste Musk nennenswerte Teile seiner Tesla-Aktien in Milliarden-Höhe zu Bargeld machen und zusätzliche Anteile als Sicherheit einbringen. Seit Musk seine Twitter-Gelüste geäußert hat, ist die Aktie des Elektromobil-Herstellers jedoch rapide abgestürzt; von cirka 1000 auf rund 720 Dollar. Freitag legte sie marginal wieder zu.

Die geplante finanzielle Verflechtung von Tesla und Twitter, so Analysten im US-Frühstücksfernsehen, könnte Musk am Ende dazu bewegen, die Finger von dem sozialen Netzwerk zu lassen; „wenn er keine andere Finanzierungsmöglichkeit findet”.

Und dann? Das bisherige Vertragskonstrukt sieht eine Strafe von einer Milliarde Dollar vor, falls Musk oder Twitter am Ende noch aus dem Geschäft aussteigen. Beide Seiten verfolgten bislang das Ziel, dass ehrgeizige Geschäft bis Ende 2022 abzuschließen. Das Twitter-Hauptquartier in San Francisco hat die jüngsten Eskapaden des potenziellen Neubesitzers bisher nicht kommentiert. Zwei Top-Manager sind bereits gegangen. Das Betriebsklima sei massiv gestört, berichten Zeitungen an der US-Westküste.

Seit Bekanntgabe seiner Ambitionen hat Elon Musk viele Pfeile auf sich gezogen. Dass der reichste Mensch der Welt ein soziales Netzwerk in die Hände bekommt, halten viele Experten für den Sündenfall. Befürworter erhoffen sich dagegen die vollständige Aufhebung von Zensur. Musk hatte angekündigt, den wegen Gewaltaufrufen seit 2021 auf Twitter verbannten Ex-Präsidenten Donald Trump wieder „zwitschern” zu lassen; solange er sich im Rahmen der Gesetze bewege.

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