Taiwan-Konflikt

So stark ist Deutschlands Wirtschaft von China abhängig

| Lesedauer: 4 Minuten
Ein Containerschiff legt am Hafen von Lianyungang in China an. Die deutsche Abhängigkeit von China ist in den vergangenen 30 Jahren stark gestiegen.

Ein Containerschiff legt am Hafen von Lianyungang in China an. Die deutsche Abhängigkeit von China ist in den vergangenen 30 Jahren stark gestiegen.

Foto: Future Publishing / Future Publishing via Getty Images

Berlin.  Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China ist über Jahre gewachsen. Doch die Suche nach neuen Lieferketten ist voll im Gange.

Die vergangenen Jahre haben der Exportnation Deutschland viele Erkenntnisse beschert. Chipmangel und explodierende Transportkosten, Krieg und der Konflikt zwischen den USA und China rund um Taiwan haben das Geschäftsmodell der Industrie in Frage gestellt. Sie ist abhängig geworden.

Das spüren alle bei den russischen Gaslieferungen. Weniger spürbar ist die Verflechtung der Wirtschaft mit China. Dabei ist die Großmacht einer der wichtigsten Handelspartner.

China ist zu Deutschlands wichtigstem Handelspartner aufgestiegen

Eine Umfrage des Münchner ifo-Instituts unter 4000 Unternehmen ergab, dass 46 Prozent aller Industriebetriebe derzeit auf Vorleistungen aus China angewiesen sind. Die Handelsbeziehungen beider Länder haben im Verlauf der letzten 30 Jahre rapide zugenommen, wie eine ifo-Analyse zeigt. Danach entfiel 1990 gerade einmal ein Prozent des deutschen Güterhandels auf Geschäftspartner im Riesenreich.

Im vergangenen Jahr waren es fast zehn Prozent. „China ist somit für Deutschland vor den Niederlanden mit acht Prozent und den Vereinigten Staaten mit 7,5 Prozent der größte Handelspartner im Güterbereich“, stellen die Forscher fest. Der Außenhandelsumsatz mit China lag 2021 bei 245 Milliarden Euro.

Furcht vor einer Eskalation des Taiwan-Konflikts

Nicht umsonst geht in der Wirtschaft die Furcht vor einer Eskalation im Taiwan-Konflikt um. Der könnte sich auf die Wirtschaftsbeziehungen stark auswirken. Auch bei den Importen spielt China eine starke Rolle. Deutschland hat wesentlich mehr aus China ein- als ausgeführt.

Trotz der beeindruckenden Zahlen hält das Institut die Abhängigkeit für überschätzt. So sei zum Beispiel der Handel mit den mittel- und osteuropäischen Staaten in den vergangenen Jahren dynamischer gewachsen und auch vom Volumen her größer als der mit China. China nehme „als Zulieferer und Absatzmarkt eine wichtige, aber keinesfalls dominante Rolle“ ein.

Pharma, Elektrotechnik, Robotik: Deutschland benötigt chinesische Rohstoffe

Die Abhängigkeit von Rohstofflieferungen aus China ist eher besorgniserregend. Hier sind es vom allem Chemiegüter und elektrische Ausrüstungen, in denen eine vergleichsweise hohe Abhängigkeit besteht. So ist die „Apotheke der Welt“, wie die deutsche Pharmaindustrie lange genannt wurde, stark auf die Vorprodukte aus China angewiesen.

Chinesische Rohstoffe finden sich auch in zwei Drittel der hier hergestellten Elektromotoren, mehr als jeder zweiten Windturbine, jeder zweiten Solaranlage oder jedem zweiten Roboter. Ein Drittel der Lithium-Batterien braucht Rohstoffe aus dem Reich der Mitte.

Autoindustrie ist stark von China abhängig

Zwischen den einzelnen Branchen ist der Grad der Abhängigkeit von chinesischen Vorleistungen sehr unterschiedlich. Am größten ist sie in der Autoindustrie, der Datenverarbeitung und der elektrischen Ausrüstung.

Auch die Textilbranche, die Möbel- und Pharmaindustrie wobei der Maschinenbau bestellen viele Vorleistungen in China. „Das sind auch die Branchen, die sehr stark auf internationale Lieferketten angewiesen sind“, erklären die Ifo-Forscher.

Kostenvorteile in China schmelzen

Die Störungen in den Lieferketten in Folge der Corona-Pandemie haben ein Umdenken in der deutschen Wirtschaft eingeleitet. Viele Unternehmen wollen sich zumindest teilweise aus der Abhängigkeit von fernöstlichen Zulieferern lösen. Jede zweite befragte Firma gab an, die Importe aus China reduzieren zu wollen. Das betrifft vor allem die chemische Industrie.

Dagegen bleiben die Autohersteller bisher zumindest treue Kunden Chinas. Das verwundert auch wenig, ist der Reich der Mitte doch mittlerweile der wichtigste Absatzmarkt der Hersteller. Verstärkt schauen sich Unternehmen in Europa nach geeigneten Lieferanten um. Die Suche nach näheren Herstellern hat auch wirtschaftliche Gründe. Die Kostenvorteile von asiatischen Standorten, auch von China, schmelzen dahin. Denn die Transportkosten sind zwischenzeitlich stark angestiegen. Zwei Drittel der Unternehmen nannten gestiegene Frachtkosten als Grund für die Suche nach Alternativen.

Produkte aus Taiwan sind hierzulande derzeit kaum zu ersetzen

Die jüngste Reaktion Chinas auf Besuche von US-Parlamentariern in Taiwan zeigen, wie bedrohlich die politische Lage dort ist. Taiwan ist ebenfalls ein enorm wichtiger Handelspartnern Deutschlands. Auf der Insel ist der weltweit größte Hersteller von Halbleitern ansässig.

Die aus Taiwan importierten Elektronikteile stecken in nahezu jedem elektronischen Gerät hierzulande. Mit einem Importvolumen von rund 25 Milliarden Euro im vergangenen Jahr rangiert Taiwan zwar nur auf dem 25. Platz der wichtigsten Handelspartner. Aber die Produkte sind kaum zu ersetzen.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de