Statistik zeigt: Auspendeln lohnt sich für Wolfenbütteler

Wolfenbüttel.  Wer im Landkreis Wolfenbüttel wohnt und zum Arbeiten nach Braunschweig oder Salzgitter fährt, verdient mehr als Arbeitnehmer im Landkreis Wolfenbüttel.

Die meisten Wolfenbütteler Pendler fahren zur Arbeit nach Braunschweig (Symbolbild).

Die meisten Wolfenbütteler Pendler fahren zur Arbeit nach Braunschweig (Symbolbild).

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Auspendeln lohnt sich für die Wolfenbütteler. Das geht aus den Entgeltdaten für das Jahr 2019 hervor, die die Bundesagentur für Arbeit im Juli veröffentlicht hat. Demnach betrug das mittlere monatliche Bruttoentgelt von Vollzeitbeschäftigten im Landkreis Wolfenbüttel im vergangenen Jahr exakt 3155 Euro und lag damit unter dem Medianlohn in Deutschland (3401 Euro) und in Niedersachsen (3261 Euro).

Wer hingegen im Landkreis Wolfenbüttel wohnt und zum Arbeiten auspendelt, verdiente 2019 deutlich mehr: Der Medianlohn betrug 3782 Euro und lag damit höher als beispielsweise der Bundes-Median, erklärt Stefan Freydank, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar. Medianlohn bedeutet, dass die Hälfte der Vollzeitarbeitnehmer mehr verdient, die andere Hälfte weniger. Die Lohnunterschiede sind auch in unserer Region teilweise groß.

In Wolfsburg verdient man deutschlandweit am meisten

Im Landkreis Wolfenbüttel beispielsweise verdienten die Arbeitnehmer weniger als in Wolfsburg (5089 Euro), Salzgitter (4347 Euro) und Braunschweig (3637 Euro). „Wenn man aber Wolfenbüttel mit Salzgitter und Wolfsburg vergleicht, dann vergleicht man extrem unterschiedliche Wirtschaftsstandorte“, erklärt Pressesprecher Freydank. Man bedenke zum Beispiel, dass Wolfsburg, Sitz des Volkswagen-Konzerns, das Ranking aller deutschen Brutto-Löhne anführt.

Die Autoindustrie hat für den deutschen Arbeitsmarkt eine große Bedeutung. Ingolstadt, Sitz der VW-Tochter Audi, besetzt übrigens den zweiten Platz im deutschlandweiten Vergleich. Auch Salzgitter ist ein Industrie-Standort. Wenn man aber Wolfenbüttel mit ähnlichen Kommunen vergleiche, wie Helmstedt, Peine und Goslar, dann zeige sich, so der Arbeitsmarkt-Experte, dass man im Landkreis „gut verdient“.

Fast 70 Prozent der Wolfenbüttler pendeln

Augenfällig sei auch die hohe Auspendlerquote. „Das liegt an der guten Lage des Landkreises Wolfenbüttel“, erläutert der Pressesprecher. Im Landkreis Wolfenbüttel wohnen 46.957 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Stand Juni 2019). Von ihnen pendeln 32.534 oder 69,3 Prozent zur Arbeit in einen anderen Kreis (Auspendler). Gleichzeitig pendeln 10.635 Beschäftigte, die in einem anderen Kreis wohnen, zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in den Landkreis (Einpendler).

Den Großteil zieht es zum Arbeiten nach Braunschweig: 14.595 pendeln in die Löwenstadt. 6687 fahren zur Arbeit nach Salzgitter, 3109 nach Wolfsburg und 1259 nach Goslar. Auf der anderen Seite haben 3143 Braunschweiger ihren Arbeitsort im Landkreis Wolfenbüttel, so wie 1484 Salzgitteraner und 1263 Arbeitnehmer aus dem Harz.

Frauen verdienen im Landkreis weniger

Zwischen Männern und Frauen besteht im Landkreis Wolfenbüttel ein Lohnunterschied. Im Mittel verdienten Männer im vergangenen Jahr 3274 Euro brutto im Monat, Frauen nur 2938, also rund 11 Prozent weniger.

Die Entgeltstatistik belege auch, dass sich ein Berufsabschluss auszahle: „Man verdient deutlich mehr und es schützt vor Arbeitslosigkeit“, weiß Freydank zu berichten. Ohne Berufsabschluss lag das Einkommen der Wolfenbüttel 2019 im Mittel bei 2351 Euro, mit anerkanntem Berufsabschluss bei 3090 Euro. Akademiker verdienten 4763 Euro.

Auch Corona und Kurzarbeit sollten Arbeitnehmer nicht davon abhalten, sich zu qualifizieren und auch Unternehmen nicht, Auszubildende einzustellen, appelliert Freydank: „Wir können uns keinen Corona-Jahrgang leisten!“ Der Fachkräftemangel sei nach wie vor ein großes Thema. Wenn sich die wirtschaftliche Lage in ein bis anderthalb Jahren stabilisiert habe, werde dieser auch wieder präsenter sein.

Allein in diesem Jahre fehle ein Großteil des Abiturjahrgangs, weil die allgemeine Hochschulreife 2020 nur an Gesamtschulen und berufsbildenden Schulen abgelegt wurden. Im Agenturbezirk Braunschweig-Goslar, zudem auch Salzgitter und Wolfenbüttel gehören, verlassen normalerweise jedes Jahr rund 2000 Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildende Schule mit dem Abitur. Nach Prognosen wird die Zahl in diesem Sommer keine 400 Absolventen erreichen.

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