Besondere Kulturangebote für Wolfenbütteler in Coronazeiten

Wolfenbüttel.  Das Museum bietet virtuelle Rundgänge an, in der Stadtbücherei werden Wundertaschen gepackt und die Stadt erhöht den Projekttopf für Kulturförderung.

Foto: Karl-Ernst Hueske

In schwierigen Zeiten geht man häufig außergewöhnliche Wege: Die ursprünglich für das Wolfenbütteler Bürger-Museum geplante Sonderausstellung „‚Es lebe die Freiheit!‘ – Junge Menschen gegen den Nationalsozialismus“ wird zum Beispiel aufgrund der coronabedingten Schließung der Wolfenbütteler Museen in den beiden Wintergarten des Lessingtheaters präsentiert und ist dort für Schülergruppen und Geschichtsinteressierte durch die Scheibe zu sehen. Es handelt sich um eine Wanderausstellung, die vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945, Frankfurt am Main, konzipiert und inhaltlich erarbeitet wurde.

Kultur in Pandemiezeiten ist ein schwieriges Unterfangen. Das weiß auch Alexandra Hupp, Leiterin des Kulturbüros der Stadt. Sie war selbst überrascht, als sie auf Bitten unserer Zeitung zusammengetragen hat, was es an städtischen Kulturangeboten trotz Corona derzeit gibt. Sie berichtete: „Ich habe in den einzelnen Fachabteilungen nachgefragt. Dabei ist eine schöne Liste an Angeboten beziehungsweise Planungen zusammengekommen.“ Hier ist ein Überblick über nutzbare Kulturangebote in der Stadt.

Museen: Zwar sind sowohl der Museum Schloss Wolfenbüttel als auch das Bürgermuseum derzeit geschlossen, aber über das Internet kann man sich einen Zugang zu den Museumsräumen verschaffen und sich – geführt vom Tanzmeister – auf einen virtuellen Rundgang durch die historischen Räume im Schloss begeben. Über diese Internetseite ist zudem ein Film zur Tony-Cragg-Ausstellung zu sehen. Und wie bereits erwähnt gibt es auch eine neue Ausstellung des Bürgermuseums zu sehen, allerdings in den Fenstern der Wintergärten des Lessingtheaters.

Museumsleiterin Dr. Sandra Donner berichtete zudem: „„Im Schloss wird die Zeit genutzt für kleine bauliche Eingriffe. Der neue Zugang zum Herzoginnen-Appartement orientiert sich an der alten Raumsituation des 18. Jahrhunderts und rückt das Intarsienkabinett wieder mehr in den Mittelpunkt. Es sind Farbuntersuchungen gemacht worden in der Hofgalerie, die für die weitere Rekonstruktion und Restaurierung dienen. Und im Venussaal arbeiten wir an der Beleuchtung.“

Außerdem arbeiten die Mitarbeiter des Museums Schloss Wolfenbüttel an der Digitalisierung der Objekte, um die Möglichkeit zu schaffen, in Zukunft einzelne Exponate auf der Website öffentlich zu präsentieren. Und damit noch nicht genug, so Donner: „Und dann bereiten wir noch die nächste Ausstellung vor, „Made in Wolfenbüttel“ – wir sprechen mit den Repräsentanten der Firmen und arbeiten an den Texten für die Präsentation.“

Stadtbücherei: Wundertaschen mit überraschenden Lesefutter: Das bietet die Stadtbücherei an. Nach Altersangaben und Themenwunsch stellt das Team der Stadtbücherei eine Tasche mit ca. 5 Medien zusammen. Die Übergabe erfolgt kontaktlos. Bestellwünsche können am besten per Mail an Stadtbuecherei@Wolfenbuettel.de oder telefonisch unter 05331 900 86-0 übermittelt werden. Persönlich sind die Mitarbeiter derzeit dienstags bis freitags von 10 bis 15 Uhr zu erreichen.

Mit dem Leseausweis der Stadtbücherei hat man zudem Zugriff auf die Onleihe Niedersachsen – die 24-Stunden-Bibliothek im Internet. Dieses Portal bietet einen Zugriff auf digitale Medien wie eBooks, ePapers, eAudios und eVideos. Diese Medien sind ganz bequem rund um die Uhr - auch von zu Hause aus – zu entleihen und nutzen, und zwar 29. Januar sogar kostenlos. Dafür muss nur eine Mail mit dem Betreff „Anmeldung zum kostenlosen Onleihe-Zugang" mit Name, Adresse, Geburtsdatum und Telefonnummer an die Stadtbücherei gesandt werden. Gut zu wissen: Man braucht nicht unbedingt einen E-Book-Reader. Auch auf dem Smartphone, Tablet oder am Desktop-PC kann das Angebot genutzt werden.

Vor allem für Schulen und Lernende im Homeschooling interessant ist laut Hupp zudem der kostenfreie Online-Zugang zu den Munzinger Datenbanken, der über den Leseausweis der Stadtbücherei möglich ist.

Lessingtheater: Zwar gibt es im Lessingtheater derzeit keine Aufführungen, aber auf der Website www.lessingtheater.de stellt das Theaterteam digitale Angebote der Gastspielpartner zur Verfügung, aktuell zum Beispiel die Inszenierung „Die Schneekönigin“ des Theater für Niedersachsen. Zu sehen ist das Stück als Stream auf www.tfn-online.de.

Hupp ergänzte noch: „Außerdem gibt es schöne Online-Angebote unserer Partner.“ Als Beispiele führte sie an: „Das Landestheater Detmold setzt das Stück Der liebe Herr Teufel, das vom 29.11. bis 4.12.2020 auch im Lessingtheater aufgeführt werden sollte, als filmische Lesung mit der Geräuschemacherin Mareike Trillhaas um. Das Video ist bis Ende Januar auf der Webseite des Landestheaters Detmold zu sehen: www.landestheater-detmold.de. Und auch die Lesung von Daniel Kehlmann im Rahmen der NDR-Reihe „Der Norden liest Herbsttour 2020“, die am 19. November live aus dem Lessingtheater übertragen wurde, ist noch bis zum 19. Februar in der NDR-Mediathek verfügbar. Der Erfolgsautor liest unter anderem aus seinem Roman »Tyll« und seinen »Corona-Dialogen«.

Und hier ist noch ein Geheimtipp von Hupp. Sie berichtete: „In der Schließzeit haben die Gegenstände im Lessingtheater ein Eigenleben entwickelt. Nichts ist, wie es scheint, denn Stühle verwandeln sich in weihnachtliche Motive, überdimensionale Schornsteinfeger bringen Glück und gigantische Schokoladentafeln sind leider ungenießbar. Eine Auswahl der Foto-Inszenierungen, die unser Haustechniker Alexander Friedrich in den letzten Monaten gemacht hat, kann bei Einbruch der Dunkelheit an der Infobox auf dem Theater-Vorplatz besichtigt werden.“

Kulturförderung: Sylvia Matysik, Mitarbeiterin im Kulturbüro, hatte zudem eine positive Nachricht für alle Kulturschaffenden im Bereich der Stadt Wolfenbüttel parat: „Das Kulturbüro hat die Erhöhung des Projekttopfes durch die Politik auf den Weg gebracht.“ Dabei geht es prioritär darum, dass Einnahmeausfälle durch weniger Besucher kompensiert und neue, auch coronataugliche Projekte, initiiert werden können. Außerdem können Antragsteller auch neue Kosten, wie zum Beispiel die Umsetzung von Hygienestandards, die vorher in den klassischen Veranstaltungskosten nicht einkalkuliert waren, über den Projekttopf finanzieren lassen. Aus dem Projekttopf konnten laut Matysik bereits im Jahr 2020 Projekte in Höhe von 35.604,70 Euro gefördert werden. Für 2021 stehen nunmehr Mittel in Höhe von ca. 74.000 Euro zur Verfügung. Davon wurden 9.000 Euro bereits für Projekte in 2021 beschlossen und ca. 15.000 Euro werden zurzeit noch in den politischen Gremien beraten. Fragen zu dem Projekttopf der Stadt Wolfenbüttel beantwortet Sylvia Matysik vom Kulturbüro unter der Telefonnummer (05331) 86-446.

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