In Beuchte soll eine freie Grundschule entstehen

Beuchte.  Bereits im September sollen auf einem ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Hof die ersten Kinder unterrichtet werden.

Im linken Gebäude sollen die ersten Schüler ab September unterrichtet werden. Der ehemalige Stall (rechts) soll später ausgebaut werden.

Im linken Gebäude sollen die ersten Schüler ab September unterrichtet werden. Der ehemalige Stall (rechts) soll später ausgebaut werden.

Foto: Privat

Wird der Landkreis Wolfenbüttel schon bald um eine weitere Grundschule reicher? Wenn es nach dem Verein „Vielfalt lernen“ geht, soll dies schon am September der Fall sein. Die Mitglieder –alles Eltern aus der Gemeinde Schladen-Werla – treiben die Planungen für eine freie Grundschule mit dem Standort Beuchte voran. Auch ein Schulgebäude sei bereits angemietet.

„Das Gebäude ist ein ehemaliger landwirtschaftlich genutzter Hof in Beuchte. Dort ziehen wir zunächst in ein früher genutztes Wohngebäude ein, wo dann die ersten 12 bis 15 Schüler ab dem Schuljahr 2021/22 unterrichtet werden können“, sagt Aileen Preen vom Verein „Vielfalt lernen“. Wenn die Schülerzahlen steigen, soll der Unterricht in einen benachbarten ehemaligen Stall umziehen, der dann hergerichtet werde. Dort sei dann Platz für bis zu 60 Schüler in drei bis vier Lerngruppen.

Lernen auf Augenhöhe

Die Idee, eine eigene freie Grundschule zu gründen, sei den Vereinsmitgliedern im Jahr 2017 gekommen. „Ich war damals noch mit meiner Tochter schwanger und durch Bekannten sind wir dann auf das Modell einer freien Grundschule gekommen und fanden diese Idee gut. Wir wünschten uns für unsere Kinder eine Schule, auf der Ihnen Erwachsene auf Augenhöhe begegnen und sie ohne Stress lernen können. Und da es keine freie Grundschule in der Umgebung gibt, haben wir den Verein 2018 gegründet und die Planungen vorangetrieben“, sagt die Heiningerin Aileen Preen. Das Konzept der Schule orientiert sich an verschiedenen reformpädagogischen Ansätzen und soll in Beuchte folgendermaßen aussehen: Es gibt keine Schulklassen mehr, sondern altersgemischte Lerngruppen. In denen werden die Kinder mit Lernmaterial versorgt und durch sogenannte Lernbegleiter unterstützt. „Wir wollten den klassischen Begriffs des Lehrers nicht verwenden. Auch, weil es ein Lernen auf Augenhöhe sein soll“, so Preen.

Die Schülerinnen und Schüler sollen sich so eigenständig Lerninhalte erarbeiten und eine eigene Lernstrategie entwickeln. Dennoch sei der vorgeschriebene Lehrplan, an den sich alle Grundschulen in Niedersachsen halten müssen, maßgeblich.

Landesschulbehörde muss Konzept zustimmen

„Die Individualität jedes einzelnen Kindes steht bei uns im Vordergrund. Zudem soll der Unterricht sehr praxisorientiert sein, in dem die Schüler auch mitbestimmen dürfen“, sagt die Heiningerin. Auch auf Noten und „Sitzen bleiben“ werde verzichtet. Zudem soll nachhaltiges Denken gefördert werden. Dem Konzept muss die Niedersächsische Landesschulbehörde zustimmen. „Wir sind im stetigen Austausch“, so Preen.

Zudem habe der Verein die Gemeinde Schladen-Werla über seine Pläne informiert. „Wir als Gemeinde Schladen-Werla sind sehr frühzeitig in die Planungen eingebunden worden. Wir begleiten dieses Projekt wohlwollend, da es auch die Attraktivität der Gemeinde und von Beuchte erhöht“, sagt Andreas Memmert (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Schladen-Werla.

Ein Konkurrenz-Gedanke komme aber auch bei der Gemeindeverwaltung nicht auf. „Wir haben auch Marie-Louise Siemann, Schulleiterin der Clemens-Grundschule in Hornburg darüber informiert. Natürlich spornt uns das auch in gewisserweise an. Die Clemensschule ist eine gute Schule, in die wir viel Leidenschaft stecken und gut aufgestellt ist. Aber Neid oder Konkurrenz soll in unserer Gemeinde nicht aufkommen. Jeder soll sich wohlfühlen“, so Memmert.

Einkommensgestaffeltes Schulgeld

Der Konkurrenzgedanke sei auch nicht im Sinne des Vereins, wie Aileen Preen im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt. „Wir wollen lediglich eine andere Art des Lernens anbieten, ohne die Praxis der Regelschulen zu kritisieren.“ Finanziert werden soll die Schule in Beuchte zunächst über einen Kredit und Kleinbürgschaften, da Schulen in freier Trägerschaft in den ersten drei Jahren keine staatliche Unterstützung erhalten. Eine Refinanzierung des Kredits soll dann über ein einkommensgestaffeltes Schulgeld erfolgen. Wie hoch das sein wird, stehe noch nicht fest. Die ersten 40 Interessensbekundungen von Familien seien aber bereits eingegangen – wohl auch aus Braunschweig und Hannover.

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