Landeskirche trauert

Pfarrer Rüdiger Becker von der ES Neukerode ist gestorben

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Pfarrer Rüdiger Becker, Direktor und Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, starb an den Folgen eines schweren Fahrradunfalls.

Pfarrer Rüdiger Becker, Direktor und Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, starb an den Folgen eines schweren Fahrradunfalls.

Foto: Evangelische Stiftung Neuerkerode/Nina Stiller

Neuerkerode.  Menschenfreund Rüdiger Becker, Direktor und Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, starb an den Folgen eines Fahrradunfalls.

Pfarrer Rüdiger Becker, Direktor und Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Neuerkerode (esn), ist am Dienstag an den Folgen eines schweren Fahrradunfalls gestorben. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Braunschweig und alle, die Becker als warmherzigen Menschenfreund kannten, schätzten, liebten, stehen unter Schock. Landesbischof Dr. Christoph Meyns reagierte mit großer Bestürzung auf den plötzlichen Tod des 59-Jährigen.

Landesbischof Dr. Christoph Meyns ist zutiefst bestürzt über den plötzlichen Tod Beckers

„Ich bin schockiert und tief traurig, dass Rüdiger Becker bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Ich bete für ihn und seine Familie, der ich viel Kraft in dieser Grenzsituation wünsche.“ Der Landesbischof hob Beckers diakonisches Engagement besonders hervor: „Er hat die Evangelische Stiftung Neuerkerode zu einem herausragenden Lebensort für Menschen mit Behinderungen gemacht.“ Die Chancen dieser Menschen auf gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe zu erhöhen und ihnen ein möglichst selbstbestimmtes, würdevolles Leben zu ermöglichen – das sei Beckers Anliegen gewesen. Auch politisch habe er sich dafür in Niedersachsen und darüber hinaus eingesetzt.

Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer, Aufsichtsratsvorsitzender des Diakonischen Werkes evangelischer Kirchen in Niedersachsen (DWiN), äußerte sich tief betroffen: „Die Diakonie verliert mit ihm einen herausragenden Fürsprecher für die Schwachen in unserer Gesellschaft, für die sich die Evangelische Stiftung Neuerkerode in vielfältiger Weise eingesetzt hat.“ Das christliche Menschenbild, das in jedem Menschen das Ebenbild Gottes sehe, sei Rüdiger Beckers Leitbild gewesen. Sein sozialpolitisches Engagement und seine Sachkunde in diakonischen Fragen seien ein schmerzlicher Verlust.

Rüdiger Becker war ein passionierter Pfarrer und fünffacher Vater

Der passionierte Pfarrer und fünffache Vater leitete die Geschicke der esn seit dem 1. Oktober 2005. Er entwickelte die mehr als 150 Jahre alte Stiftung zu einem umfassenden Versorgungsnetzwerk zur Förderung von Inklusion, Gesundheit und Lebensqualität.

„Wir sind unendlich traurig über den plötzlichen Verlust von Rüdiger Becker und unsere Gedanken sind bei seiner Familie“, sagte Jessica Gümmer-Postall, Mitglied des esn-Vorstandes. „Neben seiner fachlichen Kompetenz als Theologe und Sozialwissenschaftler wird uns Rüdiger Becker als empathischer, lebensfroher und zugewandter Freund und Kollege unglaublich fehlen“, meinte esn-Vorstandsmitglied Ingo Beese.

Robert Johns, Geschäftsführer des Diakonischen Dienstgeberverbandes (DDN), bezeichnete Becker und dessen Vorgänger im Amt, Hans-Peter Hoppe, als Wegbereiter des ersten Tarifvertrags für Einrichtungen der Diakonie in Niedersachsen. Dieser Tarifvertrag war im September 2014 erstmalig zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Diakonie Niedersachsen vereinbart worden. Becker habe den DDN in der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) vertreten und als Mitglied deren Vorstands für einen bundesweit geltenden, allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für Altenpflegeeinrichtungen gekämpft.

Rüdiger Beckers Lebensweg vom Studium bis zu umfangreichen Gremienarbeit

Becker studierte von 1982 bis 1990 Theologie an den Universitäten Marburg, Göttingen und Aarhus (Dänemark). Von 2003 bis 2005 absolvierte er zudem ein Studium an der Evangelischen Fachhochschule Hannover. Er beschloss das Studium mit einer Arbeit zu „Management und Organisationsentwicklung im sozialen und kirchlichen Bereich“.

Von 1994 bis 1999 war Becker Pfarrer der Kirchengemeinde Parsau mit Ahnebeck und Bergfeld. Er arbeitete im Direktionsstab des Diakonischen Werkes Braunschweig mit und war für fünf Jahre bis 2005 Persönlicher Referent des Landesbischofs der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig. Dann wurde er Direktor der esn. Seit 2015 ist er auch Direktor der evangelisch-lutherischen Diakonissenanstalt Marienstift in Braunschweig.

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Beckers Gremienarbeit war mehr als umfangreich. Er war Mitglied im Aufsichtsrat der Diakonie-Stiftung im Braunschweiger Land. Darüber hinaus war er im Vorstand der Dr. Kurt und Ruth Gahnz Stiftung und der Hanna Brotrück-Stiftung. Er war Mitglied im Stiftungsrat der Grotjahn-Stiftung Schladen.

Becker war Mitglied im Verwaltungsrat der Norddeutschen kirchlichen Versorgungskasse für Pfarrer und kirchliche Beamte (NKVK) sowie Mitglied des regionalen Wirtschaftsausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK). Er gehörte dem Kuratorium der Eintracht Braunschweig Stiftung ebenso an wie dem Vorstand der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP). Im Caritasrat der Diözese Hildesheim war Becker Mitglied.

Zudem war Becker von 2014 bis 2018 Vorstand des Verbandes diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD), Aufsichtsratsvorsitzender der Diakoniestationen Harz Heide gGmbH, Vorstand der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) und Vorstand der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP).

Ein Termin für den Trauergottesdienst steht noch nicht fest

Was Rüdiger Becker geleistet hat, ist schier unglaublich. Zu nennen sind sein Verhandlungsgeschick, das mitunter von großer Durchsetzungsfähigkeit geprägt war, und seine Gabe, sich mit größter Warmherzigkeit in Menschen hineinversetzen zu können. Ein Termin für den Trauergottesdienst steht noch nicht fest.

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