Iris Kamali ist die neue Hausärztin in Börßum

Börßum.  Dr. Iris Kamali übernimmt im Juli die Hausarztpraxis von Dr. Rohen in Börßum. die 60-jährige Werlaburgdorferin lebte lange im Iran.

Dr. Iris Kamali übernimmt die Hausarztpraxis von Dr. Rohen in Börßum.

Dr. Iris Kamali übernimmt die Hausarztpraxis von Dr. Rohen in Börßum.

Foto: Kai-Uwe Ruf

Karsten Bötel ist die Freude deutlich anzumerken, als er über die neue Ärztin in Börßum spricht. „Wir sind glücklich, dass sich Dr. Kamali hier ansiedelt“ sagt der Bürgermeister des Ortes. Dr. Iris Kamali wird ab Juli die Arztpraxis des verstorbenen Dr. Wolfram Rohen übernehmen. In dem Dorf im Kreis Wolfenbüttel wird es also auch künftig zwei Allgemeinmediziner in zwei Praxen geben.

Nach Rohens Tod schien dies fraglich. „Wir standen unter Druck“, erzählt Bötel. Die Ärztekammer hatte eine Frist gesetzt. Nach sechs Monaten hätte sie die vakante Ärztestelle eingezogen. Nun werden künftig Dr. Iris Kamali und Dr. Daniel Ahlwes als Allgemeinmediziner in Börßum tätig sein.

Für Iris Kamali kam die Gelegenheit überraschend, betont sie im Gespräch. Ihr Mann habe den Anstoß dazu gegeben. In ihrem Wohnort Werlaburgdorf habe er mit einer Frau gesprochen. Sie habe erzählt, dass ihr Hausarzt gestorben sei. Ihr Mann habe später auch Fotos von den Börßumer Praxisräumen gemacht und sie ihr gezeigt. So sei das Ganze in Gang gekommen. „Ich bin da eigentlich reingeschlittert“, sag die 60-Jährige: „Es kam alles zusammen, als hätte es so sein sollen.“

Zunächst habe sie Bedenken gehabt, ob sie den Sprung in die Selbständigkeit noch wagen sollte. „Ich wusste nicht, ob sich das überhaupt noch rentiert.“ Außerdem sei sie mit ihrer gegenwärtigen Situation als Angestellte in einer Hausarztpraxis in Cremlingen zufrieden gewesen. Fest vereinbartes Gehalt, feste Arbeitszeiten und Urlaub nach Tarif, das seien nicht von der Hand zu weisende Vorteile.

Trotzdem habe etwas gefehlt, berichtet sie nach kurzem Nachdenken. „Ich hatte Lust, meine ganz eigenen Patienten zu haben.“ Das sei es, was für sie das Dasein eines Hausarztes auf dem Lande ausmache. Man könne seine Patienten immer wieder sehen und sie über viele Jahre betreuen. Manchmal lerne man sogar ihre Familien kennen und sehe wie sie leben. Das lohne den Aufwand. Das motiviere sie auch zum Sprung in die Selbständigkeit.

19 Jahre lebte sie im Iran, erzählt sie. Ihr Mann sei gebürtiger Iraner. Erst als die Kinder zum Studium nach Deutschland wollten, seien sie zurückgekehrt. In der Stadt Ahvaz in der Erdölprovinz des Landes sei sie zu Hause gewesen. Bis zu 50 Grad heiß werde es dort im Sommer, erzählt sie. „Ohne Klimaanlage geht dort gar nichts.“ Die Menschen seien sehr freundlich und hilfsbereit. Aber politisch sei es nicht leicht. Sie habe beispielsweise immer ein Kopftuch tragen müssen, wenn sie das Haus verlassen habe.

Nun freut sie sich auf den Start in ihrer eigenen Praxis in Börßum. „Die Werlaburgdorfer fragen schon, wann es losgeht.“

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