„Keine Kündigungen – ein Erfolg“

Wolfsburg  Der Zukunftspakt ist am Freitag Gesprächsthema Nummer eins in Wolfsburg. Die Meinungen gehen weit auseinander.

Ist der VW-Zukunftspakt eine schlechte Nachricht oder eine gute Sache? Die Meinungen gehen weit auseinander.

„Ein starkes Signal für die Region“ nennt Michael Wilkens den Zukunftspakt. Der Geschäftsstellenleiter der Industrie- und Handelskammer erwartet positive wirtschaftliche Effekte. „Moderne Elektroautos sollen hier gebaut werden, neue Arbeitsplätze in den Bereichen IT- und Softwareentwicklung entstehen.“

„Ein gutes Gefühl“, dass der Zukunftspakt einen erfolgreichen Wandel ankündigt, bekundete Holger Stoye. „Wichtig bleibt dabei, dass wir Menschen und unsere Bedürfnisse im Vordergrund der Produktentwicklungen stehen“, so der Geschäftsführer der Wolfsburg Marketing Gesellschaft. Auch CMT-Chef Matthias Lange war am Freitag positiv gestimmt. „Ich glaube, dass der Konzern die richtigen Weichen stellt, dass sich VW konsolidiert und wir wieder auf einem richtigen Weg sind“, sagte er.

Ganz anders klang die CDU-Kreisvorsitzende Angelika Jahns. „Es hat mich schockiert, dass 30 000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen“, sagte sie. Jahns rechnet mit Auswirkungen auf die Stadtentwicklung. „Man wird sehen müssen, ob man das Wohnbauprogramm anpassen muss, wenn viele Arbeitsplätze abgebaut werden. Nicht dass nachher Tausende Wohnungen leer stehen.“

„30 000 – das ist eine Zahl, die nachdenklich macht“, stellte PUG-Fraktionssprecherin Sandra Straube fest. „Volkswagen steht vor einer Situation, die es so noch nie gegeben hat.“ Doch der Wandel werde mit Altersteilzeit-Regelungen statt Kündigungen arbeitnehmerfreundlich gestaltet. Gut sei auch, dass neue Jobs in den Zukunftsfeldern IT und E-Mobilität nach Wolfsburg kommen.

„Es ist ein großer Erfolg, dass es bis 2025 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird“, freute sich SPD-Kreisvorsitzende Immacolata Glosemeyer. Wichtig ist aus ihrer Sicht, dass der Standort gesichert ist und VW neue Aufgaben in die Stadt holt. Glosemeyer hofft, dass viele Leiharbeiter, deren Verträge auslaufen, in den Zukunftsfeldern Fuß fassen. Mit Freude hat sie gehört, dass VW weiter ausbilden will.

„Es ist schön, dass betriebsbedingte Kündigungen abgewendet werden konnten und die Stammbelegschaft gehalten wird“, sagt AfD-Kreisvorsitzender Thomas Schlick. „Aber mir fehlt, dass diejenigen, die Reformen verschlafen haben und für den Abgasskandal verantwortlich sind, auch ihren Beitrag zum Zukunftspakt leisten.“ Stattdessen badeten die Zeitarbeiter Fehler der Führungsriege aus.

Aus Sicht der Linke/Piraten-Fraktion waren Reformen überfällig. „Was wir schade finden, ist, dass es dafür erst eine Krise geben musste und es aus Gründen der Profitgier auf Kosten der Belegschaft geht“, erläuterte Fraktionssprecher Svante Evenburg.

Grünen-Kreisvorsitzender Axel Bosse stellte fest, dass mit Altersteilzeit ein Teil der Krisenkosten auf die Allgemeinheit abgewälzt werde. „Es ist aber wahrscheinlich die einzige Lösung, um aus diesem Dilemma herauszukommen.“

Der FDP-Kreisvorsitzende Hans-Joachim Throl ist vom Arbeitsplatzabbau nicht begeistert: „Aber wichtig ist, dass dieses Unternehmen weiterhin erfolgreich ist. Das wird der Maßstab sein.“

„Ich finde es positiv, dass VW die Zukunftsfelder der Elektromobilität und der Digitalisierung nach Wolfsburg bringt“, sagte die Wind-Ratsfrau Hanne Bolewicki. Das schaffe neue Arbeitsplätze und sichere vorhandene.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder