Der VfL hat in 21 Jahren in der 1. Liga seine eigene Geschichte geschrieben

Wolfsburg  Die Spiele des Wolfsburger Bundesligisten locken stets tausende Zuschauer in der Allerpark. Aktuell müssen die Grün-Weißen aber wieder um den Klassenerhalt in Deutschlands Oberhaus bangen.

Was wäre wohl passiert, wenn Steffen Herzberger am 11. Juni 1997 nicht so früh Gelb-Rot gesehen hätte? Möglicherweise hätte der VfL Wolfsburg die Begegnung mit dem FSV Mainz am letzten Zweitliga-Spieltag in der Saison 1996/97 nicht mit 5:4 für sich entscheiden können, wäre in diesem Fall nicht in die Bundesliga aufgestiegen. Möglicherweise hätte es ein Jahr später geklappt, möglicherweise aber auch nicht. Doch Schiedsrichter Bernd Heynemann stellte den Mainzer Herzberger wegen wiederholten Foulspiels in der 42. Minute des Aufstiegs-Endspiels vom Platz – und am Ende des Tages jubelten Roy Präger und Co. über den bis dato größten Erfolg der Klubgeschichte. Inzwischen hat sich der VfL zu einem Aushängeschild und Botschafter der Stadt Wolfsburg und seiner Bewohner entwickelt.

Knapp 21 Jahre ist der Aufstieg nun her, im vergangenen Sommer war das 20-jährige Jubiläum groß gefeiert worden. Die Anhänger produzierten dafür in Eigenregie einen professionellen Kinofilm, der Verein veranstaltete ein Jubiläumsspiel. Auf der einen Seite die 97er Aufstiegshelden, auf der anderen die VfL-Allstars. Präger, Siggi Reich, Peter Kleeschäzky und Co. trafen auf Edin Dzeko, Martin Petrov, Diego Klimowicz sowie weitere prominente Namen aus 20 Jahren Bundesliga-Geschichte in Wolfsburg. Am Ende setzten sich die Allstars mit 4:3 gegen die Aufstiegshelden durch – stilecht unter der Leitung von Referee Heynemann.

Zwar kann der VfL nicht auf eine so lange Tradition zurückblicken wie manch anderen Bundesligist. Dennoch hat auch er die eine oder andere Geschichte zu erzählen. Einige ereigneten sich vor der Bundesliga-Zeit wie etwa das Erreichen des DFB-Pokalfinals 1995, das mit 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach verloren wurde. Aber für einen Großteil der Beobachter, vor allem außerhalb Wolfsburgs, betrat der VfL die deutsche Fußballbühne erst mit dem überraschenden Aufstieg in die Bundesliga.

Seitdem haben die Grün-Weißen einen festen Platz im Veranstaltungskalender und in den Herzen der Wolfsburger. Das Interesse wuchs, schon 2002, fünf Jahre nach dem Aufstieg, wurde der Entwicklung mit der Eröffnung der VW-Arena im Allerpark Rechnung getragen. Dort feierte der VfL auch seinen größten Erfolg, wurde im Mai 2009 deutscher Meister. Sechs Jahre später stießen der DFB-Pokal und der Supercup im Trophäenschrank dazu. Zweimal durfte der VfL an der Champions League teilnehmen, es waren stets große Fußball-Feste in Wolfsburg. Den Höhepunkt gab es im April 2016, als der Klub im Viertelfinale auf die „Königlichen“ traf. Gegen Real Madrid um Superstar Cristiano Ronaldo schaffte der VfL mit dem 2:0 zu Hause eine Sensation, die lange unvergessen bleiben wird.

Aktuell jedoch sieht’s nicht so gut aus für die Grün-Weißen, die im zweiten Jahr in Folge um den Klassenerhalt in der 1. Liga bangen müssen. Von der Königsklasse ist das Team um Eigengewächs Maximilian Arnold meilenweit entfernt. Zwar locken ihre Auftritte immer noch tausende Zuschauer Woche für Woche in der Allerpark, aber die Ansprüche sind höher geworden. Dabei hat sich der VfL zum Ziel gesetzt, in Zukunft verstärkt Talente aus der eigenen Jugend in den Profibereich zu integrieren, auch weil Klubeigner Volkswagen die finanziellen Zuwendungen gekürzt hat. Doch bei dieser Mission ist mit Rückschlägen und schwierigen Situationen zu rechnen.

Erst vergangene Woche hat der VfL mal wieder seinen Trainer ausgetauscht. Der Schweizer Martin Schmidt trat von seinem Posten zurück, mit Bruno Labbadia übernahm der fünfte Coach in den vergangenen 17 Monaten das Amt. Der Ex-Nationalspieler arbeitete zuletzt für den Hamburger SV, hat sich einen Namen als Feuerwehrmann gemacht. Er soll die Grün-Weißen vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit retten.

Möglicherweise wäre die Geschichte des VfL seit 1997 eine ganz andere, wenn der Mainzer Herzberger an jenem 11. Juni nicht so früh einen Platzverweis kassiert hätte. Vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall kann sich niemand mehr Wolfsburg ohne den VfL vorstellen.

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