Holocaust-Überlebende in Wolfsburg warnt vor Rassismus

Wolfsburg  Die polnische Jüdin Sara Frenkel arbeitete in der Nazizeit unerkannt im VW-Werk. Sie mahnte bei der Antifa-Woche.

Am Sara-Frenkel-Platz wurde ein Kranz zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus niedergelegt

Am Sara-Frenkel-Platz wurde ein Kranz zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus niedergelegt

Foto: Michael Uhmeyer / Regios24

. In jedem Jahr erinnert die Wolfsburger IG Metall an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, die Zeit des Nationalsozialismus. Verbunden mit der in heutiger Zeit wieder aktuell gewordenen Aufforderung, sich gegen nationalistische und faschistische Tendenzen zu stellen. Die Gewerkschaft hatte zu diesem Zweck die Antifa-Woche, jeweils Anfang November, aus der Taufe gehoben.

Die 14. Veranstaltung dieser Art, deren Teilnehmer demokratische Flagge zeigen, wurde am Freitagnachmittag am Sara-Frenkel-Platz mit einer Kranzniederlegung eröffnet. Die Namensgeberin ist eine der wenigen noch lebenden Zeitzeuginnen des Holocausts, dem weltweit sechs Millionen jüdische Mitbürger zum Opfer fielen.

Antina Schulze (Historische Kommunikation Volkswagen) verlas ein Grußwort von Sarah Frenkel. Die fast 96 Jahre alte, in Polen geborene Jüdin arbeitete während des 2. Weltkriegs unerkannt als Schwester im Krankenhaus der damaligen Stadt des KdF-Wagens. Sara Frenkel war bei „Antifa-Eröffnung anwesend. In ihrem Grußwort hatte sie aufgeschrieben: „1945 hegten wir die Hoffnung, dass der Antisemitismus und der engstirnige Rassismus der Vergangenheit angehören würden. Aber heute suchen sie schon wieder Sündenböcke. Wehret den Anfängen, damit sich solches Leid nicht wiederholt.“

Dazu gehöre es, dass man „Menschen, die empfinden, dass sie in der Verliererspur sind“, wieder Hoffnung geben müsse, sagte Hartwig Erb, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Wolfsburg. Denn diese Leute empfänden das nicht nur, sie seien tatsächlich auf dieser Spur. „Wir dürfen nicht warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist“, appellierte der Gewerkschafter an gesamtgesellschaftliche Solidarität.

Weitere Mahner waren Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs und Frank Paetzold, IG-Metall-Vertrauenskörperleiter bei Volkswagen. Klaus Mohrs verneigte sich, wie er sagte, „vor der Lebens- und Versöhnungsleistung von Sara Frenkel“ und er fügte hinzu: „Es ist mir und unserer Stadt eine besondere Ehre, dass Sie heute bei der Eröffnung der Antifa-Woche dabei sind. „Diese Veranstaltung wird immer wichtiger.“ Es war eine Gedenkstunde, in die sich gesanglich der Gewerkschaftschor Gegenwind einbrachte und bei der auch der Bund der Antifaschisten Flagge zeigte. Nach der Kranzniederlegung am Sara-Frenkel-Platz begaben sich die Teilnehmer der Veranstaltung ins Gewerkschaftshaus. Dort sprachen nochmals Hartwig Erb und Klaus Mohrs, sie vertieften ihre Gedanken. Björn Allmendinger, Leiter des Zentrum Demokratische Bildung und der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt, setzte gedankliche Impulse zu „Rechtspopulistischen Tendenzen in Gesellschaft und Betrieb“. Abgerundet wurde der Eröffnungsabend durch Beiträge von Schülern der Wolfsburger Waldorfschule.

Das Programm der Woche ist unter www.igmetall-wob.de abzurufen.

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