Mutterloses Wildkätzchen bei Wolfsburg entdeckt

Vorsfelde  Die junge Katze wurde im Artenschutzzentrum Leiferde aufgenommen. Möglicherweise suchte die Mutter wegen Waldarbeiten das Weite.

Die kleine Fellnase faucht schon wie ein ganz Großer.

Die kleine Fellnase faucht schon wie ein ganz Großer.

Foto: Privat

. Das wichtigste zuerst: Der Wildkatze geht es gut. „Sie zeigt ganz wildkatzentypisches Verhalten: Sie faucht, spuckt und frisst Mäuse wie Menschen Spaghetti“, berichtet die Leiterin des Artenschutzzentrums Leiferde, Bärbel Rogoschik, unserer Zeitung. Der wenige Wochen alte Kuder (so heißt die männliche Wildkatze in der Jägersprache) wurde in einem Wald bei Wolfsburg entdeckt. Möglicherweise verscheuchte Waldarbeiten das Muttertier mitsamt der Geschwister.

Wo er das Kätzchen entdeckt hat, möchte der Biologe, der sich in der WN-Redaktion gemeldet hat, nicht in der Zeitung lesen. Er befürchtet, Neugierige könnten kommen und die verbliebenen Wildkatzenpopulation stören. Vor einigen Tagen ging er mit seiner Frau im Wald spazieren, als sie ein Katzenbaby maunzen hörten. Der Naturkundler hielt die Fellnase zunächst nicht für Wildkatzen. „Ich dachte erst, es handelt sich um eine Hauskatze. Es war aber offensichtlich, dass die Mutter nicht mehr da war und ohne sie das Kätzchen im Wald sterben würde.“ Das Paar beschloss, das Kitten einzufangen und stellte eine Katzenbox mit einem Snack darin auf. „Es dauerte drei Stunden. Wir verließen zeitweise die Fundstelle und kamen später zurück. Die Katze war sehr vorsichtig und wollte sich erst einfangen lassen“, berichtet er. Doch irgendwann war der Hunger wohl doch größer...

Der Biologe brachte die Katze zum Tierarzt. Der eröffnete ihm, dass er da eine Wildkatze mitgebracht haben könnte. So ging die Reise weitere zum bekannten Artenschutzzentrum im Kreis Gifhorn. Erst vergangene Woche wilderten dort die Mitarbeiter die letzte Wildkatze, die noch im vergangenen Jahr aufgenommen worden war, aus, berichtet die Leiterin Bärbel Rogoschik. Die Wolfsburger Wildkatze ist somit der erste Zuzug in der Rettungsstation in diesem Jahr. Obwohl sie kaum daran zweifelt, dass es eine Wildkatze ist, steht erst fest, wenn das Ergebnis eines DNA-Tests vorliegt. Das Wolfsburger Findelkätzchen könnte auch ein Blending (Mischling aus Wild- und Hauskatze) sein. Das Ergebnis gibt es in einigen Wochen.

Die Katze ist wurde in einem kleinen Gehege untergebracht. Besucher kommen nicht dorthin, damit sich das Tier nicht an Menschen gewöhnt, sondern ihre natürliche Scheu behält. Täglichen stehen sechs bis acht (tote) Mäuse auf dem Speiseplan. „Es ist faszinierend, wie sie die förmlich einatmet“, meint Rogoschik. Gibt es auch Milch? „Nein, dafür sind die Zähnchen schon zu spitz.“ Die Katze wird noch geimpft, danach aber schon bald und auf die Auswilderung vorbereitet und mit lebendiger Beute trainiert, im Wald ohne Hilfe zurechtzukommen.

Im Herbst könnte es losgehen. Dafür wird für mehrere Wochen ein Auswilderungswagen aufgebaut, in dem es Futter und Wasser gibt und in dem die Katze noch zurückkehren kann. Das Revier wird zudem mit Kameras überwacht. Viel Aufwand. „Wir müssen abends noch ein Stündchen dranhängen, aber das machen wir gerne, weil das die beste Form der Auswilderung ist“, meint Rogoschik.

Der Finder der Katze befürchtet, dass womöglich Waldarbeiter mit ihrem Harvester die Katzenmutter mit ihrem Nachwuchs in ihrer Höhle oder zwischen Baumstämmen aufgescheucht haben könnten. „Warum arbeiten die auch ausgerechnet jetzt in der Brut-und Setzzeit“, kritisiert der Naturkundler.

Dennis Glanz, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten, bestätigte auf Nachfrage, dass derzeit in dem fraglichen Waldstück vom Borkenkäfer befallene Bäume entnommen werden. „Dies gehört zur ordnungsgemäßen Forstwirtschaft, und die ist ist während der Brut- und Setzzeit freigestellt. Wir nehmen darauf Rücksicht auf die Brut- und Setzzeit. Im vorliegende Fall ist aber Eile geboten, da es gilt, die weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern um weitere Schäden am Wald abzuwenden.“ Er weist darauf hin, dass die Mitarbeiter der Landesforsten ebenso wie die beauftragten Unternehmer regelmäßig in Fragen des Natur- und Artenschutz geschult werden und in sensiblen Bereichen mit großer Sorgfalt arbeiten. „Wir hoffen, dass die Aufzucht der jungen Wildkatze gelingt und sie bald ausgewildert werden kann – wie in der Vergangenheit schon häufig auch in den Wäldern der Niedersächsischen Landesforsten.“

Sie faucht, spuckt und frisst Mäuse wie Menschen Spaghetti
Bärbel Rogoschik,

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (3)