Leerstehende Hochhäuser in Detmerode: Entscheidung im Herbst

Detmerode.  In Wolfsburg-Detmerode stehen zwei Hochhäuser mit 250 Mietwohnungen leer. Der Grund: Asbest. Die Frage: Sind die Gebäude noch zu retten?

Sollen die Gebäude in der Theodor-Heuss-Straße 70 und 72 saniert werden, wird der Aufwand auf jeden Fall beträchtlich. Bei einem Abriss aber auch.

Sollen die Gebäude in der Theodor-Heuss-Straße 70 und 72 saniert werden, wird der Aufwand auf jeden Fall beträchtlich. Bei einem Abriss aber auch.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Mehr als 250 Mietwohnungen in Detmerode harren einer Entscheidung über ihre Zukunft. Nachdem wegen der Asbestbelastung jahrelang keine Wohnung in den Hochhäusern Don Camillo und Peppone neu vermietet werden durfte und die Neuland zuletzt den Auszug der noch verbliebenen Mieter forcierte, stehen die Gebäude in der Theodor-Heuss-Straße seit dem 2. Juli leer. Die Frage, ob eine Kern- und Fassadensanierung stattfindet oder die Häuser abgerissen werden, ist noch offen.

Das ist ein Beschluss, den der Aufsichtsrat fällen muss und den er aller Voraussicht nach in einigen Wochen fällen wird. „Wir haben im September unsere reguläre Aufsichtsratssitzung und sind voraussichtlich zu diesem Zeitpunkt so weit, eine Entscheidung zu treffen“, kündigt Neuland-Pressesprecherin Janina Thom auf Anfrage an. „Aufgrund der Komplexität haben wir Zeit benötigt, um Untersuchungen durchzuführen, die dann als Entscheidungsgrundlage dienen.“ Was bei dieser Entscheidung die Knackpunkte sind, will die städtische Wohnungsgesellschaft erst verraten, wenn der Aufsichtsrat über die Zukunft der Gebäude beschlossen hat.

Im Januar waren noch 72 von 162 Wohnungen im hoch aufragenden Don Camillo und 38 von 91 Wohnungen im niedrigeren Peppone bewohnt. Die Neuland unterstützte die Mieter bei den Umzügen, viele mussten nicht weit wegziehen. „Einige der ehemaligen Bewohner sind direkt gegenüber in Neubauwohnungen der Projekte Wohnen für Alle am Sportplatz und der kleinen Burg eingezogen“, so Thom. Insgesamt hätten 28 Mieter dort eine Wohnung gefunden. Die meisten anderen Bewohner habe die Neuland mit Wohnungen in Detmerode und Westhagen versorgen können. „Nur eine Mietpartei hat die Neuland verlassen“, so Thom.

Die Eingänge der beiden Hochhäuser sind nun verschlossen, um Vandalismus vorzubeugen. Im Jahr 2014 hatte die Neuland die Gebäude von einer Berliner Immobilienfirma übernommen und nach eigenen Angaben erst danach entdeckt, dass in Bodenbelägen und Versorgungsschächten Asbest verbaut war. Solange in den Häusern noch jemand lebte, konnte keine Sanierung stattfinden. Schächte und Fugen wurden abgeklebt, und es fanden regelmäßige Kontrollen statt. Doch das war keine Dauerlösung: Das Gewerbeaufsichtsamt habe eine Sanierungsverpflichtung ausgesprochen, die sich nun nicht länger aufschieben lasse, erklärte Neuland-Geschäftsführer Hans-Dieter Brand im Januar.

Sollte sich der Aufsichtsrat für eine Sanierung aussprechen, müssen die Gebäude komplett entkernt werden, um das Asbest herauszuholen. Auch die Fassade müsste weg, weil die Teile Schadstoffe enthalten. Brand schätzte im Januar, mindestens 50 Millionen Euro für die Gebäude ausgeben zu müssen. „Es kann ein Vorzeigeprojekt werden, und das ist es, worauf wir gerade hinarbeiten“, sagte der Neuland-Chef im Interview.

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