Messerattacke auf Partnerin in Wolfsburg – Mord-Anklage

Wolfsburg.  Weil sich seine Frau scheiden lassen wollte, soll sich der 47-Jährige auf sie gestürzt haben. Die Tochter (10) wurde Zeugin der Bluttat.

In einer Wohnung in diesem Haus in der Teichbreite ereignete sich die Bluttat. Eine 45-jahre alt Frau starb

In einer Wohnung in diesem Haus in der Teichbreite ereignete sich die Bluttat. Eine 45-jahre alt Frau starb

Foto: Lars Landmann / regios24

Bei einer Messerattacke Pfingstmontag in einer Wohnung in der Wolfsburger Nordstadt wurde eine 45-jährige Mutter so schwer verletzt, dass sie kurz danach starb. Am Tatort wurde ihr Lebensgefährte (47) verhaftet. Aufgrund von Aussagen, die der Beschuldigte nach der Tat gemacht haben soll, geht die Staatsanwaltschaft von einer besonders verachtenswerten Tat aus. Sie hat Mordanklage erhoben. Der Prozess vor dem Schwurgericht am Landgericht Braunschweig ist noch nicht terminiert.

Ein besonderer Umstand in diesem Fall ist der, dass Zeugin der Bluttat die gemeinsame, zehn Jahre alte Tochter wurde. Das Mädchen soll noch versuchten haben, ihren Vater von weiteren Messerstichen auf ihre Mutter abzuhalten, als die längst am Boden lag. Dabei soll der Angeklagte das Kind zur Seite geschubst und es leicht verletzt haben.

Ums Wohl des Kindes kümmerte sich nach der Tat das Jugendamt der Stadt Wolfsburg. Laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Christian Wolters, wurde in Absprache mit dem für das Kind zuständigen Verfahrenspfleger darauf verzichtet, im Ermittlungsverfahren das Mädchen als Zeugin zu vernehmen.

Der Angeklagter ist Ukrainer, die Familie der Getöteten stammt aus Kasachstan. Die Frau habe sich vom 47-Jährigen scheiden lassen wollen. Der Angeklagte habe am Tattag aus der gemeinsamen Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses in der Teichbreite seine Sachen abholen wollen, sein Plan sei gewesen, in die Heimat zurückzureisen.

In der Küche habe sich zwischen beiden ein Streit entwickelt. Dabei soll der Angeklagte ein circa 25 Zentimeter langes Messer gegriffen und das erste Mal auf die Frau eingestochen haben, die wohl noch versuchte zu flüchten. Das Geschehen habe sich danach in den Flur und weiter ins Treppenhaus verlagert.

Dort sei es zu den schwersten Verletzungen gekommen, berichtet Wolters aus der Anklage. So lag die Frau auf dem Boden, der Anklagte habe neben ihr gekniet, mit einem Arm festgehalten und mit dem Messer in der anderen Hand mehrfach wuchtig zugestochen haben. Nachbar sollen Zeugen geworden sein. Als das Kind eingegriffen habe und sich der mutmaßlicher Angreifer abwandte, soll die Frau versucht haben, sich zur Treppe zu schleppen. Der Angeklagte habe sie sich wieder gegriffen, dabei sei die Frau die Treppe eine Etage heruntergestürzt.

Wohl in der Annahme, dass die Frau nicht mehr lange zu leben habe, sei der 47-Jährige in die Wohnung zurückgekehrt. Laut Polizei ließ er sich dort widerstandslos festnehmen. Er soll gesagt haben, weil die Frau sich von ihm trennen wollte, habe er sich von ihr verraten gefühlt und deshalb töten wollen, berichtet Wolters. „Aus unserer Sicht liegt damit das Mordmerkmal der niederen Beweggründe vor.“

Der Angeklagte hatte zur Tatzeit zwar Alkohol konsumiert, aber einen relativ geringen Promillewert von 0,65. Auch eine psychische Erkrankung soll nicht vorliegen. „Wir gehen von voller Schuldfähigkeit aus“, sagt Wolters. Das Opfer erlitt unter anderem eine Stichwunde im Herz, Verletzungen im Gesicht und an den Armen. Der Blutverlust war so hoch, dass die Frau zwei Tage später an Multiorganversagen starb.

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