Bluttat Vorsfelde – Internationale Fahndung nach Todesschützen

Wolfsburg.  Die Polizei Wolfsburg fahndet nach den beiden Albanern Orgest Kurteshi und Eglis Veraj. Wer hat sie am Tattag oder davor gesehen?

Der Tatort in der Meinstraße 59. Deutlich zu erkennen sind die Einschusslächer.

Der Tatort in der Meinstraße 59. Deutlich zu erkennen sind die Einschusslächer.

Foto: Hendrik Rasehorn

Zwei Monate nach der Schießerei von Vorsfelde wird nun öffentlich nach zwei Tatverdächtigen gefahndet. Die Ermittler der Mordkommission „Tattoo“ sind sich sicher, dass die albanischen Staatsangehörigen Orgest Kurteshi (30) und Eglis Veraj (25) hinter der blutigen Tat vom 13. August stecken. An dem Abend sollen sie auf zwei Landsleute geschossen haben. Ein 20-Jähriger verstarb, ein 31-Jähriger wurde schwer verletzt. Der mögliche Hintergrund des Falls könnten Auseinandersetzungen zwischen Drogenbanden sein.

Der Erste Staatsanwalt Hans Christian Wolters erklärte gegenüber unserer Redaktion, dass auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein Richter für die zwei Tatverdächtigen zuvor bereits europäische Haftbefehle erlassen hatte. Nun wurde auch die Öffentlichkeitsfahndung genehmigte – mit Fotos und Klarnamen der mutmaßlichen Täter. „Die Ermittlungen sind im Wesentlichen abgeschlossen, aber sie führten bislang noch nicht zur Verhaftung der beiden Tatverdächtigen. Auch Zielfahnder waren im Einsatz. Deshalb haben wir die Öffentlichkeitsfahndung beantragt.“

Die Ermittler halten es nicht nur ausgeschlossen, dass sich Kurteshi und Veraj bereits in den Tagen vor der Schießerei in Vorsfelde beziehungsweise in Wolfsburg aufgehalten haben. Für die Mordkommission ist es deshalb von großem Interesse, ob Zeugen die Männer gesehen haben. Wie gefährlich sind sie? „Beide waren in Deutschland noch nicht vorbestraft, sie waren den Ermittlungsbehörden jedoch bekannt“, erklärt Wolters. Und weiter: „Es gibt keine Hinweise, dass sie als besonders gefährlich gelten müssen. Allerdings: Wer eine Schusswaffe benutzt und wegen eines Tötungsdeliktes gesucht wird, kann die durchaus erneut einsetzen. Eine gewisse Gefahr ist somit nicht auszuschließen.“ Einen Zusammenhang des Falls zur organisierten Rauschgift-Kriminalität schloss er nicht aus: „Wir prüfen Bezüge zur Betäubungsmittel-Straftaten, können derzeit aber

noch nicht abschließend beurteilen, was der genaue Hintergrund und die Motivation der Tat ist.“

Die Ermittlungen der Polizei sind im Wesentlichen abgeschlossen. Der Tatort ist eine Hochparterre-Wohnung in der Meinstraße 59, das ehemalige Restaurant „Mamma Rosa“. Am 13. August gegen 22 Uhr hielten sich dort die beiden Opfer auf, außerdem weitere Personen, die mehr oder weniger Zeugen der Schießerei wurden. Der 20-Jährige ließ sich zum Zeitpunkt der Schießerei tätowieren, daher gab sich die Mordkommission den Namen „Tattoo“ (wir berichteten exklusiv). Es fielen mehrere Schüsse – allerdings nicht aus einem fahrenden Auto, wie manche Medien fabulierten. Offenbar kam es in der Wohnung oder an der Haustür zu der Konfrontation. Zum Ablauf der Schießerei, wie die sich aus Sicht der Ermittler darstellt, machte Wolters keine Angaben. Während die Täter mit einem Mercedes C 160 Coupe flüchteten, was auch Gäste im angrenzenden griechischen Restaurant mitbekamen, schleppte sich der 20-Jährige noch aus der Wohnung und brach 60 Meter weiter die Straße hoch zusammen. Eine meterlange dicke Blutspur war noch am Tag nach der Tat auf dem Bürgersteig zu sehen. Das Fluchtauto wurde im Landkreis Gifhorn aufgefunden. Offenbar stiegen die Tatverdächtigen dort in ein anderes Fahrzeug um.

Darin sowie am Tatort wurden zahlreiche Spuren gesichert, unter anderem Projektile. „Bis alle Spuren abgearbeitet sind, wird es noch einige Monate

dauern“, so Staatsanwalt Wolters.

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