Schießerei in Vorsfelde – Zielfahnder suchen Tatverdächtige

Vorsfelde.  In Vorsfelde eskalierte im Sommer ein Streit zwischen albanischen Drogendealern. Polizeichef Olaf Gösmann berichtet über die Ermittlungen.

Grabkerzen und Blumen wurden am Tag nach der blutigen Tat an der Meinstraße aufgestellt.

Grabkerzen und Blumen wurden am Tag nach der blutigen Tat an der Meinstraße aufgestellt.

Foto: Hendrik Rasehorn

Schüsse peitschten durch die Nacht, ein Mann (20) wurde tödlich, ein zweiter (31) lebensgefährlich verletzt. Die Schießerei von Vorsfelde am 13. August ist ein Fall von Schwerstkriminalität, den weder Wolfsburg und schon gar nicht Vorsfelde jemals zuvor erlebt haben. Wolfsburgs Polizeichef Olaf Gösmann äußerte sich im Rahmen des Jahresrückblicks aufs Einsatzgeschehen 2019 zu den Ermittlungen, die in Wolfsburg und in Braunschweig geführt werden.

Herr Gösmann, einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahrzehnte, in dem die Polizei Wolfsburg ermittelt, war im August die Schießerei in Vorsfelde. Wie haben Sie diesen Einsatz erlebt?

Das war schon ein besonderer Tag, dieser 13. August. Tagsüber demonstrierten in Wolfsburg die Klimaaktivisten, seilten sich von der Brücke über dem Mittellandkanal ab und blockierten auf den Eisenbahngleisen beim VW-Werk stundenlang einen Zug mit Neuwagen. Große Teile der Inspektion waren vormittags in den Einsatz eingebunden, darunter der Zentrale Kriminaldienst, weil wir die Aktivisten, die Straftaten begangen hatten, zur Wache zuführen und dort identifizieren mussten. Das ist bei dieser Klientel ja auch nicht so einfach. Die Kollegen, die abends im Dienst waren, waren noch mit der Aufarbeitung dieses Einsatzes beschäftigt. Ich war längst zu Hause, als mich gegen 23 Uhr unser Leiter des 1. Fachkommissariats anrief und mitteilte, wir haben nun noch ein Tötungsdelikt in Vorsfelde. An diesem Abend konnten wir den Tatort mit eigenen Kräften gar nicht mehr aufnehmen, sondern haben die Polizei Braunschweig gebeten, das zu tun. Am nächsten Morgen wurde dann die Mordkommission Tattoo organisiert.

Ganz Vorsfelde war nach der Tat in Aufregung, auch weil manche Medien das Gerücht verbreiteten, die Täter hätten aus dem fahrenden Auto heraus auf ihre Opfer auf der Straße geschossen.

Mir ist es ganz wichtig festzustellen: Natürlich hat die Schießerei in der Bevölkerung, insbesondere in Vorsfelde, heftige Reaktionen ausgelöst. Das ist ja auch nachvollziehbar. Aber das Ergebnis unserer Ermittlungen lautet: Es hat zu keiner Zeit eine besondere Gefährdung der Öffentlichkeit gegeben, zum Beispiel durch einen unkontrollierten Bandenkrieg. Diese Schießerei war eine Beziehungstat, die Täter suchten ganz gezielt die Konfrontation mit ihren Opfern. Die Bevölkerung war nicht gefährdet.

War dies aus Ihrer Sicht ein Fall organisierter Kriminalität?

Ich glaube nicht, dass die Schießerei dieses Gewicht hat. Hintergründig könnte es um Betäubungsmittelkriminalität gehen.

Eine Schießerei – Drogen – ein Tote – was mehr müsste noch erfüllt sein, um von organisierter Kriminalität zu sprechen?

In der organisierten Kriminalität werden schwere Straftaten über Dauer arbeitsteilig begangen. Derartige Verbrechen sind auch mit einer Gesellschaftsrelevanz verbunden. Ich weiß nicht, ob dies der Hintergrund der Schießerei war. Dazu laufen jedenfalls noch Ermittlungen.

Aber dieser Fall ist für Wolfsburger Verhältnisse doch schon ein außergewöhnlicher Fall von Schwerkriminalität?

Ja, ganz klar, aber er hat sich eben auch in dieser Szene abspielt und entfaltete für die Bevölkerung keine wesentliche Außenwirkung.

Bei den Tatverdächtigen Orgest Kurteshi und Eglis Veraj handelt es sich wie bei den Opfern um Albaner. Was machten die alle ausgerechnet in Vorsfelde?

Ich kann nur so viel sagen, dass sich Täter und Opfer vor der Tat in Wolfsburg aufgehalten haben, alle vier. Das wissen wir. Mehr kann ich derzeit nicht sagen. Die Ermittlungen zu den Hintergründen das Falls liegen nicht mehr bei der Polizei Wolfsburg, sondern wurden von der Zentralen Kriminalinspektion übernommen ...

… eine Spezialdienststelle, die Organisierte Kriminalität und Bandenkriminalität im gesamten Bereich der Polizeidirektion Braunschweig bekämpft ...

Die Rahmenermittlungen werden also nun von Braunschweig aus geführt. Unsere Mordkommission Tattoo wurde Anfang Dezember aufgelöst. Das Ermittlungsergebnis steht schließlich fest: Wir kennen die Täter, beide sind flüchtig und werden nun mit internationalem Haftbefehl gesucht, Zielfahndungsmaßnahmen laufen. Ich bin mir sicher, dass die irgendwann erfolgreich sind.

Hier geht’s zum Jahresrückblick 2019 für Wolfsburg.

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