Wolfsburger Gemeinsam-Preisträgerin bis heute engagiert

Wolfsburg.  700 Gäste waren im vorigen Jahr Zeugen, als Inge Grasenick den Gemeinsam-Preis unserer Zeitung überreicht bekam. Bis heute ist sie überwältigt.

Inge Grasenick hat im vergangenen Jahr den Gemeinsam-Preis unserer Zeitung gewonnen.  

Inge Grasenick hat im vergangenen Jahr den Gemeinsam-Preis unserer Zeitung gewonnen.  

Foto: Katharina Keller

Die Skulptur aus indischem Sandstein mit den zwei Bronzefiguren erinnert sie an die Gala im Braunschweiger Dom. „Ich schaue sie so gerne an. Sie steht bei mir im Wohnzimmer“, freut sich Inge Grasenick, die im vergangenen Jahr den Gemeinsam-Preis unserer Zeitung gewann: Für ihr Engagement im Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Jugendlicher in Wolfsburg. Immer noch sei sie ganz überwältigt: 700 Gäste waren Zeuge, wie Grasenick gemeinsam mit dem Peiner Niclas Lampe geehrt wurde. Auch Ministerpräsident Stephan Weil gratulierte. „Dieser Preis gab und gibt mir Kraft“, erklärt die Wolfsburgerin, die einige Schicksalsschläge einstecken musste. Und trotzdem engagiert sie sich seit vielen Jahrzehnten in jenem Elternkreis, den sie leitet. Schließlich ist sie betroffen: Ihr Sohn war selbst drogenabhängig. Er lebt nicht mehr.

„Was für eine Kraft, was für eine Energie“, hatte Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer an jenem Juni-Abend im Dom geschwärmt. Er hatte die Laudatio gehalten und der Wolfsburgerin für ihr „großes Ohr, ein weites Herz und viel guten Rat“ gedankt. Auf dem Weg von ihrem Platz zur Preisübergabe habe sie richtig gezittert, hatte sie nach der Gala erzählt. Doch Thomas Hofer habe sie etwas beruhigen können.

Grasenick war co-abhängig. Aus heutiger Sicht ist das das große Problem gewesen. Denn sie gab ihrem Sohn Geld. Mittlerweile weiß sie, dass sie ihm so nicht geholfen hat. Es war der falsche Ansatz. Nun also gibt sie betroffenen Müttern und Vätern Ratschläge. Die Treffen finden an jedem ersten Mittwoch im Monat statt. Ganz anonym wird alles behandelt. „Natürlich tun sich die Eltern schwer, sich zu öffnen“, zeigt Grasenick Verständnis. Scham und Selbstzweifel spielen dabei eine Rolle. Doch die Gespräche helfen. Die Ratschläge. Die Erfahrungen, über die die Eltern sprechen können. Seit mehr als 30 Jahren kümmert sich die Wolfsburgerin. Dabei ist eben jeder erste Mittwoch im Monat fest geblockt – ganz egal, ob es Einladungen zu Geburtstagen sind. Diese Feierlichkeiten müssen ausfallen. Der Elternkreis ist ihr sehr wichtig.

Die Wolfsburgerin selbst zweifelte lange, Fragen quälten sie: Warum mein Sohn? Was habe ich falsch gemacht? Ein fester Kreis nimmt stets an den Treffen teil. Immer weniger neue Eltern kommen aber nach Angaben der Wolfsburgerin hinzu. „Viele informieren sich vielleicht schon über das Internet“, vermutet die Wolfsburgerin, die von dem Preisgeld erst kürzlich ihre Helfergruppe einlud. Unter anderem das Weihnachtsessen bezahlte Grasenick davon. Insgesamt sollte das Geld dazu dienen, die Kosten des anonymen Elternkreises zu decken.

Den Gemeinsam-Preis wird Grasenick in diesem Jahr besonders gut verfolgen. „Ich bin schon gespannt, welche Nominierten es in diesem Jahr gibt – und wer dann gewinnt“, berichtet die Wolfsburgerin.

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