Ungewöhnliche Lieder in besonderer Besetzung in Wolfsburg

Wolfsburg.  Im Congress-Park geben Orchester und Chor aus Tel Aviv ein Konzert am Holocaust-Gedenktag.

Ein Konzert zweier Ensembles der Israeli National Arts High School „Thelma Yellin“ erlebten die Zuschauer im Congress-Park.

Ein Konzert zweier Ensembles der Israeli National Arts High School „Thelma Yellin“ erlebten die Zuschauer im Congress-Park.

Foto: Helge Landmann / regios24

Dass ein Komponist im 21. Jahrhundert selbst die Gitarre spielt, ist allein ein seltenes Ereignis; stammen doch die überwiegend aufgeführten, vor allem klassischen Werke aus früheren Epochen. Von einer solchen Ära erzählt die Kammer-Kantate „Ea judios ...“ von Ruben Seroussi: der Vertreibung der Sefarden, der Juden Spaniens vor 500 Jahren. Und Seroussi, Jahrgang 1959, nahm an der Aufführung am Dienstagnachmittag im großen Saal des bis in die Ränge hinauf besetzten Congress-Parks teil.

Ungewöhnlich war die instrumentale Besetzung mit Perkussion, Cembalo, Gitarre und Streichquartett, zudem der 40-köpfige Chor unter der Leitung von Yisha Steckler. Dieses Zusammenwirken von Chor und kleinem Ensemble erlaubte außergewöhnliche Klänge. Da übernahmen die weiblichen Stimmen Klage, die Männerstimmen den Widerhall; setzten die Streicher ein, verstärkt durch die Perkussionistin, spielte Seroussi ein Solo – und erhielt dafür Sonderapplaus. Sehr leise klang die Kantata aus: In den verhallenden Gesang des Chores mischte sich leise eine Geigerin, ergänzt durch sanfte Rhythmen der Perkussionistin.

„Los Juden, packt eure Sachen“, beginnt diese Kantate und war so kennzeichnend für das Wolfsburger Konzert anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages, das die Stadt Wolfsburg und die Volkswagen AG in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen sowie der Jüdischen Orthodoxen Gemeinde Wolfsburg gab. Und die Israeli National Arts High School „Thelma Yellin“ aus Tel Aviv spielte ein sorgfältig ausgesuchtes Programm – musikalisch wie politisch.

Mit dem „Opferlied“ von Ludwig van Beethovens, Op. 121b, in der zweiten Version eröffneten Chor, Solisten und Ensemble das mit Pause 2,5 Stunden dauernde Konzert. Es war eine Reminiszenz ans demokratische Deutschland, einem selten aufgeführten Werk des Komponisten, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr weltweit gefeiert wird. Mit Gustav Mahlers „Totenfeier“ (1888) interpretierte das Sinfonieorchester das Werk eines deutschen Komponisten jüdischer Herkunft: ein symphonisches Gedicht, leidenschaftlich und aufregend.

Das von Yehezekel Braun vertonte „Hohelied“ der Bibel sang der gemischte Chor a cappella gefühlvoll auf Hebräisch. „Der Weizen soll wieder wachsen“ von zeitgenössischen Dorit Zameret und Haim Barkani führte in die Gegenwart.

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