Wird die Porschehütte in Wolfsburg ein Erinnerungsort?

Wolfsburg.  Die Holzhütte am Klieversberg wurde saniert. Über eine künftige Nutzung hat VW noch nicht entschieden.

Die Porschehütte am Klieversberg wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert.

Die Porschehütte am Klieversberg wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert.

Foto: Privat

Es ist ein Kleinod, eingebettet in eine wunderschöne Landschaft: die Porschehütte am Klieversberg. Seit mittlerweile acht Jahren steht das historische Gebäude leer. Der Verfall und Holzwurm-Befall konnte in den vergangenen Jahren gestoppt werden. Die über 80 Jahre alte Holzhütte, in der einst Ferdinand Porsche, Großvater von Ferdinand Piëch, zeitweise lebte, ist wieder ordentlich in Schuss.

Fassade überprüft und gepflegt

„Im vergangenen Jahr wurde unter Beachtung des Denkmalschutzes eine notwendige Fassadensanierung am Gebäude vorgenommen“, teilt Tobias Fruh, Pressesprecher von VW Immobilien auf Anfrage mit. Das Unternehmen verwaltet für Volkswagen die Porschehütte. „Im Juli diesen Jahres erfolgte eine Überprüfung der Fassadenflächen, da die verwendeten Leinölfarben einer regelmäßigen Pflege bedürfen“, so Fruh weiter. Der Bauzaun auf der zum Weg zugewandten Seite des Grundstücks ist mittlerweile abgebaut. Der Zaun auf den restlichen drei Seiten steht hingegen noch. Das Grundstück samt Hütte wird mit Videokameras überwacht.

Idee: Ein neues Café Mückenstich

Doch wie geht es mit dem Gebäude weiter? Seit 2012 das Künstlerpaar Zimbelmann in die neue, direkt nebenan errichtete Porschehütte zog und dort Künstlern Ausstellungsmöglichkeiten bietet, wird die aus der Zeit der Stadtgründung stammende Holzhütte nicht mehr genutzt. „Das ist sehr schade“, sagt Ratsherr Velten Huhnholz (PUG), der auch Mitglied im Ortsrat Mitte-West ist. Der Maurermeister zeigt sich erfreut über die Erhaltungsmaßnahmen der Porschehütte. „Sie fügt sich perfekt in die Wald- und Wiesenlandschaft am Klieversberg mit Tiergehege, Streuobstwiese und Aussichtspunkt am Mahnmal ein.“ Huhnholz’ Wunsch: „Vielleicht entsteht dort ein neues, kleines Café Mückenstich.“

Das legendäre Waldlokal war 1970 bis auf die Grundmauern niedergebrannt. „Fundamentreste sind dort heute noch zu finden“, sagt Huhnholz. Bereits vor einigen Jahren hatte der Ortsrat Mitte-West in einem gemeinsamen Antrag die Stadt aufgefordert zu prüfen, ob ein Café-Neubau am Klieversberg möglich ist. „Es sind dort sehr viele Spaziergänger, Wanderer und Sportler unterwegs“, weiß Huhnholz, „das könnte sich doch lohnen und wäre ein tolles Angebot.“

Ortsbürgermeister wünscht sich offene Porschehütte

Ortsbügermeister Matthias Presia (SPD) hofft, dass die Porschehütte eines Tages für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. „Wir haben ja nur wenige Gebäude, die aus der Stadt des KdF-Wagens stammen und einen Bezug zu Volkswagen haben.“ Presia könnte sich gut einen Lern- und Gedenkort vorstellen, der sich mit der Rolle von VW und Porsche in den Kriegsjahren befasst. Das wiederum würde gut mit dem geplanten Gedenk- und Lernort am Laagberg korrespondieren, wo Reste eines KZ-Außenlagers gefunden wurden. „Man könnte eine Geschichtsreise für Schulen und Interessierte anbieten“, schlägt Presia vor.

QR-Code für Interessierte anbringen

Der stellvertretende Ortsbügermeister Wilfried Andacht (CDU) vermisst einen Hinweis, um welch historisch bedeutendes Gebäude es sich an der Stelle handelt. „Man könnte doch einen QR-Code anbringen“, schlägt Andacht vor. Wer diesen Code mit dem Smartphone einscannt, bekäme die wichtigsten Daten und Fakten zur Porschehütte geliefert. Der Vorsitzende des Kulturausschusses plädiert ebenfalls für einen Erinnerungsort, an dem die VW- und Porschegeschichte aufgearbeitet und so vor allem auch jungen Menschen zugänglich gemacht wird. „Der Name Porsche wird bis heute mit großer Bewunderung, aber auch mit großer Schuld verbunden“, meint Andacht.

Zum Thema künftige Nutzung teilte VW Immobilien lediglich mit: „Eine finale Entscheidung wurde noch nicht getroffen.“

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