Verfolgungsjagd nach Wolfsburg mit Tempo 200

Wolfsburg.  Das Gericht verurteilt einen 27-jährigen Mann zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Als die Beamten den Wagen stoppen wollten, gab der Fahrer Gas. (Symbolfoto)

Als die Beamten den Wagen stoppen wollten, gab der Fahrer Gas. (Symbolfoto)

Foto: Soeren Stache / ZB

„Was da passiert ist, sprengt jede Dimension.“ Mit diesen Worten beschrieb ein 27-jähriger Polizeibeamter eine wilde Verfolgungsjagd, die sich ein 27-Jähriger mit der Polizei lieferte. Nun musste er sich deswegen vor dem Schöffengericht verantworten.

Der 27-Jährige wollte ein in Dortmund gestohlenes Auto nach Polen bringen

Im Juli dieses Jahres sollte der Angeklagte ein in Dortmund gestohlenes Auto nach Polen bringen. Ein Mann habe ihm diesen Auftrag erteilt. Da er ein großes Drogenproblem hat, durch das er nicht nur seine Arbeit, sondern auch seine Familie verlor, nahm er das Geld, das ihm dafür geboten wurde.

Auf der A 2 in Höhe der Anschlussstelle Braunschweig-Ost fiel einer Streife der Wagen auf. „Mir ist aufgefallen, dass das Siegel des Kennzeichens Fälschungsmerkmale aufweist“, berichtete der 27-jährige Polizist. Als die Beamten den Wagen stoppen wollten, gab der Fahrer jedoch Gas und ignorierte sämtliche Aufforderungen der Beamten. Mit Geschwindigkeiten von 180 bis 200 Stundenkilometern jagte der Angeklagte über die Autobahn. „Es ging Zickzack durch den Verkehr – mit 200 Stundenkilometern über den Standstreifen, je nachdem, wo gerade Platz war“, beschrieb der Polizist die Fahrt.

Mit 130 bis 140 Stundenkilometern sei der Angeklagte durch die Stadt gefahren

Anschließend fuhr der Angeklagte mit unverminderter Geschwindigkeit über die A 39 und dann über die Braunschweiger Straße Richtung Innenstadt. Auf Höhe des Theaters „beginnt der Teil, den wir bis dahin noch nicht erlebt haben“, schilderte der Polizist. Dort fuhr der 27-Jährige in den Gegenverkehr, weiterhin verfolgt von der Polizei. Der Beamte beschrieb, dass er und sein Kollege die Verfolgung im Gegenverkehr hauptsächlich darum fortgesetzt haben, um mit ihrem Blaulicht-Wagen die übrigen Verkehrsteilnehmer zu warnen. „Uns war klar, dass er auch an der nächsten roten Ampel nicht halten würde“, so der Polizist.

Quer durch die Innenstadt setzte der 27-Jährige seine Fahrt fort, ohne auf rote Ampeln oder sonst etwas Rücksicht zu nehmen. Mit 130 bis 140 Stundenkilometern sei der Angeklagte durch die Stadt gefahren, sagte der Polizist. Auch durch die Fußgängerzone fuhr der Mann. Passanten hätten schon dicht an den Schaufensterscheiben der Geschäfte gestanden, damit ihnen nichts passiert, berichtete der 27-Jährige.

Der Mann rast in ein Polizeifahrzeug und fährt weiter

Als die Beamten den Angeklagten stoppen wollten und im Gewerbegebiet eine Straßensperre aufbauten, raste der 27-Jährige in das Polizeifahrzeug und fuhr weiter. Schließlich sprang der Angeklagte irgendwann aus seinem Auto, die Beamten verfolgten ihn zu Fuß. Erst drei Polizisten gelang es gemeinschaftlich, dem Mann Handfesseln anzulegen. Massiv widersetzte er sich den Maßnahmen. Seit Juli sitzt er nun in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl bleibt auch weiterhin bestehen.

Das Schöffengericht verurteilte ihn unter anderem wegen Hehlerei, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, verbotenem KFZ-Rennens, tätlichen Angriffs auf und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

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