Auf der Flucht – Wolfsburger türmt aus Maßregelvollzug

Wolfsburg.  Er nutzte einen Hofgang, um abzuhauen. Die Polizei Wolfsburg hat den Fall übernommen. Immer wieder flüchten Patienten aus der Klinik.

Der Wolfsburger war aufgrund eines Gerichtsbeschlusses in Moringen. Nach seinem Ausbruch läuft nun die Fahndung.

Der Wolfsburger war aufgrund eines Gerichtsbeschlusses in Moringen. Nach seinem Ausbruch läuft nun die Fahndung.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Nach dem Ausbruch eines Patienten aus dem Maßregelvollzugszentrum Moringen (bei Göttingen) am Sonntag wurde Dienstag bekannt, dass es sich beim Gesuchten um einen Wolfsburger handelt. „Unsere Dienststelle hat die Ermittlungen übernommen. Die Fahndung läuft“, bestätigte Polizeisprecher Sven-Marco Claus auf Nachfrage unserer Zeitung eine Meldung der dpa.

In Moringen werden gerichtlich eingewiesene, psychisch kranke Personen behandelt. Der Wolfsburger während eines Hofgangs aus dem umzäunten Sicherheitsbereich entkommen. Das für Moringen zuständige Niedersächsische Sozialministerium hat erklärt, dass der Flüchtige wegen mehrfachen Betrugs-, Eigentums- und Gewaltdelikten sowie wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz straffällig geworden ist. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Person in diesen Bereichen erneut straffällig werden kann“, so das Ministerium. Weitere Details zum Flüchtigen wurden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt, ebenso wie zu den Umständen der Flucht.

In Moringen sollen Patienten keine Strafe absitzen, sondern therapiert werden

In Niedersachsen gibt es drei Einrichtungen des Maßregelvollzugs, wobei Moringen mit 408 Betten die größte forensische Klinik ist. Es handelt sich nicht um Gefängnisse, wenn gleich die Anstalt hoch gesichert ist. Sie verfolgen das Ziel, die Patienten wieder in die Gesellschaft einzugliedern. In den Einrichtungen wird über verschiedene Therapieformen versucht, die Patienten zu stabilisieren, damit ihre Gefährlichkeit abnimmt.

Zahlreiche Ausbrüche allein in diesem Jahr

Der jüngste Ausbruch aus Moringen reiht sich ein in eine Kette Negativschlagzeilen: Im Januar flüchtete ein 42-Jähriger während eines Arztbesuches. Er wurde einige Stunden später an der der A7 aufgegriffen. Ende Februar entkam eine 21-Jährige Frau übers Dach. Zwei Wochen später wurde sie festgenommen. Anfang August flüchtete sie erneut durch ein Fenster. Sie leidet unter eine Psychose war in Moringen, weil sie sich für Vampir hielt und ihre Mutter mit einem Schwert getötet hatte. Se wurde wieder verhaftet. Im Juni flüchtete ein 57-jähriger Patient bei einem genehmigten Freigang. Er wurde am nächsten Tag festgenommen.

Seit zweieinhalb Monaten wird nach Franco H. aus Lehre gefahndet

Im September flüchtete Franco H.. Der 43-Jährige wohnte zuletzt in Lehre und war wegen räuberischer Erpressung verurteilt worden. Er hatte in Moringen Lockerungen erhalten, durfte aber einen bestimmten Bereich nicht verlassen. Diese Residenzpflicht schreckte ihn nicht. Nachdem die Fahndung der Polizei nicht zum Ziel führte, ging das Landeskriminalamt im Oktober an die Öffentlichkeit mit Fahndungsaufruf und Foto von Franco H.. Der Behörde warnt: „Nicht an die Person herantreten!“

Anfang Dezember 2019 waren insgesamt sechs Patienten auf der Flucht, berichtete die Bild-Zeitung. Zwei von ihnen Männer verschwanden bereits 2017 und 2018 und waren seitdem abgetaucht. Ein weitere, der seit 2007 auf der Flucht war, hatte sich vermutlich ins Ausland abgesetzt. Im September leitete das zuständige Sozialministerium dienstrechtliche Maßnahmen gegen Beschäftigte des Maßregelvollzugs ein. Gegen sie wird Verdachts der Bestechlichkeit und Urkundenfälschung.

Maßregelvollzug hat zu wenig Betten

In Niedersachsen warteten Anfang Oktober 101 suchtkranke Täter auf einen Platz im Maßregelvollzug. Bei einer Debatte im Landtag musste Sozialministerin Carola Reimann (SPD) Nachbesserungsbedarf eingestehen. Die FDP wollte von der Landesregierung wissen, ob verurteilte Straftäter in ihrer Wartezeit auf den Vollzugsplatz seit dem Stichtag 1. Januar 2020 weitere Taten begangen hätten. Justizministerin Barbara Havliza (CDU) antwortete: „Nach den mir vorliegenden Berichten ist es insgesamt zur Einleitung von 391 Ermittlungsverfahren gegen 58 der angefragten 101 Selbststeller gekommen.“

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