Ausschuss gibt grünes Licht für neues Schulzentrum in Westhagen

Wolfsburg.  Zunächst werden vier Millionen Euro Planungsmittel bereitgestellt. Offen sind noch die Gesamtkosten und die Art der Finanzierung.

Das Schulzentrum in Westhagen ist stark sanierungsbedürftig. Die Stadt plant einen Neubau.

Das Schulzentrum in Westhagen ist stark sanierungsbedürftig. Die Stadt plant einen Neubau.

Foto: Darius Simka / Regios24

Die nächste Hürde beim geplanten Neubau des Schulzentrums Westhagen mit Oberschule und Albert-Schweitzer Gymnasium ist genommen. Der Schulausschuss stimmte am Dienstag mehrheitlich der Vorlage der Verwaltung zu, die Planungen für das Freizeit- und Bildungszentrum weiter voranzutreiben. Lediglich die PUG-Vertreter Jens Tönskötter und Sandra Straube enthielten sich der Abstimmung.

Vier Millionen Euro werden allein für Planungsmittel veranschlagt, der Bau wird einen hohen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen. Tönskötter sprach angesichts der defizitären städtischen Haushaltslage von einer „wundersamen Vermehrung finanzieller Mittel. Uns erschließt sich nicht, woher wir das Geld nehmen wollen.“

Dezernentin Iris Bothe kündigte an, in einer Sondersitzung des Schulausschusses Ende März ein Gutachten von Professorin Tanja Kessel von der TU Braunschweig vorzustellen, das die Verwaltung kurz vor Weihnachten erhalten habe. Zwei Finanzierungsmodelle stehen zur Auswahl. Entweder übernimmt die Stadt die Finanzierung in Eigenregie. Oder – das wäre eine Premiere für Wolfsburg – die Stadt greift auf das Verfahren der öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) zurück. Hierbei arbeiten öffentliche Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft zusammen. „Wir machen den zweiten vor dem ersten Schritt“, kritisierte Tönskötter. „Wir sollten erst die Finanzierung klären.“

Stadt will mit Vorarbeiten beginnen

Dr. Christian Brinsa, Geschäftsbereichsleiter Hochbau, machte deutlich, dass in der Leistungsphase 1 bereits wichtige Vorarbeiten erledigt werden müssen. Diese seien unabhängig von der Finanzierung. So müsse geprüft werden, welche Gebäude des Schulzentrums weiter zu nutzen seien und welche nicht, die Bodenbeschaffenheit müsse untersucht und Fragen des Umwelt- und Naturschutzes müssten geklärt werden. Zudem gehe es um die Infrastrukturanbindung. „Das alte Gebäude wird noch eine Zeit lang in Betrieb sein, bevor das neue fertig ist“, sagte Brinsa.

CDU will lieber kleiner bauen

Marco Meiners (FDP) freute sich über die Vorlage zum Schulzentrum und kritisierte, dass in den vergangenen zwei Jahren „nichts passiert“ sei. „Ich kann nicht nachvollziehen, wenn jemand dagegen ist, dass es endlich losgeht“, sagte Meiners. Christine Fischer (CDU) sprach sich gegen einen zu großzügigen Neubau aus. Sie glaube nicht, dass das Albert-Schweitzer-Gymnasium vierzügig werde.

Die CDU-Fraktion halte es für ratsam, mit einer Dreizügigkeit zu planen. Gleichzeitig müsse man architektonische Lösungen finden, die es ermöglichen, ohne Schwierigkeiten einen Trakt anzubauen. „So könnte man 10 bis 15 Millionen Euro sparen“, meinte Fischer.

SPD: Wichtige Aufwertung für Westhagen

Kerstin Struth (SPD) betonte, die Aufwertung des Schulstandortes in Westhagen sei von großer Bedeutung für den Stadtteil. Dies sei auch vor dem Hintergrund der geplanten neuen Wohnbebauung in der Dessauer Straße zu begrüßen. Schulausschussvorsitzende Christa Westphal-Schmidt (SPD), die auch stellvertretende Ortsbürgermeisterin Westhagens ist, meint: „Durch die anstehende Sanierung werden die beiden Schulen, die Kindern und Jugendlichen vielfältige Bildungschancen eröffnen, noch attraktiver. Die Wolfsburger Oberschule unterstützt zudem erfolgreich durch die Sprachlernklassen Kinder mit internationalem Hintergrund. Das gilt es weiterhin zu fördern.“

Erheblicher Sanierungsbedarf

Das Schulzentrum Westhagen weist einen erheblichen Sanierungsbedarf auf, wie Schul-Geschäftsbereichsleiter Christoph Andacht erläuterte. So sei das Heizungs- und Lüftungssystem nicht voll funktionsfähig und in Teilen auch nicht mehr instand zu setzen. Zudem müssten Teile der technischen Gebäudeausstattung erneuert werden und dringend in die Sanierung des Brandschutzes investiert werden.

Für die beiden Schulen würden in den nächsten Jahren steigende Schülerzahlen erwartet. An der Wolfsburger Oberschule sei die satzungsgemäße 4,5-Zügigkeit nahezu ausgeschöpft. Das Albert-Schweitzer-Gymnasium führe aktuell den internationalen Bildungsabschluss IB (International Baccalaureate) an der Schule ein. Ab dem 1. August 2023 soll so ein weiteres Angebot für einen lückenlos zweisprachigen Bildungsweg vom Kindergarten bis zum Abitur geboten werden.

Zustimmung für Wohltberg- und Käferschule

Der Schulausschuss beschäftigte sich außerdem mit der Zukunft der Grundschule Wohltberg in der Danziger Straße. An dieser soll ab dem 1. August 2021 ein teilgebundenes Ganztagsangebot eingeführt werden. Außerdem soll es eine befristete Ausnahmegenehmigung geben, dass die Zwei-Zügigkeit an der Grundschule im Schuljahr 2021/22 im ersten Jahrgang um eine Klasse überschritten werden kann. Langfristig wird laut Verwaltung eine Dreizügigkeit an der Schule angestrebt. „Die Schule hat eine sehr erfreuliche Entwicklung genommen“, sagte Ausschussvorsitzende Westphal-Schmidt. Vor einigen Jahren wurde noch über eine Schließung des Standorts diskutiert.

Dem Verwaltungsvorschlag zur Wohltbergschule stimmte der Ausschuss ebenso einstimmig zu wie dem geplanten Anbau für die Käferschule am Standort Reislingen. Der Bau soll Mitte des Jahres beginnen. Nach dessen Fertigstellung im dritten Quartal 2022 ist ein weitgehender Umzug der Klassen aus dem Bestand in den Anbau geplant, um die Arbeiten im Bestandsgebäude und den An- und Umbau des Ess- und Küchenbereichs zu ermöglichen. Die Fertigstellung dieses Bauabschnitts ist für Sommer 2023 vorgesehen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 6,3 Millionen Euro.

Die Entscheidungen über die Vorlagen trifft der Rat in seiner Sitzung am 10. Februar.

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