Internationales Storchenpaar brütet bei Hattorf

Hattorf/Heiligendorf.  Es ist die erste nachgewiesene Brut eines tschechischen Weißstorchs im Wolfsburger Raum. Zwei Küken sind jetzt flügge.

Das Baumnest in der Schunteraue, im Hintergrund Heiligendorf.

Das Baumnest in der Schunteraue, im Hintergrund Heiligendorf.

Foto: Georg Fiedler

Eine deutsch-tschechische Storchenliebe hat Früchte getragen: In einem neugebauten Nest in der Schunteraue zwischen Hattorf und Heiligendorf sind zwei Küken aufgewachsen und – als späteste Wolfsburger Jungstörche dieses Jahres – kürzlich flügge geworden.

Die erste nachgewiesene Brut eines tschechischen Weißstorchs im Wolfsburger Raum

Die Herkunft der Neusiedler anhand ihrer Ringe zu ermitteln, war mir wichtig. Den rechts beringten Storch – die Geschlechter ließen sich nicht bestimmen – hatte ich 2018 im 29 Kilometer westlich gelegenen Sophiental als Nestling gekennzeichnet. Bei seinem links beringten Partner konnte ich die Inschrift zunächst nicht vollständig entziffern, weil mir die flügelschlagend um Futter bettelnden Jungen immer wieder die Sicht auf den Ring nahmen. Erst am vierten Beobachtungstag war der Blick frei, als der Storch und sein Partner einen Flutlichtmast des Heiligendorfer Sportplatzes zur Nachtruhe aufsuchten. Neben dem aus zwei Kennbuchstaben, gefolgt von drei Ziffern bestehenden Code war das Kürzel „CZP“ für „Czechia Praha“ lesbar. Somit stammt das Tier aus Tschechien. Es ist die erste nachgewiesene Brut eines tschechischen Weißstorchs im Wolfsburger Raum. Wegen Details zu Alter und Beringungsort wurde bei der Vogelwarte angefragt.

Ungewöhnlicher Brutplatz: in etwa sieben Metern Höhe auf einer abgebrochenen Pappel

Nicht minder ungewöhnlich ist der Brutplatz: in etwa sieben Metern Höhe auf einer abgebrochenen Pappel in dem 2018 teilweise gerodeten Waldstück des Stadtforstes. Der Stumpf steht in Schräglage, scheint aber durch einen starken Ast gestützt zu werden, der sich beim Abknicken senkrecht in den Boden gebohrt hat. Somit wirkt der Standort stabil genug, den Horst auch in Zukunft zu tragen. Die glatte Oberfläche des Holzes, dessen Rinde weitgehend fehlt, hindert auch Waschbären daran, das Storchennest zu erklimmen. Das letzte Baumnest in Wolfsburg bestand von 1994 bis 2001 auf einer Eiche im Ilkerbruch. Allerdings auf einem Wagenrad, während das deutsch-tschechische Storchenpaar auf der Pappel sein Nistmaterial selbstständig, ohne Unterstützung durch den Menschen, im Laufe des April verankerte.

Auf Wolfsburger Seite nisten nunmehr insgesamt vier Storchenpaare

Damit hat sich der Brutbestand in der Schunteraue weiter verdichtet. Auf Wolfsburger Seite nisten nunmehr insgesamt vier Storchenpaare. Die Besiedlung begann 1992 in Heiligendorf, ist jedoch erst ab 2009 kontinuierlich, in diesem Jahr mit drei Jungen. 2017 wurde in der Hattorfer Plantage ein Brutpaar sesshaft, das 2020 ein Junges aufzog. 2019 kam es in Neindorf zu einem spontanen Nestbau auf einem Schornstein. Auf einer in diesem Frühjahr angebotenen Nisthilfe auf dem Dach desselben Hauses brütete ein Paar, verlor aber seine beiden Jungen während eines Unwetters am 13. Juni. Auf Helmstedter Seite dieses Schunter-Abschnittes ist der Weißstorch in Klein Steimke, Glentorf und Flechtorf als Brutvogel heimisch.

Weißstorchbetreue r Georg Fiedler schreibt exklusiv für unsere Zeitung regelmäßig über die Entwicklung der Störche in Wolfsburg und Umgebung.

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