VW-Betriebsratschefin beichtet ihre größte Pleite

Hannover/Wolfsburg.  Im Berufsleben kann und darf auch mal was schiefgehen. Man muss nur offen drüber reden und seine Lehren ziehen. VW-Führungskräfte gehen voran.

Bertina Murkovic berichtete über eine annulierte Betriebsratswahl in Hannover.

Bertina Murkovic berichtete über eine annulierte Betriebsratswahl in Hannover.

Foto: Volkswagen Nutzfahrzeuge/Henning Scheffen

Jeder macht Fehler; wir lernen daraus! Das ist ein Motto der „Fuck.up-Night“ von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Am vergangenen Mittwoch Abend gastierte die Veranstaltung der Hannoveraner im „Mobile Online Dienste“ (MOD)-Projekthaus im angesagten Stadtteil List.

Und auch bei der dritten Auflage mussten die rund 120 Teilnehmerplätze unter den an dem Event Interessierten aus den Reihen der Belegschaft verlost werden. Schließlich ist es dem Organisationsteam aus den unterschiedlichsten VWN-Bereichen erneut gelungen, eine Führungskraft davon zu überzeugen, einen persönlichen Moment der Niederlage, eines Misserfolges darzulegen und zu berichten, welche positiven Schlussfolgerungen sie daraus für ihre weitere Karriere gezogen hat. Nach dem Chef persönlich – Thomas Sedran eröffnete die erste „Fuck.up-Night“ und dem damaligen Fahrzeugbauleiter Joachim Butzlaff, lauschte das Publikum dieses Mal dem Mitglied des Aufsichtsrates der Volkswagen AG und der Nutzfahrzeuge-Betriebsratsvorsitzenden Bertina Murkovic.

Nicht eine Sekunde habe sie gezögert, als sie die Anfrage, an diesem Abend mitzuwirken, erreicht habe, unterstrich Murkovic gleich zu Beginn, für wie wichtig sie dieses Erfolgsformat erachtet. Schließlich könne der begonnene Transformationsprozess nur gelingen, wenn die Belegschaft eingebunden wird. Dazu gehöre neben der demokratischen Mitarbeiterbeteiligung bei Volkswagen auch die Unternehmenskultur insgesamt zu verbessern und an jedes Thema anders heranzugehen, als es noch vor zehn Jahren der Fall war.

Ihre größte persönliche Niederlage habe sie genau am 12. Juni 2013 erlitten. An diesem Tag erklärte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt die Nutzfahrzeuge-Betriebsratswahlen von 2010 aufgrund eines technischen Fehlers bei der Durchführung für komplett unwirksam. Damit waren von einer Minute zu anderen rund 14.000 Mitarbeiter für drei Monate ohne eine funktionierende Vertretung gegenüber der Geschäftsführung.

Für insgesamt 41 Betriebsräte bedeutete das, umgehend und ohne Klarheit über die weitere Zukunft in ihre ursprünglichen Unternehmensbereiche zurückkehren zu müssen. Murkovic kam in den Vertrieb: „Ich wurde quasi in kaltes Wasser geworfen und musste mich sprichwörtlich bewegen, um nicht zu ertrinken.“ Das „Ausprobieren verschiedener Schwimmstile“ führte dabei zwar zur Erweiterung des persönlichen Wissens- und Erfahrungshorizontes, aber gleichzeitig auch zu der Erkenntnis, die alltägliche Vielfalt der Themen bei der Arbeit als Betriebsrätin zu vermissen.

Damit brachte Murkovic ihr größtes persönliches „Fuck.up“ auf folgenden Punkt: „Den Wert einer Aufgabe erkennt man erst, wenn man sie nicht mehr hat!“ Dabei sei es wichtig, die notwendigen Dinge anzupacken, bei Misserfolgen immer wieder aufzustehen und weiterzumachen. Das ginge aber nur, wenn die Kolleginnen und Kollegen sich gut kennlernen, sich austauschen und daraus automatisch eine Netzwerkarbeit entsteht. Murkovic: „Macht Euch gegenseitig stark!“

„Fuck up Night“ ist ein geschützter Begriff, deshalb spricht man im Volkswagen-Konzern lieber von „Try, fail & learn“-Veranstaltungen. 2019 haben Manager der Marken Volkswagen Pkw, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Audi und Škoda insgesamt 84 „Try, fail & learn“-Veranstaltungen an verschiedenen Standorten des Konzerns durchgeführt. Allein 11 davon fanden in Wolfsburg statt.

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