Wählen Sie den Gifhorner oder die Gifhornerin des Jahres!

Gifhorn.  Die Leserinnen und Leser haben die Wahl: Von Mittwoch an bis zum 7. März läuft die Abstimmung für den Ehrenamtspreis Gifhorner des Jahres.

Lesedauer: 12 Minuten
Das sind die Kandidatinnen und Kandidaten für den Gifhorner des Jahres.

Das sind die Kandidatinnen und Kandidaten für den Gifhorner des Jahres.

Foto: Stefan Lohmann Collage: Jürgen Runo

Gesucht wird der Gifhorner des Jahres 2020: Neun Kandidatinnen und Kandidaten stehen zur Wahl. Sie alle setzen sich mit Leidenschaft für ihr Ehrenamt und damit für die Gesellschaft ein. Jeder von ihnen hätte den ersten Platz verdient. Doch wer tatsächlich die Ehre bekommt, darüber dürfen Sie hier jetzt abstimmen. Damit Sie sich einen guten Überblick über die Kandidatinnen und Kandidaten verschaffen können, stellen wir sie alle an dieser Stelle noch einmal kurz vor.

Uwe Beckmann, ehrenamtlicher Geschäftsführer MTV Gifhorn, hat Anfang des Jahres Amt niedergelegt

Gut sieben Jahre lang war Uwe Beckmann als Geschäftsführer des MTV ehrenamtlich tätig. Nun musste er aufgrund privater Gründe, die die Corona-Pandemie zu verantworten hat, den wichtigen Posten aufgeben. Der freiberufliche Musiker wurde 2014 in der Jahreshauptversammlung einstimmig gewählt. Autodidaktisch arbeitete er sich in die Materie ein. Unter anderem wurde unter seiner Regie die Geschäftsstelle und die Zusammenarbeit mit dem Steuerbüro modernisiert und effektiver gestaltet. Trotz der intensiven Belastung als Geschäftsführer ist der Familienvater dankbar für die sieben Jahre, die ihn als Mensch auf allen Ebenen „mächtig weitergebracht haben“. Der gelernte Dachdecker und ehemalige Zeitsoldaten (Big Band) saß jeden Tag in der Geschäftsstelle und betont: „Ich habe den Job lieben gelernt und war mit viel Freude dabei.“

Uwe Beckmann hat die Geschäfte des MTV im Griff

Christina Graumann, Gifhorn, Corona-Heldin der ersten Stunde

Christina Graumann ist Corona-Heldin der ersten Stunde. Seit mehr als einem Jahr haben wir die Krankheit. Tag für Tag für Tag fühlt sich die Pandemie anders an, wechseln die Strategien gegen das Virus. Bis auf den Lockdown, der irgendwie immer da ist. Christina Graumann jedenfalls legte los, als es die Alltagsmaske aus Stoff war, die zumindest Linderung versprach, wenn schon nicht Heilung. Inzwischen sollen es Papier und Vlies sein, bitteschön. Aber vom Frühjahr 2020 bis weit in den Herbst hinein war Stoff en vogue. Die 49-Jährige lieferte. Nähte und lieferte. Holte Freundinnen an die Nähmaschine, besorgte Stoff und lieferte. Die dankbaren Gifhorner spendeten 4400 Euro kamen so zusammen. Ein Schnäppchen für die Bürger, ein Segen für die Kinder. das Geld ging an die Tafel, das Kinderhospiz, Tierheilpraktikerin Corinna Michelsen und den Kinderfonds der Stadt. Für Kinderhilfe. Gerade in Corona-Zeiten.

Gifhornerin macht mit Masken Mut

Wolfgang Harder, Gifhorn, ADFC-Vorsitzender und Kämpfer für bessere Radwege

Wolfgang Harder sagt der Politik oft, wo es langgehen soll, und zwar für die Radfahrer in Landkreis und Stadt. Immer wenn es darum geht, einen Radweg neu anzulegen, zu ändern oder zu sanieren, dann ist der Kreisvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nach seiner Meinung gefragt. Er weiß, was die Wünsche der Zweiradbegeisterten sind, schließlich legt er selbst fast alle Wege nur mit dem Drahtesel zurück – bis zu 7000 Kilometer im Jahr, und das mit 70 Jahren. Das hält ganz offenbar fit.Harder sorgt mit dem Zweirad aber auch für Geselligkeit, sofern es Corona zulässt: Einmal im Monat organisiert der Gifhorner geführte, kostenlose Touren durch den Landkreis für bis zu 30 Interessierte – solche Ausflüge hatten ihn einst selbst mal zum ADFC geführt. Das obligatorische Abschlussessen und zwischendurch viele Pausen für Plaudereien gehören immer dazu.

Wolfgang Harder zeigt die Welt auf zwei Rädern

Christiane Klose und Sina Schachel, Corona-Engel aus Weyhausen, starten Hilfsaktion für Zoo in Essehof

Ein Familienzoo in Not – der Essehof im Landkreis Helmstedt ist über Generationen hinweg ein beliebtes Ausflugsziel in der Region. Als Sina Schachel (35) und Christiane Klose (31) aus Weyhausen im März erfuhren, dass dem privaten Betreiber die Corona-Pandemie finanzielle Sorgen bereitete, riefen sie zu Spenden auf. Der dafür gestartete Moneypool wurde auf allen Kanälen geteilt – und so kam es, dass in weniger als 24 Stunden rund 86.000 Euro eingingen. Eine Summe, die alle Vorstellungen überstieg, hatten die beiden Freundinnen doch für den Anfang mit höchstens 5000 Euro gerechnet. Doch es war schnell klar: Der Essehof ist nicht der einzige Tierpark, den die Pandemie getroffen hat. Prompt besorgten die Freundinnen Futterspenden, die sie von örtlichen Supermärkten und Raiffeisenmärkten zur Verfügung gestellt bekamen. Etliche Zoos und Tierparks freuten sich über diese Hilfe in Krisen-Zeiten. Über eine selbstlose Geste freuten sich auch viele Mitarbeiter in Geschäften. Die Weyhäuserinnen bedankten sich mit Kreidesprüchen vor den Läden bei ihnen.

Weyhäuserinnen helfen Tierparks und Zoos in Corona-Not

Heinrich Müller, Zahrenholz, seit 50 Jahren phänologischer Wetterbeobachter für den DWD

Ihm ist kein Wetter zuwider, egal ob es stürmt oder schneit, regnet oder die Sonne lacht – der Zahrenholzer Heinrich Müller dokumentiert es Tag ein Tag aus. Und seit 50 Jahren arbeitet er ehrenamtlich für den deutschen Wetterdienst (DWD) als phänologischer Wetterbeobachter. Er berichtet den Meteorologen, wann die Haselnuss blüht. Das ist aktuell gerade der Fall. Der 88-Jährige verfolgt das Wachstum bestimmter Pflanzen vom Buschwindröschen bis zur Eiche, vom Heidekraut bis zum Weißdorn, notiert akribisch seine Beobachtungen und übermittelt sie nach Frankfurt. Müllers ehrenamtliche Arbeit ging viele Jahre über die Unterstützung für den Wetterdienst hinaus. Für die CDU saß er rund 15 Jahre im Rat der Gemeinde Groß Oesingen, hat sich im Partnerschaftskreis der Samtgemeinde Wesendorf engagiert, war viele Jahre Kultur- und Landschaftsführer. Allein durch den Heiligen Hain lotste der Tausende von Besuchern, erzählte über die Geschichte und gab Geschichtchen zum Besten. Müller kennt jede Milchkanne in der Heide, das jedenfalls meinte mal ein Busfahrer auf einer Seniorentour, die er als Reisebegleiter betreut hat.

Seit über 50 Jahren beobachtet Heinrich Müller Flora und Fauna

Ursula Stresing-Momberg, Gifhorn, als Clown auf der Kinderstation im Klinikum

Gegenwehr ist völlig zwecklos! Wenn Clownin „Ullala“ alias Ursula Stresing-Momberg das Helios-Klinikum betritt und die Patienten der Kinderstation besucht, dann bleibt kein Auge trocken, ist das Gelächter groß – und die schlimmste Krankheit oder Verletzung sind vergessen, zumindest für eine Weile.Jeden Donnerstag um 10 Uhr – sofern es Corona zulässt – besucht die Gifhornerin die Jüngsten im Klinikum. „Ich weiß, sie brauchen ein bisschen Fröhlichkeit und Aufmunterung.“Mit ihrem Outfit aus gestreiftem T-Shirt, rotem Hut mit Blume, buntem Schal, Herzen auf Brust und Wangen und natürlich mit einer roten Clownsnase verzaubert sie ihre Zuhörer. Lustige Geschichten und Zaubertricks tun ihr Übriges. „Lachen ist doch die beste Medizin!“ Zur Clownin hat sich die 75-Jährige richtig ausbilden lassen: bei einem Seminar. Sie ist zusätzlich Leselernhelferin in der Wilhelm-Busch-Grundschule in Gamsen und trifft ehemalige Schüler auch gern mal bei Fridays for Future.

Stresing-Momberg verzaubert Kinder im Klinikum

Verena Treichel, Vorsitzende des Museumsvereins Böckwitz, rettet den Verein vor dem Aus

Hochzeit an der deutsch-deutschen Grenze 1959 in Böckwitz-Zicherie – das Bild vom Brautpaar auf der einen und der Mutter auf der anderen Seite des Stacheldrahts ging um die Welt und es hat dazu beigetragen, dass der Museumsverein Böckwitz vor dem Untergang bewahrt blieb. Verena Treichel postete das Bild in den sozialen Netzwerken, rief dazu auf, den Verein zu unterstützen, sich einzubringen, sich zu engagieren, um auch den folgenden Generationen die deutsch-deutsche Geschichte und die Geschichte der Region nahezubringen. Mit Erfolg: die Mitgliederzahl stieg von unter 20 auf mehr als 60. Es gibt vier Arbeitsgruppen für den Bauerngarten, die Ausstellung, für Touren und für das Archiv. Eine gelungene Bewährungsprobe gab’s am 3. Oktober als trotz Corona-Einschränkungen eine Vielzahl von Besuchern zum Grenzmuseum kamen. Sehr beliebt sind auch die Exkursionen auf dem Grünen Band entlang der ehemaligen Grenze. Pläne hat das engagierte Team um Treichel reichlich. Das fängt beim neuen Hinweisschild an und hört bei Podcasts auf, die über alte NVA-Telefone zu hören sind.

Das Grenzmuseum Böckwitz startet durch mit einem jungen Team

Die Wellcome-Engel des Diakonischen Werkes, Hilfe nach der Geburt

Wellcome, die Familienbetreuung für junge Familien in der Säuglingsphase, richtet sich an „ganz normale Familien“, erzähl Tahnee Winters, die das Ehrenamtsangebot des Diakonischen Werkes koordiniert. Denn das Ding ist: Kaum ist das Wunschkind da, „geht der Punk ab“. Das stellt auch ganz normale Familien auf den Kopf, denn normal ist mit einem Wirbelwind auf dem Wickeltisch nichts mehr.Da setzten die zwölf Gifhorner Wellcome-Engel wie Kathrin Auerswald und Carola Behrendt ein. Vorzugsweise gestandene Mütter, deren eigene Kinder aus dem Gröbsten raus sind. Sie greifen jungen Eltern im ersten Jahr nach der Geburt unter die Arme. Sie übernehmen das, was im Idealfall Nachbarn und Freunde beitragen könnten – aber was ist schon ideal nach einem Umzug, einem Neubau, einer Trennung, in einer Pandemie? So sehr die Hilfe von Herzen kommt, so strikt sind wiederum die Regeln: Es bleibt beim ersten Jahr, setzt doch zumeist die Krippenphase ein. Und die Unterstützung hat nichts mit Hauswirtschaft, Jugendhilfe oder Familienhebamme zu tun. Es geht um ein paar Stunden Alltagsbewältigung pro Woche in ansonsten ganz normalen Verhältnissen. Normal glücklich, gewissermaßen.

Wellcome-Engel verschaffen jungen Müttern Atempausen

Barbara Willuhn, Wilsche, Kümmerin in der Altenpflege, Pflegerin zu Hause

Das Engagement der 58-jährigen Barbara Willuhn hört nicht nach Feierabend auf. Die Hauswirtschaftsleiterin des Pflegewohnhauses Calberlah setzt sich auch in ihren vier Wänden in Wilsche ans Telefon oder an den Schreibtisch. Fordern und fördern – das hat sich die Wilscherin auf die Fahnen geschrieben. Jahreszeitliche Deko, die die 58-Jährige für weniger motorisch fitte schon mal Zuhause vorbereitet, damit es in der Gruppe im Heim leichter von der Hand geht, Kekse backen, Erledigungen übernehmen, den Innenhof auf Vordermann bringen, Sponsoren für Tannenbäume suchen – all das macht Willuhn neben ihren Aufgaben im Bereich Hygiene, Wäscheversorgung und Essensplanung. Und weil der Friseur derzeit nicht kommen darf, springt die gelernte Frisörin im Pflegewohnhaus bei Bedarf kurzerhand ein. Nächstenliebe ist für Willuhn, die sich seit 23 Jahren im DRK engagiert, keine Worthülse, sie lebt sie. In Gedanken ist sie immer bei den 63 Bewohnern – und das, wo ihre Freizeit durch die Pflege ihres Mannes ohnehin knapp bemessen ist. Nachbarn, Familie, Freunde und das Mitarbeiter-Team geben ihr die Energie.

Barbara Willuhn zeigt vollen Einsatz für die Heimbewohner

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