„Jens Spahn wollte nur Gutes tun“

Der Bundestag stimmt ohne Fraktionsvorgaben über neue Organspende-Rgeln ab.

Der Bundestag stimmt ohne Fraktionsvorgaben über neue Organspende-Rgeln ab.

Foto: Emily Wabitsch / dpa

Zum Thema Organspende:

Ich habe die Debatte gestern verfolgt und bin entsetzt, dass die Grünen sich im Bundestag durchgesetzt haben. Okay, ich gebe zu, ich habe mein Medizinstudium nicht gepackt, aber diese Sache scheint mir kinderleicht zu verstehen zu sein. Menschen in Deutschland sterben, weil es an sogenannten Vital-Organen (zum Beispiel Herz oder Leber) mangelt. Der Gesundheitsminister hat ein Gesetz ausgearbeitet bei dem, wenn Menschen sterben, der Staat auf die dringend notwendigen Vital-Organe zugreifen kann (so denn der Patient dies nicht ausdrücklich verbietet). Wo ist das Problem? Wenn man sowieso stirbt? Es ist leicht so über Moral und Ethik zu reflektieren, wenn man gesunde Vital-Organe im Körper hat. Wie konnte die Mehrheit der Bundestag unseren Gesundheitsminister so im Stich lassen? Er wollte nur Gutes tun.

Glen Mapp, Weddel

Sprachmissbrauch in Medien und Politik

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Zur Richtigstellung: Niemand stirbt, weil sich kein Organ findet! Es gibt nur drei Ursachen für den Tod: Alter, Krankheit und Gewalteinwirkung. Es gibt, wie jedermann der Bundestagsdebatte entnehmen konnte, gute Gründe für und gegen die Organentnahme aus Menschen, die als „hirntot“ diagnostiziert werden – auch wenn die Aufklärung über die Tatsächlichkeit des Sterbeprozesses deutlich hinter dem aktuellen Kenntnisstand her hinkt und in den Medien nur einen Bruchteil des Raumes einnimmt. Wir wollen und sollten sie beide respektieren.

Wer aber solche Schlagzeilen produziert, gedruckt oder vorgetragen, will eines der wertvollsten menschlichen Gefühle, die Fähigkeit zu Mitleid, ausbeuten und zur Waffe umfunktionieren für den eigenen und gegen den anderen Standpunkt, dem damit die moralische Integrität abgesprochen wird und dessen Anhänger damit quasi verantwortlich gemacht werden für den Tod ihrer erkrankten Mitmenschen! Das ist Orwellscher Sprachmissbrauch, kein Beitrag zu kritischer Meinungsbildung!

Gottfried Stein, Schöppenstedt

Diskussionskultur ist der Sieger

Ebenfalls dazu:

Ich hätte mir zwar ein anderes Ergebnis (pro doppelter Widerspruchslösung) erhofft, habe aber großen Respekt vor der sehr verantwortungsbewusst geführten Diskussion im Bundestag, die ich teilweise mitverfolgt habe. Da hat keiner verloren oder gewonnen. Solch ethische Fragen kann man nicht rein parteipolitisch entscheiden, so gingen die Meinungen quer durch die Parteienlandschaft. Denn sowohl Jens Spahn (CDU) als auch Annalena Baerbock (Grüne) waren Vertreter von parteiübergreifenden Abgeordnetengruppen. Wenn es eine Siegerin gibt, dann ist es die demokratische Diskussionskultur!

Klaus Hantelmann, Wolfenbüttel

Es wird nicht mehr Spenden geben

Zum gleichen Thema:

Tief enttäuscht habe ich das Abstimmungsergebnis zur Kenntnis genommen. Ich selbst habe eine nahe Angehörige, die ein Spenderorgan benötigt. Im Alter von 30 Jahren wurde bei ihr eine Niereninsuffizienz diagnostiziert. Seit nunmehr fast zehn Jahren muss sie dreimal wöchentlich zur Dialyse. Noch schlimmer ist die psychische Belastung. Immer in der Hoffnung dass das Telefon klingelt, und endlich die lang ersehnte Nachricht kommt, dass ein Spenderorgan vorhanden ist.

Nach dem Abstimmungsergebnis im Bundestag begann sie zu weinen und gab die Hoffnung auf, in naher Zukunft eine neue Niere zu bekommen. Nach aktuellen Umfragen sind 61 Prozent der Bevölkerung für die Widerspruchslösung. Aber eine Mehrheit der sogenannten Volksvertreter hat den Gesetzesvorschlag von Spahn abgelehnt.

Stattdessen sollen die Hausärzte Patienten alle zwei Jahre über Organspenden informieren, und die Bürgerämter bei Abholung von Ausweisen über die Entscheidung zur Organspende erinnern. Dadurch wird sich aber die Anzahl der Organspenden kaum merklich steigern lassen.

Uwe Finger, Lehre

Schlechtes Gewissen untergejubelt

Auch dazu:

Meines Wissens dürfen in Deutschland nur Menschen Organe spenden, die hirntot sind. Dieses sind in Deutschland jährlich allerdings lediglich 4000 Menschen. Uns immer wieder mit Ländern wie zum Beispiel Spanien zur vergleichen, und uns damit ein schlechtes Gewissen unterzujubeln, ist falsch. Denn dort dürfen auch Menschen, die zum Beispiel an Herz-Kreislauf Versagen gestorben sind, Organspender sein. Wenn das in Deutschland auch so wäre, (das ist dann eine andere Diskussion) wären es in Deutschland ganz schnell mehrere 100.000 potenzielle Spender!

Axel Krentel, Braunschweig

Menschen wird es bequem gemacht

Auch dazu:

Ist unterlassene zumutbare Hilfeleistung nicht sogar strafbar? Stattdessen wird es den Mitbürgern weiterhin bequem gemacht, die kein Menschenleben retten wollen – aber bei Bedarf selbst auf Spenderorgane zugreifen würden.

Peter Koch, Vordorf

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