Die Kanzlerin zwingt Seehofer in die Knie

"Dem CSU-Chef bleibt nur noch der Rückzug – Jetzt wird es für den Seehofer-Jäger Markus Söder ganz schwer."

So viel Drama gab es in der deutschen Innenpolitik schon lange nicht mehr. Nach einer turbulenten Nachtsitzung seiner Partei hatte sich Horst Seehofer entschieden, die Brocken hinzuwerfen. Rückzug vom Amt des CSU-Vorsitzenden. Abgang als Bundesinnenminister nach gerade hundert Tagen im Amt! Verzweifelte Partei-Granden konnten ihn gestern Nacht von diesem Schritt vorerst abhalten. Aber Seehofer kann gar nicht mehr anders. Es wäre ein Fehler, wenn er bleibt.

Der CSU-Chef hat schlicht erkannt, dass er sich im Asylstreit mit der Kanzlerin total verrannt hat. Er ist ein Opfer der eisernen Nerven Angela Merkels. Rauswurf durch die Kanzlerin oder klein beigeben waren seine Optionen – es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera. Jetzt will der Bayer das Heft des Handelns in der Hand behalten. Er will über sein politisches Schicksal selbst entschieden. Es soll nicht die Kanzlerin sein, oder – für ihn schlimmer - die Söders und Dobrindts seiner Partei.

Horst Seehofer will nicht als derjenige in die Geschichte eingehen, der die Union gesprengt hat. Es wird ihn beeindruckt haben, wie Angela Merkel erneut ihre Reihen geschlossen hat. Ein Bruch mit der CDU ist auch in der CSU hoch umstritten. Wer ihn für die eigene Profilierung betreibt, kann scheitern. Daher wird das Handling dieser historischen Krise jetzt zur Feuertaufe für Bayerns ehrgeizigen Ministerpräsidenten Markus Söder. Er hat mit Seehofers geplantem Schritt nicht gerechnet und würde ihn – zu Recht – als späte Rache empfinden.

Der machtbewusste Franke hatte Seehofer aus dem Amt gedrängt und ihn von München aus auch in der Hauptstadt unter Druck gesetzt. Jetzt muss er sehr wahrscheinlich selbst liefern, was Seehofer auf Söders Druck versprochen hatte. Aber das wird schwer: Schließlich wollte die CSU weismachen, dass man mit nationalen Zurückweisungsplänen illegale Migration quasi wegzaubern kann.

Dabei hat man vergessen: Deutschland ist nicht Nordkorea und hat 3800 Kilometer Landgrenze, die offener ist als ein Allgäuer Lochkäse. Die Kontrollen an den drei Autobahnübergängen zwischen Deutschland und Österreich sind – wohlwollend formuliert – eher symbolischer Natur.

Ein Flüchtling, der illegal nach Deutschland einreisen will, schafft das auch. Zurückweisungsbeschluss hin oder her. Er muss nur die Route ändern und Bundesstraßen, Landstraßen oder Fernwanderwege wählen. Denn niemand in der CSU will das schöne Bayern in eine Festung verwandeln. Hoteliers, Spediteure und Unternehmen würden den Christsozialen die Hölle heiß machen.

Jetzt ist der erfahrenste Machtstratege der CSU also auf dem Absprung. Er lässt eine Partei zurück, die Angela Merkel loswerden will, aber sich dreieinhalb Monate vor der Bayernwahl verzockt hat. Statt bei der CSU klettern Umfragewerte bei der AfD. Von Seehofers 47 Prozent bei der letzten Bayernwahl kann Söder heute nur träumen. Ihm droht sogar eine Wahlschlappe und sicher scheint für die Wahl im Freistaat derzeit nur eines: Sollten die Bayern Söder abstrafen, wird sich Horst Seehofers Mitleid in Grenzen halten.

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