Volkswagen/Wolfsburg

Protest gegen neues VW-Werk: Klage gegen die Räumung

| Lesedauer: 4 Minuten
Noch hat sich nur eine Handvoll Aktivisten bei Warmenau eingefunden. Es könnten aber mehr werden. Die Dauermahnwache soll bis zum nächsten Frühjahr dauern.

Noch hat sich nur eine Handvoll Aktivisten bei Warmenau eingefunden. Es könnten aber mehr werden. Die Dauermahnwache soll bis zum nächsten Frühjahr dauern.

Foto: Michael Uhmeyer / regios24

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Wolfsburg.  Die Demonstranten, die den Bau der Trinity-Fabrik bei Warmenau ablehnen, beklagen sich über massive Einschränkungen des Demonstrationsrechts.

Jetzt ist eingetreten, was Volkswagen und die Stadt Wolfsburg unbedingt vermeiden wollten. Wegen der Dauermahnwache der Gruppe „StopTrinity“, die am Donnerstag auf einem Abschnitt des Baugeländes bei Warmenau beginnen soll, gibt es schon vorab Ärger. Die wenigen Aktivisten wurden von der Polizei auf den ihnen von der Stadt zugewiesenen Platz gebracht. Dagegen wollen sie klagen.

„Stadt und Polizei zeigen sich als willfährige Vollstrecker“

Eigentlich war Cosimo gekommen, um auf dem Acker nördlich des Fahrradwegs, der nach Osten von der K31 zwischen Warmenau und Brackstedt abbiegt, zu bleiben. Doch es kam anders: Um Punkt 9.18 Uhr wurde der etwa 80 Kilogramm schwere junge Mann von drei Einsatzkräften der Polizeiinspektion Wolfsburg-Helmstedt „mit einfacher körperlicher Gewalt“ – wie es im Polizeibericht heißt – auf die andere Straßenseite getragen. Drei Aktivisten der Bewegung „stop-trinity“ hatten sich ab 7 Uhr in der Früh auf dem Feld aufgehalten. Schon nachts um 2 Uhr hatte ein Streifenwagen einen Anhänger mit Holzbrettern, Baumaterial und Bannern, der auf der Fläche stand, ausgemacht.

Gegen 9 Uhr hatten die Beamten die Räumung angedroht, doch weder Lotte Herzberg noch die anderen Zwei bewegten sich. Dann handelten die Einsatzkräfte vor Ort entsprechend. Auch der Anhänger wurde auf die Wiese westlich der Kreisstraße von den Männern und Frauen in den blauen Uniformen verbracht. „Eine kleine Mahnwache gegen eine riesige Autofabrik, ordnungsgemäß angemeldet und mit dem bewirtschaftenden Landwirt abgesprochen, doch in Wolfsburg ist schon das zu viel. Stadt und Polizei zeigen sich damit als willfährige Vollstrecker der Konzerninteressen – und das nicht zum ersten Mal“, moniert die junge Frau aus Einbeck in ihrem Blog auf https://stoptrinity.blackblogs.org/.

„Die Regenwürmer wollen auch alt werden“

Wie Cosimo trägt Lotte an diesem Morgen wasserfeste Wanderstiefel und Funktionsbekleidung, der Reißverschluss des gefütterten Rollkragenpullovers ist im Angesicht der morgendlichen Kälte noch geschlossen. Cosimo hat eine Isomatte dabei, ein anderer junge Mann einen Schlafsack. Zu ihrer Unterstützung ist Matthias mit dem Fahrrad vorbei geradelt gekommen. Im Gepäck: heißen Kaffee und Schoko-Croissants.

Auch Karl aus Jembke schaut vorbei: „Ich will hier mit den jungen Menschen gegen die Ungerechtigkeit auf dieser Welt kämpfen. Die Regenwürmer wollen auch alt werden, ohne Betondeckel auf dem Kopf.“ Nur mit Flipp-Flops, T-Shirt und einer Jogginghose bekleidet, ist ein junger Mann aus der Teichbreite dabei: „Das Thema interessiert mich, das Engagement der Protestler finde ich gut.“ Sagt’s und ruft dem kleinen Grüppchen zu: „Bis später.“Denn wie gesagt, Lotte und Co. sind gekommen, um zu bleiben. Jeden Tag, 24 Stunden lang.

Die Stadt genehmigte eine „Alternativfläche“

„Wir haben die Mahnwache bis April beantragt“, erklärt Lotte. Auch ein Kompostklo wurde angemeldet. Weil die Mahnwache aber unbedingt dort stattfinden soll, wo auch wirklich das Trinity-Werk gebaut werden soll, sprich östlich der K31, läuft eine Klage gegen den von der Verwaltung zugewiesenen Platz. Eine Anmeldung der Mahnwache sei Ende letzter Woche per Fax eingegangen, bestätigt die Stadt-Kommunikation auf Anfrage unserer Zeitung.

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„Die Versammlungsbehörde hat am 20. September ein Kooperationsgespräch mit dem Antragstellenden geführt. Am 21. September wurde eine Bestätigung der Versammlung an den Antragstellenden verschickt. Die Stadt Wolfsburg hat allerdings nicht der Nutzung der beantragten Fläche zugestimmt, sondern eine Alternativfläche in unmittelbarer Nähe genehmigt“, sagt Pressesprecherin Janne Surborg.

Der Protest mag sich derzeit bescheiden ausnehmen. Er ist aber potenziell nicht ungefährlich für Volkswagen. Denn symbolträchtigen Aktionen im Umfeld von Volkswagen ist Aufmerksamkeit gewiss. Beispiele wie der Widerstand gegen die Erweiterung des Braunkohlereviers im Hambacher Forst oder die Friday-for-Future-Bewegung zeigen, dass aus einer kleinen Zelle beachtliche Bewegungen entstehen können.

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